WERBUNG

Lage bei vielen Pensionskassen bleibt ernst

14.11.2018 – Kleine Versicherer dürfen auf Erleichterungen bei Solvency-ll hoffen. Auf der traditionellen Herbstkonferenz der Bafin äußerte sich deren oberster Versicherungsaufseher Dr. Frank Grund zu Risiken aus den Run-offs und „Silent Cyber“ sowie zum Provisionsdeckel. (Bild: Lier)

„Der weit überwiegende Teil der Pensionskassen wird nach derzeitigem Stand in der Niedrigzinsphase bestehen – zum Teil auch dank klarer Unterstützung durch die Trägerunternehmen“, sagte Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin), am Dienstag auf der Jahreskonferenz der Behörde.

Weniger Manndeckung

Frank Grund (Bild: Lier)
Frank Grund (Bild: Lier)

Seit dem Frühjahr habe sich bei einigen Fällen zum Guten gewandt, „aber es gibt immer noch eine Größenordnung, bei der wir uns Sorgen machen“, so Grund. Seinerzeit standen 45 Pensionskassen unter „intensivierter Aufsicht“ (VersicherungsJournal 13.7.2018), nun sind es nur noch 31.

Die Prudentia Pensionskasse AG (VersicherungsJournal 4.4.2018) und die Pro bAV Pensionskasse AG (VersicherungsJournal 30.1.2018) befinden sich bekanntlich im externen Run-off. Weitere Anfragen von den Pensionskassen habe die Aufsicht zurzeit nicht.

Bei den Lebensversicherern sind inzwischen sechs Gesellschaften im externen Run-Off. Das Inhaber-Kontrollverfahren der Aufsicht für den Verkauf der Generali Lebensversicherung AG an die Viridium-Gruppe läuft noch (VersicherungsJournal 5.7.2018).

Kein Verschieben von Erträgen

Grund wiederholte einmal mehr, dass die Aufsicht die Verkäufe nur akzeptiere, wenn ausgeschlossen sei, dass Versicherungsnehmer und Begünstigte durch die Transaktion schlechter gestellt werden. Er berichtete zudem von einer Variante des internen Run-Offs, bei der die Bestände beim Lebensversicherer bleiben, das Kapitalanlage- und versicherungstechnische Risiko aber gegen eine Prämie auf einen Rückversicherer übertragen werden.

Damit ist offenbar die Konstruktion der Athora-Deutschland-Gruppe gemeint. Auch bei solchen Lösungen „erwarten wir eine adäquate Streuung der Rückversicherungspartner, die Einhaltung eines signifikanten Selbstbehalts und die Beibehaltung der Selbstverwaltung des Sicherungsvermögens“, so Grund.

Die Aufsicht achte darauf, dass „Lebensversicherer mit Hilfe dieser Rückversicherungs-Verträge keine Überschüsse verschieben – zum Beispiel vom Zins- oder Risikoergebnis in das übrige Ergebnis. Denn dann würde die 90-prozentige Beteiligungsquote an den Kapitalerträgen beziehungsweise am Risikoergebnis durch eine bloß 50-prozentige Beteiligung am übrigen Ergebnis ersetzt“.

Die Gewinnausschüttung der Abwicklungsplattformen sei im Übrigen bislang „völlig unauffällig“, aber man betrachte ja auch erst einen kurzen Zeitraum.

Aus unserer Sicht kämpft die Branche nach wie vor mit der Auskömmlichkeit der Prämien.

Dr. Frank Grund, Bafin, über die Nichtlebens-Rückversicherung

Rückversicherer im Fokus

Für den Nichtlebens-Bereich der Rückversicherer kündigte Grund für 2019 eine Marktanalyse zur Prämiensituation an. „Aus unserer Sicht kämpft die Branche nach wie vor mit der Auskömmlichkeit der Prämien.

Als Hoffnungsträger gelten Cyber-Policen. Aber wie auch bei den deutschen Erstversicherern ist hier noch unklar, wie viel Wachstum die Rückversicherer wirklich generieren können. Mir erscheint eine vorsichtige Zeichnungspolitik angebracht angesichts der neuartigen Risiken und der erhöhten Kumulproblematik.“

Hinsichtlich Rückversicherung sprach Grund von vorausschauendem Handeln der Aufsicht. Je nach Lage könne die Aufsicht bei den Unternehmen darauf einwirken, dass sie im Rahmen ihres Risikomanagements Abhilfe schafften – beispielsweise durch Erhöhung der Prämien oder auch Kapazitätsverknappung.

Bafin-Jahreskonferenz: Diskussionsrunde mit Gabriel Bernadino (Bild: Lier)
Bafin-Jahreskonferenz: Diskussionsrunde mit Gabriel Bernadino (Bild: Lier)

Warnung vor „Silent Cyber“

Nach der Abfrage von Cyber-Risiken im Geschäftsbetrieb wird sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht 2019 zudem um „non-affirmative Cyber-Risiken“ kümmern. Denn Gefahren gingen nicht nur von Hackern aus, sondern schlummerten möglicherweise auch im eigenen Versicherungsbestand – und zwar auf der Deckungsseite, so Grund.

Für diese auch „Silent Cyber“ genannten Risiken soll die Branche besonders sensibilisiert werden. Laut Untersuchung „Silent Cyber Risk Outlook“ des Versicherungsmaklers Willis Re wird weltweit mit mehr Schäden aus diesem Bereich gerechnet (VersicherungsJournal 30.10.2018).

