Neue Sterbetafel veröffentlicht

21.10.2016 (€) – Laut der neuen Sterbetafel 2013/2015 von Destatis haben neugeborene Mädchen eine statistische Lebenserwartung von 83 Jahren und einem Monat, neugeborene Jungen eine von 78 Jahren und zwei Monaten. Am höchsten ist die Lebenserwartung in Baden-Württemberg, am niedrigsten in Sachsen-Anhalt (Jungen) beziehungsweise im Saarland (Mädchen). In den vergangenen 20 Jahren ist die Lebenserwartung um fünf Jahre und zwei Monate (Männer) beziehungsweise drei Jahre und sieben Monate (Frauen) gestiegen. Die regionalen Unterschiede haben hingegen abgenommen.

Neugeborene Jungen haben nach der jetzt vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten Periodensterbetafel 2013/2015 eine statistische Lebenserwartung von 78 Jahren und zwei Monaten, neugeborene Mädchen von 83 Jahren und einem Monat.

Wie Destatis weiter mitteilte, ist die Lebenserwartung im Vergleich zur vorangegangenen Sterbetafel 2012/2014 nahezu gleich geblieben. Im Vergleich zu vor 20 Jahren (Sterbetafel 1993/1995) ergibt sich allerdings eine kräftige Zunahme. Bei den Jungen sind es aktuell fünf Jahre und zwei Monate mehr, bei den Mädchen drei Jahre und sieben Monate mehr.

Deutliche Unterschiede

Zwischen den Bundesländern gibt es den Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge deutliche Unterschiede. So haben neugeborene Jungen statistisch gesehen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Niedersachsen mit jeweils rund 79 Jahren eine klar höhere Lebenserwartung als etwa in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen (jeweils unter 77 Jahre).

Bei neugeborenen Mädchen sind die Abweichungen vom Bundesdurchschnitt niedriger ausgeprägt. Für diese ist die Lebenserwartung in Baden-Württemberg und Sachsen mit fast 84 Jahren am höchsten. Im Saarland liegt sie hingegen nur hauchdünn über 82 Jahre.

Abstand zwischen den Bundesländern hat sich verringert

Überproportional stark zugenommen hat die Lebenserwartung innerhalb der letzten 20 Jahre bei den männlichen Neugeborenen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg (jeweils rund siebeneinhalb Jahre) und bei den weiblichen Neugeborenen in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Brandenburg und Sachsen (jeweils rund fünf Jahre).

Bild: Screenshot Destatis.de
Bild: Screenshot Destatis.de

Die niedrigsten Steigerungsraten gab es nach den aktuellen Destatis-Daten bei den Jungen in Schleswig-Holstein mit rund viereinhalb Jahren und bei den Mädchen mit nur drei Jahren in Baden-Württemberg und Niedersachsen.

Im Vergleich zur Sterbetafel 1993/1995 hat sich der Abstand zwischen den Bundesländern mit der höchsten und der niedrigsten Lebenserwartung auf drei Jahre und vier Monate (Jungen) beziehungsweise ein Jahr und neun Monate (Mädchen) fast halbiert, wie Destatis weiter mitteilte.

Auch Rentner leben immer länger

20-jährige Männer haben nach den aktuellen Daten noch eine verbleibende Lebenserwartung von 58 Jahren und sieben Monaten, im Alter von 40 sind es noch 39 Jahre und gut drei Monate.

60-jährige Männer können statistisch gesehen damit rechnen, 81 Jahre und sechs Monate alt zu werden. Bei 70-Jährigen liegt der Wert bei 84 Jahren und knapp zwei Monaten, bei 80-Jährigen bei 87 Jahren und etwa zehn Monaten.

Für 20-jährige Frauen beträgt die verbleibende Lebenserwartung den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts zufolge noch 63 Jahre und fast sechs Monate, im Alter von 40 sind es noch 43 Jahre und fast zehn Monate.

60-jährige Frauen können statistisch gesehen damit rechnen, 85 Jahre und gut zwei Monate alt zu werden. 70-jährige Frauen sterben statistisch gesehen mit 86 Jahren und knapp zehn Monaten, 80-jährige mit 89 Jahren und knapp vier Monaten.

Bild: Destatis
Bild: Destatis

Individuelle Abweichungen

Das Statistische Bundesamt weist darauf hin, dass es sich bei den Angaben stets um Durchschnittswerte handelt und „das individuelle Sterblichkeitsrisiko je nach Lebensverhältnissen, Lebensführung, Beruf und gesundheitlicher Verfassung erheblich abweichen kann“.

Wie sich verschiedene Faktoren auf die Lebenserwartung auswirken können, war kürzlich Gegenstand einer anderen Untersuchung. Auszüge aus den Studienergebnisse wurde in der Informationsschrift „Demografische Forschung aus erster Hand“ (PDF-Datei, 1,16 MB, herausgegeben vom Max-Planck-Institut für Demografische Forschung, MPIDR) veröffentlicht (VersicherungsJournal 12.7.2016).

Versicherer mit eigenen Sterbetafeln

Auch für die Versicherer sind Lebenserwartung und Sterbe-Wahrscheinlichkeit wichtige Größen für die Tarifkalkulation. Allerdings arbeitet die Versicherungswirtschaft nicht mit den Destatis-Daten. Hierzu hatte die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) vor einiger Zeit auf Anfrage erklärt, dass bei den DAV-Sterbetafeln grundsätzlich beachtet werden müsse, dass Versicherer bei Renten- oder Lebensversicherungs-Verträgen langfristige Garantien aussprechen würden.

Sie seien deshalb vom Gesetzgeber verpflichtet worden, die Versicherungstarife vorsichtig zu kalkulieren. „Aufgrund dieser Sicherheitszuschläge weichen die Daten der DAV zur Sterblichkeit der Versicherten nachweislich von den Zahlen der Bevölkerung, die durch das Statistische Bundesamt errechnet werden, ab“ (VersicherungsJournal 23.4.2015).

Dies wird von Verbraucherschützern und verbraucherschutznahen Zeitschriften immer wieder angeprangert, die Versicherten müssten nämlich steinalt werden, um positive Renditen zu erzielen (VersicherungsJournal 1.6.2011, 7.3.2012).

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