6.3.2026 – Durch Privatpatienten sind der medizinischen Versorgung laut einer WIP-Studie in Deutschland 2024 über 15,5 Milliarden Euro Mehrumsatz zugeflossen. Besonders bei den Arztpraxen ist der Anteil der Einnahmen aus privaten Behandlungen hoch – etwa jeden fünften Euro verdienen sie mit Privatpatienten. Zugleich steigen aber auch die Kosten im PKV-System deutlich an.
Das WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV hat erneut in einer Studie errechnet (PDF, 772 KB), wie viel Geld Ärzten, Krankenhäusern und anderen Gesundheitsdienstleistern fehlen würde, wenn alle Privatversicherten gesetzlich versichert wären.
Dazu stellt das Institut die tatsächlichen Leistungsausgaben der PKV-Vollversicherten hypothetischen Ausgaben gegenüber, die dieselben Personen als GKV-Versicherte verursachen würden.
Ergebnis ist der sogenannte Mehrumsatz. „Dieser Mehrumsatz entspricht dem Betrag, den PKV-Versicherte im Vergleich zu GKV-Versicherten für Gesundheitsleistungen mehr bezahlen“, heißt es in der Studie. Er ergibt sich unter anderem aus unterschiedlichen Gebührenordnungen für ärztliche Leistungen sowie aus Wahlleistungen.
Grundlage der Berechnungen sind die sogenannten Kopfschadenstatistiken des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. Sie enthalten die Pro-Kopf-Ausgaben aller privat Krankenvollversicherten, differenziert nach Alter, Geschlecht und Leistungsbereichen wie Arzt, Zahnarzt oder Krankenhaus.
Als Vergleichsbasis für die gesetzliche Krankenversicherung dienen Ausgabenprofile, die aus Daten des Risikostrukturausgleichs gewonnen werden. Diese Daten stammen vom Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) und bilden die durchschnittlichen Leistungsausgaben je Versichertentag nach Alter, Geschlecht und Leistungsart ab.
Um die Systeme vergleichbar zu machen, werden die GKV-Ausgaben auf die Alters- und Geschlechtsstruktur der PKV-Versicherten übertragen. So entsteht ein hypothetischer Wert: Welche Ausgaben würden dieselben Personen verursachen, wenn sie gesetzlich versichert wären?
Die Differenz zwischen den tatsächlichen PKV-Ausgaben und diesen modellhaft berechneten GKV-Ausgaben ergibt den Mehrumsatz.
Dabei bleiben Zuzahlungen und Selbstbehalte, die privat und gesetzlich Versicherte teilweise in erheblichem Umfang selbst tragen, nur eingeschränkt abgebildet. Das WIP weist darauf hin, dass dies insbesondere bei der Vergleichbarkeit der Zahnarztleistungen relevant ist. Für die zahnärztliche Versorgung in der GKV erfolgt eine Ausgleichsrechnung auf Basis der Ausgaben privater Haushalte.
PKV-Versicherte spielen für alle Leistungserbringer im Gesundheitswesen eine wichtige Rolle.
WIP
Am Ende des Jahres 2024 lebten in Deutschland 83,58 Millionen Menschen, wie das WIP anhand von Zahlen des Statistischen Bundesamts berichtet. Davon waren 8,74 Millionen Personen privat krankenvollversichert. Rund 53,3 Prozent davon hatten einen Beihilfeanspruch.
Das Durchschnittsalter der privat Krankenversicherten betrug 46,71 Jahre und ist damit um 0,16 Jahre gegenüber dem Vorjahr gestiegen. In der gesetzlichen Krankenversicherung lag das Durchschnittsalter mit 44,06 Jahren etwas niedriger und stieg um 0,08 Jahre gegenüber dem Vorjahr.
In allen untersuchten Versorgungsbereichen liegt der prozentuale Finanzierungsanteil der privat Krankenvollversicherten an den Gesamtausgaben des Gesundheitssystems über ihrem Bevölkerungsanteil. Während privat Krankenversicherte nur rund 10,5 Prozent der Bevölkerung ausmachen, lag ihr Finanzierungsanteil 2024 bei 15,6 Prozent.