Mehr Proportionalität

Gabriel Bernadino (Bild: Lier)
Gabriel Bernadino (Bild: Lier)

Nach der Überarbeitung von Solvency ll im Rahmen des Reviews 2020 sollen die Unternehmen stärker nach dem Prinzip der Proportionalität beaufsichtigt werden. „Das ist eines der Schlüsselelemente – das ist schon klar“, versprach Gabriel Bernadino, Chef der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa).

Der hohe bürokratische Aufwand für das Eigenkapitalregime Solvency ll belastet vor allem kleine und mittlere Gesellschaften. Bei einer automatischen Abfrage äußerten sich 82 Prozent der Teilnehmer des Bafin-Workshops „eher unzufrieden“ mit der Anwendung und Umsetzung des Proportionalitäts-Prinzips.

„Proportionalität muss mit Leben gefüllt werden“, sagte Monika Köstlin, geschäftsführende Vorständin des Verbandes der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit.

Machen Sie es so, wie Sie es für richtig halten.

Hergen Eilert, Bafin, zu den Solvency-II-Leitlinien

Versicherungsvereine fordern Vereinfachungen

Als Ergebnis des Reviews wünscht sie sich einen „transparenten Kriterienkatalog mit konkreten Vereinfachungen“, beim Reporting „und dort mindestens die Befreiung von der Berichterstattung über das vierte Quartal“ sowie einen Schwellenwert für die Beaufsichtigung von Gesellschaften unter 100 Millionen Euro Prämieneinnahmen.

Allen Unkenrufen zum Trotz habe bei den kleinen und mittleren Gesellschaften im Zuge von Solvency ll aber keine Marktbereinigung stattgefunden, sagte Hergen Eilert, der bei der Aufsicht das Referat Risikomanagement und Governance leitet.

Er forderte die Unternehmen auf, selbstbewusster mit Solvency ll umzugehen – beispielsweise bei der Erstellung der Leitlinien. „Machen Sie es so, wie Sie es für richtig halten. Im schlechtesten Fall halten wir Ihre Leitlinien für zu sportlich. Aber das heißt dann nicht, dass Sie Ärger mit der Aufsicht haben, sondern dass Sie mit uns nochmals in den Dialog treten.“

Provisionsdeckel weiter offen

Nichts Neues gibt es in Sachen „Provisionsdeckel“. Für dieses Jahr rechnet Grund nicht mehr der Ausgestaltung dieses Instruments für die Abschlussprovisionen in der Kapitallebens- sowie der Restschuldversicherung.

Er gehe davon aus, dass der Gesetzgeber dies im ersten Quartal 2019 nachhole. Käme die Begrenzung nicht, „sind wir aufsichtsrechtlich gehalten, Fehlanreize im Sinne von § 48 a VAG bei der Vermittlung von Versicherungsverträgen zu vermeiden.

 
WERBUNG
Die Alternative zum Premium-Abonnement

Möchten Sie Artikel ohne Registrierung abrufen, so können Sie jeden Text über GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH einzeln für einen geringen Stückpreis erhalten. Direkt auf diesen Artikel bei Genios gelangen Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
6.9.2018 – Die neuesten Entwicklungen zu den heiklen Regulierungsthemen wurden mit Politikern und Versicherungsaufsehern auf einer Fachkonferenz diskutiert. Dabei ging es neben den Abschlusskosten der Lebensversicherung um die Zinszusatzreserve, die europäische Altersvorsorge „Pepp“ und Run-Offs. (Bild: Lier) mehr ...
 
15.11.2018 – BDVM-Vorstand Oliver Fellmann sieht die Sparte Leben am Scheideweg. Wo die Gesellschaften ihre Strategie korrigieren müssen und welche Faktoren ein gutes Kundengespräch heute ausmachen, erklärt der Makler im Interview des VersicherungsJournal-Extrablatts. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
2.3.2018 – Bis zum 21. Februar konnten die Verbände Stellung nehmen. BVK und AfW begrüßen den Entwurf im Großen und Ganzen – und haben trotzdem viele Änderungswünsche. Ebenso wie die Verbraucherschützer. (Bild: Hinz) mehr ...
 
5.12.2018 – Die Schieflagen kommen nicht unerwartet: Die Bafin hatte schon seit langem gewarnt, die Personalmeldung vom Montag hatte bereits auf Probleme hingewiesen. Nun hat die Bafin in einem Fall das Neugeschäft untersagt. (Bild: Kölner Pensionskasse) mehr ...
 
18.5.2018 – Die Zukunft der Lebensversicherung in Deutschland sieht viel rosiger aus, als viele Kritiker glauben. Das behauptet zumindest der zuständige Ergo-Manager in einem Pressegespräch, in dem es auch um künftige Produkt- und Vertriebsstrategien ging. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
19.3.2018 – Bei der betrieblichen Altersversorgung im Sozialpartnermodell fehlt es an Tarifabschlüssen und klaren Vorstellungen. Aber auf einer Fachtagung wurden weitere Ideen von Versicherern, Arbeitgebern und Gewerkschaften sichtbar. (Bild: Pohl) mehr ...
 
2.3.2018 – Der Neuzugang in Leben war 2017 so kläglich wie schon lange nicht mehr. Auch bei unabhängigen Vermittlern liefen Vorsorgeprodukte eher schlecht als recht, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt. Der Vertriebsstimmung hat dies allerdings keinen Abbruch getan – ganz im Gegenteil. (Bild: Wichert) mehr ...
WERBUNG