Patienten akzeptieren Telematik für bessere Versorgung

20.9.2018 – Eine aktuelle Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zeigt, dass die Mehrheit der gesetzlich Versicherten die elektronische Patientenakte akzeptiert. Nur eine Minderheit befürchtet hier Datenmissbrauch. Interesse zeigen die Befragten auch an einem nationalen Gesundheitsportal.

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Die gesetzlich Versicherten sind mit der ambulanten Versorgung in Deutschland insgesamt zufrieden. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse einer Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Die Befragung für die KBV führt fast jährlich die Forschungsgruppe Wahlen e.V. durch. Die Baustellen für die gesetzlich Versicherten im Verhältnis zu ihren Ärzten sind dabei überschaubar (VersicherungsJournal Medienspiegel 4.9.2017, Medienspiegel 12.9.2016).

Im Zeitraum vom 9. April bis zum 4. Juni 2018 interviewten die Meinungsforscher telefonisch über 6.000 Versicherte zu ihrer Einschätzung der Versorgungssituation in Deutschland. Zusätzlich führte die Patientenprojekte GmbH eine qualitative Untersuchung mit Fokusgruppen zur Digitalisierung im Gesundheitswesen aus Sicht von Patienten durch.

Mehrheit der Versicherten akzeptiert elektronische Akte

Als neue Rubrik nahmen die Meinungsforscher auch Fragen nach der „elektronischen Patientenakte“ (ePA) oder der elektronischen Gesundheitsakte (eGA) in die Studie auf. Auf diesem Medium können Patienten neben persönlichen Daten auch medizinische Befunde und Diagnosen speichern. 2017 befragten sie die gesetzlich Versicherten nur zur Akzeptanz und Nutzung von Gesundheits-Apps.

Die Mehrheit der gesetzlich Versicherten akzeptiert die ePA: 64 Prozent der Befragten findet die digitale Patientenakte „gut“. 29 Prozent urteilen mit „nicht gut“ und sieben Prozent haben dazu keine Meinung.

Bewertung der ePA (Bild: KBV)
Zur Akzeptanz der elektronischen Patientenakte bei den gesetzlich Versicherten (Bild: KBV)

Positiv bewerten die elektronische Karte 67 Prozent der männlichen und 62 Prozent der weiblichen Befragten. Gerade bei den Jüngeren zwischen 18 und 29 Jahren (73 Prozent) und den 30 bis 39-Jährigen (68 Prozent) erzielt das Medium eine nochmals höhere Akzeptanz.

Angst vor Datenmissbrauch

Unter den Befragten, die sich gegen eine ePA aussprechen, liegt das Hauptmotiv im Datenschutz. 81 Prozent aus dieser Gruppe fürchten, dass ihre Gesundheitsdaten nicht ausreichend geschützt sind oder sogar missbraucht werden könnten.

20 Prozent der Befragten, bei dieser Nachfrage ohne Vorgaben waren mehrere Antworten möglich, meinen, dass ihre Gesundheitsdaten besser beim Arzt oder in seiner Praxis als auf einer digitalen Karte aufgehoben seien. Sechs Prozent der Umfrageteilnehmer befürchten, dass die hinterlegten Informationen die Diagnose des jeweiligen Arztes beeinflussen könnten.

Keine Rolle spielt bei der Einstellung zur ePA dagegen der individuelle Gesundheitszustand oder die Anzahl der Arztbesuche. 65 Prozent der Befragten mit und 64 Prozent ohne eine chronische Krankheit finden die Versichertenakte gut.

Als Grund für die mehrheitlich positive Einstellung zur ePA nennen die Studienautoren „die Erwartungen bezüglich einer optimierte Gesundheitsversorgung“. 62 Prozent aller gesetzlich Versicherten erwarten, dass die digitale Versichertenakte die Behandlung von medizinischen Problemen verbessern wird. 29 Prozent sind im Hinblick auf eine optimierte Behandlung skeptisch.

Erwartungen (Bild: KBV)
Die Mehrheit der Patienten erwartet eine optimierte Versorgung (Bild: KBVZ)

Erstes Projekt der eGA startete bereits

Die Versicherungswirtschaft arbeitet mit Hochdruck an der Umsetzung des E-Health-Gesetzes, das die Einführung der elektronischen Patienten- oder Gesundheitsakte vorschreibt. Dafür kooperieren Krankenkassen und private Krankenversicherer. Erst vor zwei Tagen ging das Gemeinschaftsprojekt „Vivy“ an den Start (VersicherungsJournal 18.9.2018)

Die DKV Deutsche Krankenversicherung AG, die Central Krankenversicherung AG und die Signal Iduna Krankenversicherung a.G. werden künftig das gemeinsam entwickelte System der Techniker Krankenkasse und IBM Deutschland GmbH nutzen, um ihren Versicherten einen digitalen Zugang zu ihren Patienteninformationen zu bieten (VersicherungsJournal 13.6.2018).

Ärzte und Apotheker stehen der Einführung der digitalen Instrumente allerdings immer noch skeptisch gegenüber. Jeder vierte niedergelassene Arzt in Deutschland (28 Prozent) will sich derzeit nicht an die Telematikinfrastruktur für Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) anschließen (VersicherungsJournal 30.8.2018).

Interesse an nationalem Gesundheitsportal besteht

Neben der Akzeptanz der ePA fragten die Meinungsforscher für die aktuelle KVB-Studie auch nach dem Interesse der Versicherten für das von der Bundesregierung geplante nationale Gesundheitsportal im Internet.

50 Prozent aller gesetzlich Versicherten würden nach eigenen Angaben ein solches Portal mit Informationen über medizinische Fragen nutzen. 31 Prozent lehnen das ab.

 
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