Die Leistungsausgaben der GKV-Versicherten beliefen sich 2024 auf 262,87 Milliarden Euro, die der privat Krankenversicherten auf 48,66 Milliarden Euro (VersicherungsJournal 21.3.2025).
Über alle Versorgungsbereiche hinweg errechnet das WIP für das Jahr 2024 einen Mehrumsatz von 15,52 Milliarden Euro, der im Gesundheitssystem fehlen würde, wenn die private Krankenvollversicherung entfallen würde. Gegenüber dem Vorjahr ist er um über eine Milliarde Euro angestiegen.
„PKV-Versicherte spielen für alle Leistungserbringer im Gesundheitswesen eine wichtige Rolle. Der Mehrumsatz der PKV-Versicherten (…) ermöglicht Investitionen in die medizinische Infrastruktur und in die Einstellung von medizinischem Fachpersonal, die der gesamten Bevölkerung Deutschlands zugutekommen“, heißt es hierzu im Bericht.
Die Auswertung zeigt aber auch, dass die Ausgaben der privaten Krankenvollversicherer in fast allen Bereichen schneller steigen als im GKV-System. Als Ursache nennt die Studie unter anderem eine zunehmend ungünstige Altersstruktur, die Kosten des medizinischen Fortschritts und allgemein steigende Personal- und Behandlungskosten im Gesundheitssystem.
Den größten Anteil an den Gesamtausgaben der PKV-Versicherten macht weiterhin die ambulant-ärztliche Versorgung aus. Auf diesen Bereich entfallen 31,7 Prozent der gesamten Leistungsausgaben. Sie stiegen 2024 um 8,4 Prozent auf 15,43 Milliarden Euro.
In der GKV ist die ambulant-ärztliche Versorgung mit einem Anteil von 21 Prozent der zweitgrößte Ausgabenposten hinter der stationären Versorgung. Hier stiegen die Ausgaben um 6,3 Prozent auf 55,43 Milliarden Euro. Jeden fünften Euro verdienen Arztpraxen folglich mit Privatversicherten.
Die ambulant-ärztliche Versorgung erzeugt den größten Mehrumsatz aller Versorgungsbereiche. Würden PKV-Versicherte nach den gleichen Regeln wie GKV-Versicherte abgerechnet, ergäben sich anstelle der tatsächlichen Ausgaben von 15,43 Milliarden Euro hypothetische Ausgaben in Höhe von 6,66 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich ein Mehrumsatz von 8,76 Milliarden Euro.
Mehr als die Hälfte der Ausgaben von PKV-Versicherten in diesem Bereich (56,8 Prozent) kann somit als Mehrumsatz gelten. Gegenüber 2023 ist dieser Wert um 9,7 Prozent beziehungsweise 0,77 Milliarden Euro gestiegen.
Die stationäre Versorgung ist der zweitgrößte Ausgabenposten der PKV. 2024 stiegen die Ausgaben um 8,5 Prozent auf 13,85 Milliarden Euro, was 28,5 Prozent der gesamten PKV-Leistungsausgaben entspricht. In der GKV lagen die stationären Ausgaben mit 105,05 Milliarden Euro deutlich höher und machten 40 Prozent der Gesamtausgaben aus. Auch hier stiegen die Ausgaben um 8,8 Prozent.
Der Mehrumsatz in der stationären Versorgung ist mit 0,27 Milliarden Euro vergleichsweise gering. Lediglich 1,9 Prozent der PKV-Ausgaben in diesem Bereich gelten als Mehrumsatz; gegenüber 2023 ist er sogar leicht zurückgegangen.
