Leistungspraxis der BU auf dem Prüfstand

17.4.2018 – Premiumcircle hat die Lebensversicherer erneut um Daten aus den Schadenabteilungen gebeten. Sieben Versicherer mit circa 13 Prozent Marktanteil haben detailliert geantwortet zu Bearbeitungsdauer, Anerkennungsquoten, Rentenhöhen und -Dauer und anderen Aspekten. Einige Ergebnisse hat das Beratungsunternehmen per Pressemitteilung veröffentlicht. Dabei wurden auch Rater kritisiert und Forderungen an die Produktgestaltung formuliert.

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Die Premiumcircle Deutschland GmbH hat erneut die Schadenregulierung in der Berufsunfähigkeits- (BU)-Versicherung untersucht. Anfang Februar wurden dazu nach Unternehmensangaben 61 BU-Versicherern jeweils 111 Fragen zum unternehmens-individuellen Leistungsverhalten in den Jahren 2015 und 2016 vorgelegt.

Detailliert geantwortet hätten sieben Versicherer mit einem Gesamtmarktanteil von circa 13 Prozent, die auch schon an der vorherigen Umfrage teilgenommen hatten:

Bereitschaft zur Transparenz nimmt ab

Zehn Gesellschaften hätten keine relevanten Daten, 19 aus internen Gründen abgelehnt und 25 nicht reagiert. In der vorhergehenden Erhebung für das Jahr 2014 hatten noch 15 Versicherer mit einem Marktanteil von einem Viertel geantwortet (VersicherungsJournal 29.3.2017).

Das zeige, „dass die Bereitschaft zur Transparenz bei einem Großteil der Unternehmen deutlich abnimmt“, stellt Premiumcirce in einer Pressemitteilung fest.

Bei den teilnehmenden Versicherern seien seit der letzten Erhebung Verbesserungen erkennbar. Zwischen den Unternehmen bestehe unverändert eine erhebliche Varianz im Leistungsverhalten, fasst das Beratungshaus die aktuellen Trends zusammen.

900 Euro Rente für vier bis acht Jahre

Ausgewertet wurden laut der Pressemitteilung insgesamt 9.149 abschließend bearbeitete Leistungsfälle in 2015 und 9.674 im Jahr 2016. „Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer ist mit 114 Tagen (2015) und 116 Tagen (2016) länger geworden“, schreibt Premiumcircle. Die Varianz liege durchschnittlich zwischen 76 und 219 Tagen (2015) sowie 76 und 204 Tagen (2016).

Die Versicherten seien beim Melden des Leistungsfalls im gewichteten Durchschnitt 46,5 Jahre (2015) beziehungsweise 47,2 Jahre alt (2016) gewesen. Die durchschnittliche Leistungsdauer nach ursprünglich unbefristeter Anerkennung habe sich verringert. Die Varianz wird mit 4,0 bis 8,0 Jahren für 2015 und 4,0 bis 7,8 Jahren für 2016 angegeben.

Der Anteil der Leistungseinstellungen sei leicht zurückgegangen. Die Varianz habe sich vergrößert und liege zwischen 37,7 und 4,9 Prozent in 2015 beziehungsweise 42,4 und 8,3 Prozent im Jahr 2016.

Der gewichtete Durchschnitt der BU-Renten bei unbefristeter Leistungsanerkenntnis wird mit 909 Euro für 2015 sowie 899 Euro für 2016 angegeben. Diese Höhe weise auf eine deutliche Unterversorgung hin, schreibt Premiumcircle.

Zwischen 47 und 88 Prozent der Leistungsanträge anerkannt

Die Anerkennungsquote bei den abschließend bearbeiteten Leistungsfällen habe unternehmensindividuell zwischen 46,9 und 86,5 Prozent (2015) sowie 55,5 und 87,7 Prozent (2016) gelegen. Der Anteil der unbefristeten Leistungsanerkenntnisse (LA) wird mit zwischen 81,2 und 96,9 Prozent (2015) beziehungsweise 75,8 und 97,7 Prozent (2016) angegeben.

Der Anteil jener Kunden, die Klage gegen den Versicherer erheben, ist laut dem Beratungshaus leicht gestiegen: „Die Varianz liegt zwischen 30,1 und 3,4 Prozent (2015) sowie 32,0 und 3,0 Prozent (2016).“

Der Erfolgsanteil der erstinstanzlichen Urteile zugunsten Versicherungsnehmern beziehungsweise versicherten Personen sei dagegen gesunken. Die Varianz liege zwischen 40,0 und 0 Prozent in 2015 beziehungsweise 37,5 und 5,6 Prozent in 2016.

Um die Berufsunfähigkeits-Versicherung […] attraktiver zu machen, muss mittelfristig das gesamte Produktdesign erheblich geschärft und inhaltlich konkretisiert werden.

Premiumcircle Deutschland GmbH

Unterschiedliche Leistung durch unterschiedliche Bedingungen

„Die vorliegenden eklatanten Unterschiede im Leistungsverhalten“ führt das Beratungsunternehmen auf „die Fülle unbestimmter Begriffe und unverbindlicher Formulierungen im VVG, den GDV-Musterbedingungen und den unternehmens-individuellen Vertragsbedingungen“ zurück.

Premiumcircle fordert: „Um die Berufsunfähigkeits-Versicherung für schutzbedürftige Verbraucher und Versicherungsvermittler attraktiver zu machen, muss mittelfristig das gesamte Produktdesign erheblich geschärft und inhaltlich konkretisiert werden.“

Beklagt wird, dass viele der Unternehmen, die Premiumcircle gegenüber keine Transparenz geleistet hätten, „bei vergangenen Produktratings führender Agenturen dennoch deren jeweilige Höchstbewertung erhalten haben.“

Teilweise unterziehen sich diese Versicherer allerdings anderen Untersuchungen der Leistungspraxis. Beispiele sind das BU-Unternehmensrating der Franke und Bornberg GmbH oder die „Fairness in der BU-Leistungsregulierung“ der Assekurata Solutions GmbH (VersicherungsJournal 16.3.2018).

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