4.12.2025 (€) – Der GDV hat ein Top-Konzept gegen Naturgefahren vorgelegt. Wenig Mehraufwand für alle, voller Schutz für stark gefährdete Gebäude. Nun ist die Politik am Zug und sollte schnell handeln.
Das Elementarschutz-Konzept für alle Wohngebäude in Deutschland, das der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) jetzt vorgestellt hat, ist eine elegante Lösung, die die Politik mit Kusshand aufnehmen sollte (VersicherungsJournal 4.12.2025).

- Uwe Schmidt-Kasparek (Bild: privat)
Schutz bleibt bezahlbar
Per Stichtag erhalten alle Wohngebäudebesitzer Elementarschutz. Immerhin fehlt der noch bei 47 Prozent der Gebäude.
Nur 2,5 Prozent aller Immobilien – aber immerhin 400.000 Häuser – stehen heute in der Hochrisiko-Zone „Zürs 4“. Für sie sieht das Konzept vor, dass die Prämie gedeckelt wird, damit der Schutz bezahlbar bleibt.
Hart, aber fair ist es, dass neue Gebäude, die nach dem Stichtag in einer solchen Zone gebaut werden, nicht mehr ins System dürfen. Hier muss der Schutz frei finanziert werden. Das kann teuer oder sogar unmöglich sein.
Diese Lösung ist ein deutliches Signal an alle Baubehörden in Deutschland: Schluss mit Risikobauten, die schon morgen im nächsten Starkregen untergehen.
Wer keinen Schutz will, muss ihn nicht kaufen
Sinnvoll ist es auch, dass der Elementarschutz für alle eben keine Zwangsversicherung sein soll. Es gibt keine Pflichtprämie. Wer keinen Schutz will, muss ihn nicht kaufen. Doch dann gilt: Im Schadenfall, wenn das Haus absäuft, gibt es keine staatlichen Hilfen.
Das nationale Schutzsystem ist zudem schnell. Es könnte schon 2026 per Gesetz in Kraft treten. Europäische Lösungen dürften Jahre dauern. Gleichzeitig ist sich der GDV aber sicher, dass das System, das an die britische Flood Re angelehnt ist, EU-Recht entspricht.
Politik sollte die Hand der Assekuranzen schnell ergreifen
Etwas Solidarität aller verlangt das neue System. Die Prämien-Deckelung der heutigen Hochrisiko-Häuser tragen alle mit einem kleinen zweistelligen Eurobetrag pro Jahr. Gerecht ist, dass Villenbesitzer hier etwas mehr leisten müssen als Besitzer eines kleinen Einfamilienhauses.
Und der Staat kommt erst ganz am Schluss. Hätte es das System mit Schutz für alle bei der Ahrtal-Katastrophe 2021 schon gegeben, wären die dann notwendigen 15 bis 20 Milliarden Euro ohne staatlichen Aderlass bezahlt worden. Erst ab einem Mega-Schaden von 30 Milliarden Euro muss der Staat helfen. Auch das ist vertretbar. Leider kann aufgrund des Klimawandels künftig auch ein solcher Schaden eintreten.
Daher sollte die Politik nicht zögern und die Hand der Assekuranzen ganz schnell ergreifen. Denn fundamentale Kritik, etwa mit dem Verweis auf die französische Lösung, die Naturkatastrophen per Kassenlage bestimmen kann, ist am neuen Konzept schwer rational begründbar.




