Ertragspuffer der Lebensversicherer weiterhin gering

7.12.2018 – Die niedrigen Zinsen setzen die Lebensversicherer weiterhin unter Druck. Aber die Erleichterungen bei der Zinszusatzreserve durch den Wechsel auf die sogenannte Korridormethode reduziert die Belastungsspitzen. Mit der grafischen Aufbereitung ihres dritten „EKG-Check“ bietet die Ratingagentur Assekurata eigenem Bekunden nach wieder einen geeigneten Anhaltspunkt für die Sondierung der Anbieter.

Die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH hat zum dritten Mal in Folge (VersicherungsJournal 17.11.2017, 30.11.2016) deutsche Lebensversicherer einem „Check“ hinsichtlich ihrer Ertragskraft unterzogen. Untersucht wurden 75 Anbieter.

Im „EKG-Profil“ (Ertragskraft-Garantie-Check), in dem die zehn größten Gesellschaften namentlich gezeigt werden, werden die Rechnungszins-Anforderungen in Beziehung zu den wesentlichen Ertragskomponenten gesetzt. Die grafische Anordnung liefert nach Auffassung des Studienleiters Lars Heermann Kunden und Vermittlern einen „geeigneten Anhaltspunkt für die Anbietersondierung“.

EKG-Profil 2017 Gesamtmarkt (Bild: Assekurata)
EKG-Profil 2017 Gesamtmarkt. Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: Assekurata)

Die günstigsten Positionen in dieser Grafik haben Versicherer, die möglichst weit links oben angesiedelt sind. Das bedeutet nämlich eine vergleichsweise geringere Anforderung an den Rechnungszins bei hoher Ertragskraft.

Jung oder kapitalmarktorientiert

Die Lebensversicherer mussten 2017 im Durchschnitt 4,49 (Vorjahr: 4,40) Prozent Rechnungszins auf ihre Deckungsrückstellung erwirtschaften. Das Gros der Anbieter muss auf zwischen vier und sechs Prozent kommen. Dass der Rechnungszins über den Garantiezinsen liegt, beruht auf den Zuführungen zur Zinszusatzreserve.

Anbieter mit vergleichsweise jungen und damit niedrig verzinsten Beständen oder einem Bestandsmix mit wenig klassischen Garantieprodukten haben geringere Anforderungen an den Rechnungszins. Sprich: Sie liegen in der Grafik tendenziell weiter links.

Nettoverzinsungen trügerisch

Der Assekurata-Studie zufolge fiel der Ertragspuffer aus der Kapitalanlage gegenüber den Rechnungszins-Anforderungen 2017 weiterhin gering aus. Der höheren Zinsanforderung hätten nur 4,73 (4,62) Prozent anzurechnende Kapitalerträge gegenübergestanden.

Hohe Nettoverzinsungen seien allerdings trügerisch. Denn viele Unternehmen hätten über den Verkauf von Altpapieren Bewertungsreserven gehoben beziehungsweise heben müssen.

Einige Gesellschaften punkten Assekurata zufolge mit „auffallend hohen“ Ertragswerten. Dies liege beispielsweise an profitablen Beständen, rentablen Kapitalanlagen oder auch nachhaltigen Kostenvorteilen.

Deutliche Minderung

Mit dem Übergang der Berechnungsweise der Zinszusatzreserve (ZZR) auf die sogenannte Korridormethode durften die Anforderungen an dieses Reservepolster 2018 branchenweit von rund 22 Milliarden Euro auf sieben bis acht Milliarden Euro sinken (VersicherungsJournal 20.9.2018).

„Ein Effekt, der sich bereits unmittelbar in der Deklaration 2019 zeigen und den langjährigen Abwärtstrend bei der Überschussbeteiligung bremsen dürfte“, schreibt Assekurata-Chef Dr. Reiner Will in der Studie.

Die neue Berechnungsmethode reduziere die Mindest-Renditeanforderungen an die Kapitalanlage. Die Rater beziehen dies auf die Break-Even-Nettoverzinsung. Dies ist eine Kennzahl, die zeigt, wie viel Kapitalanlageergebnis zur Erfüllung der Zinsverpflichtungen des Kunden mindestens notwendig ist.

Den Assekurata-Berechnungen zufolge dürfte dieses Mindestmaß 2018 durch die Änderung bei der ZZR auf zwischen 2,3 und 2,5 Prozent sinken. In der Tabelle werden 2,40 Prozent als Mittel dargestellt.

Break-Even-Nettoverzinsung im Jahresüberblick (Bild: Assekurata)
Break-Even-Nettoverzinsung im Jahresüberblick. Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: Assekurata)

Breite Spanne der beobachteten Werte

Wie groß die Anforderungen an die Break-Even-Nettoverzinsung für jedes Unternehmen an sich sind, hängt unter anderem vom Geschäftsmix ab. Versicherer mit großen Beständen an den Tarifgenerationen mit 4,0 oder 3,5 Prozent Garantiezins haben höhere Hürden zu überspringen als solche mit kleinen oder gar keinen drückenden Altgarantien. Dies zeigt sich in der breiten Spanne der beobachteten Werte für die 75 Gesellschaften.

Im Hinblick auf die geringere Zuführung zur ZZR rechnet Assekurata für 2018 damit, dass die Gesellschaften weniger Bewertungsreserven realisieren. Die Nettoverzinsungsmarge würde sich damit nur moderat erhöhen.

Höhere Solvenz

Bei unveränderten Zinsen dürfte die Methodenänderung bei der ZZR die von Assekurata errechnete EKG-Quote branchenweit um etwa 80 Prozentpunkte auf rund 450 Prozent erhöhen.

Auch die Solvency-ll-Quoten der Lebensversicherer dürften 2018 dank des gesunkenen ZZR-Erfordernisses um rund 80 Prozentpunkte auf im Branchendurchschnitt 300 Prozent steigen. Diese Basis-SCR-Quote berücksichtigt keine Übergangsmaßnahmen.

Trotz der deutlichen Verbesserung der Solvenz rät Heermann: „Ein sorgfältiges Ertrags- und Kapitalmanagement sollte daher weiterhin im Fokus stehen.“ Denn die Korridormethode beseitige nur „Unwuchten“, entlasse die Versicherer aber nicht aus der Verantwortung, langfristige Zinsvorsorge zu betreiben.

Die rund 48-seitige Studie „EKG-Check 2018“ kostet netto ab 759 Euro und kann auf den Seiten des Anbieters bestellt werden.

 
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