14.8.2026 – Eine Umfrage des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung gibt erste Einblicke, was Lebensversicherer und andere Anbieter für die neue staatlich geförderte Altersvorsorge ab dem 1. Januar 2027 planen. Bei den Lebensversicherern liegen Produkte ohne Garantie und mit 80-prozentiger Beitragsgarantie vorn.

- Michael Hauer (Bild: IVFP)
Die Institut für Vorsorge und Finanzplanung GmbH (IVFP) hat 200 Unternehmen zu ihren Plänen für die neue staatlich geförderte Altersvorsorge ab 2027 (VersicherungsJournal 8.5.2026) befragt. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob und in welcher Form sie ein Altersvorsorgedepot anbieten wollen. 32 Lebensversicherer, elf Fondsgesellschaften, fünf Neobroker und zwei Kreditinstitute antworteten. Die Erhebung lief vom 11. Mai bis zum 8. Juli 2026.
Knapp drei Viertel sehen Wachstumsfeld
Die strategische Bedeutung der Altersvorsorge ist dabei hoch: Von 49 antwortenden Unternehmen bezeichnen 76 Prozent den Bereich als zentrales Wachstumsfeld, weitere 22 Prozent als wichtiges Ergänzungsfeld.
„Die hohe strategische Bedeutung zeigt, dass sich der Markt nicht nur punktuell auf die Reform vorbereitet. Das Altersvorsorgedepot ist für nahezu alle befragten Unternehmen Teil ihrer künftigen Wachstums- oder Produktstrategie“, sagt IVFP-Geschäftsführer Professor Michael Hauer.
75 Prozent wollen neue geförderte Vorsorge anbieten
Insgesamt wollen 36 der 50 befragten Unternehmen mindestens ein Produkt für die geförderte private Altersvorsorge nach § 1 AltZertG-NEU anbieten. Unter den Lebensversicherern ist die Bereitschaft mit 75 Prozent am höchsten.
Von den 32 befragten Lebensversicherern haben acht bislang keine klare Zusage für ein Altersvorsorgedepot gegeben. Ein Versicherer lehnt ein entsprechendes Angebot ab, zwei wollen zunächst darauf verzichten, behalten sich aber eine spätere Einführung vor, und bei fünf weiteren Anbietern ist die Entscheidung noch offen.
Bei den 18 befragten Banken, Fondsgesellschaften und Neobrokern wollen zwölf ein Altersvorsorgedepot anbieten. Sechs haben sich bislang nicht dafür entschieden: Zwei lehnen ein entsprechendes Angebot komplett ab, einer will zumindest vorerst darauf verzichten und bei dreien ist die Entscheidung noch offen.
„Das AV-Depot wird nicht allein von Banken oder Neobrokern geprägt. Gerade die hohe Angebotsbereitschaft der Lebensversicherer macht deutlich, dass sich ein breiter Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Anbietergruppen entwickelt“, so Dr. Andreas Kick, ebenfalls Geschäftsführer des IVFP.
Mehrheit der Versicherer hält an Garantieprodukten fest
Darüber hinaus fragte das IVFP nach den geplanten Produktstrategien für das Altersvorsorgedepot. Dabei konnten die Unternehmen zwischen Standardprodukten mit Kooperation, eigenen Standardprodukten sowie Altersvorsorgedepots ohne, mit 80-prozentiger oder mit 100-prozentiger Beitragsgarantie unterscheiden.
Garantieprodukte sind hierbei nach wie vor Domäne der Versicherer. 63 Prozent der befragten Versicherer, die ein Altersvorsorgedepot planen, wollen ein Produkt mit 80-prozentiger Beitragsgarantie in ihre Angebotspalette aufnehmen. Mehr als jeder fünfte Versicherer will zudem ein Produkt mit vollständiger Beitragsgarantie anbieten.
Gleichzeitig planen 71 Prozent der Lebensversicherer ein Altersvorsorgedepot ohne Garantieoption. Die Mehrfachnennungen zeigen, dass die Versicherer dabei nicht auf eine einzige Produktvariante setzen. Vielmehr will die Mehrheit von ihnen verschiedene Lösungen mit und ohne Garantie anbieten.
Bei Banken, Fondsgesellschaften und Neobrokern spielen Garantien dagegen eine deutlich geringere Rolle. Immerhin 17 Prozent der Anbieter planen jedoch ein Produkt mit vollständiger Beitragsgarantie, weitere acht Prozent eines mit 80-prozentiger Garantie. Deutlich stärker setzen die Anbieter allerdings auf das Altersvorsorgedepot ohne Garantie: 75 Prozent planen eine solche Variante.
Unsicherheit bei Standardprodukt
Die Antworten zum Standardprodukt verwundern insofern, als Anbieter eines geförderten Altersvorsorgeprodukts künftig gesetzlich verpflichtet werden sollen, auch ein Standarddepot bereitzuhalten. Dennoch planen laut Umfrage nur 67 Prozent der Lebensversicherer sowie 58 Prozent der Banken, Fondsgesellschaften und Neobroker ein eigenes Standarddepot.
„Da ein Standardprodukt verpflichtend ist, lässt das Antwortbild vermuten, dass noch nicht alle Anbieter abschließend entschieden haben, ob sie es selbst entwickeln oder gemeinsam mit einem Kooperationspartner umsetzen“, heißt es hierzu in der Studie.
Bei den Banken, Fondsgesellschaften und Neobrokern spielen Kooperationen dagegen eine größere Rolle: 58 Prozent der Unternehmen planen ein Standarddepot gemeinsam mit einem anderen Anbieter. Bei den Lebensversicherern sind es lediglich acht Prozent.
ETFs werden am häufigsten als Anlageoption erwogen
Bei den Anlagemöglichkeiten für Nicht-Standardprodukte liegen ETFs und aktive Investmentfonds nahezu gleichauf. Von den 29 antwortenden Unternehmen planen 62 Prozent den Einsatz von ETFs, 59 Prozent wollen aktive Investmentfonds anbieten. Gemanagte Portfoliolösungen werden von 41 Prozent genannt.
24 Prozent der Unternehmen können noch keine konkrete Angabe zu den geplanten Anlageformen machen.
Die Entwicklung der Produkte und Strategien ist bei vielen Unternehmen noch nicht abgeschlossen. 47 Prozent hatten zum Zeitpunkt der Befragung noch keine Produktunterlagen oder entsprechende Entwürfe erstellt. 35 Prozent rechnen damit, diese im September oder Oktober fertigstellen zu können.





