14.10.2014 (€) – Nach dem Ausbruch der Finanzkrise versuchte sich die Assekuranz zunächst erkennbar von der Kreditwirtschaft abzugrenzen, um so möglichst nicht in den dadurch ausgelösten Image- und Regulierungsstrudel hineingezogen zu werden. Diese Strategie hat offensichtlich nicht so recht funktioniert. Deshalb wollen beide Branchen nun wieder verstärkt gemeinsam kämpfen, wie sich beim Bayerischen Finanzgipfel abzeichnete.
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- Alexander Erdland (Bild: Müller)
Gestern fand in München der vom Bayerischen Finanz Zentrum e.V. veranstaltete diesjährige „Bayerische Finanzgipfel“ statt.
Dort stellte Dr. Alexander Erdland, der Chef der W&W-Gruppe und Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V., noch einmal klar: „Die Versicherungswirtschaft ist Leidtragender der Finanzkrise, nicht der Auslöser“.
Als besonders hilfreich erweist sich diese Differenzierung in der – nicht zuletzt politischen und der medienwirksamen – Praxis offenbar nicht gerade.
Auch die Assekuranz sieht sich von der „Skandalisierung“ in den vergangenen Jahren zunehmend betroffen, konstatierte Dr. Frank Walthes, Vorstandschef der Versicherungskammer Bayern (VKB) bei der Veranstaltung.
Unterschiedliche „Wege aus der Reputationskrise“
Die stand in diesem Jahr unter dem Motto „Wege aus der Reputationskrise“. Diese Pfade werden, so wurde beim Finanzgipfel deutlich, zwischen Versicherern und Kreditinstituten durchaus etwas unterschiedlich gesehen.
So hält der VKB-Chef beispielsweise Änderungen am Geschäftsmodell der Assekuranz nicht für erforderlich. Seine Funktionsweise und seine Bedeutung für die Volkswirtschaft insgesamt wie für jeden einzelnen Kunden müssen aus seiner Sicht nur noch besser erklärt werden als bisher.
Allerdings müsse sich auch das Verhalten mancher Akteure in der Branche in Richtung „Ehrbarer Kaufmann“ weiter verändern, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, räumte er ein. In dieser Hinsicht sieht er die Versicherer jedoch mit diversen Aktivitäten wie der „Gut beraten-Initiative“ schon auf einem guten Wege.
Kreditwirtschaft sieht Anpassungsbedarf bei ihrem Geschäftsmodell
Bei den Banken gehe es dagegen durchaus auch um eine Anpassung des Geschäftsmodells, machten Dr. Theodor Weimer, Vorstandssprecher der unter der Marke Hypovereinsbank auftretenden Unicredit Bank AG, sowie Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes e.V., deutlich. Teile der Branche seien vor der Finanzkrise nämlich der „Rolle als Risikominderer“ für ihre Kunden nicht mehr gerecht geworden, räumte Letzterer ein.
Deshalb sei mittlerweile auch „der gute Teil der Spekulation“ in Verruf geraten. Der werde jedoch ebenso gebraucht, um die Kunden bei ihrer finanziellen Vorsorge zu unterstützen, wie bei der Finanzierung von Investitionsvorhaben.
Notwendig sei deshalb wieder ein „Banking, das der Realwirtschaft dient und das Wachstum fördert“, ließ Weimer keinen Zweifel. Allerdings dürften die Kreditinstitute durch Regulierungs- und andere staatliche Vorgaben nicht so stranguliert werden, dass sie ihre volkswirtschaftliche Aufgabe gar nicht mehr erfüllen können, warnten er und Fahrenschon unmissverständlich.
Bayerische Wirtschaftsministerin zeigt Mitgefühl
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- Ilse Aigner (Bild: Müller)
In der Sorge sehen sie sich mit den Versicherern voll vereint. Die gegenseitige Ab- und Ausgrenzung, die im Zuge der Finanzkrise und ihrer Folgen teils deutlich spürbar Platz gegriffen hatte, weicht daher inzwischen dem gemeinsamen Kampf gegen die aktuelle Regulierungswut, so ein offensichtliches Signal vom Bayerischen Finanzgipfel.
Auf die Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung können sie bei diesem Bemühen durchaus zählen, versicherte Ilse Aigner, die Wirtschaftsministerin des Freistaates.
Für die Finanzdienstleistungs-Branche sei – zumal sie inzwischen „zentrale Schritte“ gemacht habe, um ihre Reputationsprobleme zu überwinden – vieles schon „sehr frustrierend“, was ihr im politischen und medialen Raum derzeit widerfahre, zeigte sie regelrecht Mitleid.