Der geringe Mehrumsatz im stationären Bereich resultiert neben dem einheitlichen DRG-Abrechnungssystem auch aus unterschiedlichen Anreizstrukturen. Für Arztpraxen kann die ambulante Behandlung von PKV-Versicherten wirtschaftlich attraktiver sein, da höhere Vergütungen möglich sind. Dadurch werden Behandlungen häufiger im ambulanten Bereich abgeschlossen.
| Bereich | PKV* | GKV* | Finanzierungsanteil der PKV-Versicherten** |
|---|---|---|---|
| Quelle: WIP, *Ausgaben in Milliarden Euro, **Finanzierungsanteil PKV in Prozent | |||
| Ambulant-ärztliche Versorgung | 15,43 | 55,43 | 21,8 |
| Stationäre Versorgung | 13,85 | 105,05 | 11,6 |
| Zahnärztliche Versorgung | 5,42 | 18,27 | 22,9 |
| Arznei- und Verbandmittel | 8,66 | 57,69 | 13,1 |
| Heilmittel | 2,74 | 13,30 | 17,1 |
| Hilfsmittel | 2,07 | 11,74 | 15,0 |
| Sonstige | 0,49 | 1,39 | 25,9 |
| Gesamt | 48,66 | 262,87 | 15,6 |
Die zahnärztliche Versorgung ist der Bereich mit dem zweitgrößten Mehrumsatz von 3,22 Milliarden Euro, was 59,5 Prozent der PKV-Ausgaben (5,42 Milliarden Euro) entspricht. Ursache sind vor allem höhere Erstattungssätze in der PKV sowie deutlich höhere Eigenbeteiligungen von GKV-Versicherten, etwa bei Zahnersatz. Gegenüber 2023 ist der Mehrumsatz um 6,7 Prozent gestiegen.
Bei Arznei- und Verbandmitteln steigen die PKV-Ausgaben mit fast zehn Prozent weiter deutlich. 2024 lagen sie bei 8,66 Milliarden Euro, der Mehrumsatz betrug 1,13 Milliarden Euro (GKV: ebenfalls zehn Prozent). Unterschiede entstehen durch unterschiedliche Rabatt- und Steuerungsmechanismen sowie den höheren Anteil neuer und patentgeschützter Medikamente in der PKV.
Die Ausgaben für Heilmittel beliefen sich auf 2,74 Milliarden Euro, der Mehrumsatz lag bei 1,20 Milliarden Euro (43,6 Prozent). Der hohe Anteil erklärt sich durch die stärkere Reglementierung der Heilmittelversorgung in der GKV, etwa durch Richtgrößen oder Regressinstrumente. Der Mehrumsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 8,9 Prozent.
Für Hilfsmittel entstanden Ausgaben von 2,07 Milliarden Euro und ein Mehrumsatz von 0,60 Milliarden Euro (28,9 Prozent). Auch hier wirken unterschiedliche Regulierungs- und Versorgungsstrukturen zwischen PKV und GKV. Der Mehrumsatz stieg um 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
| Bereich | 2024* | 2023* | Differenz** |
|---|---|---|---|
| Quelle: WIP, *Mehrumsatz in Milliarden Euro, **Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent. | |||
| Ambulant-ärztliche Versorgung | 8,76 | 7,99 | +0,77 |
| Stationäre Versorgung | 0,27 | 0,39 | -0,2 |
| Zahnärztliche Versorgung | 3,22 | 3,02 | +0,20 |
| Arznei- und Verbandmittel | 1,13 | 1,07 | +0,06 |
| Heilmittel | 1,20 | 1,10 | +0,10 |
| Hilfsmittel | 0,60 | 0,56 | +0,04 |
| Sonstige | 0,34 | 0,33 | +0,00 |
| Gesamt | 15,52 | 14,46 | +1,06 |
Andreas Burkhardt - Objektivität gegenüber dem Thema nicht gewährleistet. mehr ...
+Roland Krüger - Die über 100 Wasserköpfe in Deutschland abschaffen. mehr ...
Gary Leif Sattler - Rückgang der Kassenanzahl hat nichts gebracht. mehr ...
Peter Schramm - Ohne PKV ließen sich unnötige Krankenhausbehandlungen einsparen. mehr ...
Uwe Rabbe - Die Privatversicherten zahlen erheblich mehr. mehr ...
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