Diese Jobs und Branchen schaden der Gesundheit

9.7.2018 – Knapp sechs Millionen Arbeitsunfähigkeits-Fälle und 77 Millionen Fehltage registriert die Techniker Krankenkasse (TK) in ihrem aktuellen „Gesundheitsreport 2018“. Die Krankheitstage der TK-Mitglieder gehen jedoch zurück. Als entscheidende Merkmale für Erwerbs- und Berufsunfähigkeit nennt der Report Alter, Ausbildung, Qualifikation und die jeweilige Berufsgruppe der Beschäftigten.

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Jeder zweite Berufstätige hält nicht bis zum regulären Renteneintrittsdatum durch. Jeder siebte Arbeitnehmer (13,5 Prozent) geht aufgrund von Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder Schwerbehinderung in Frührente (VersicherungsJournal 5.7.2018). Die Gründe dafür analysiert der neue „Gesundheitsreport 2018“ der Techniker Krankenkasse (TK).

Details zur Methodik

Für den „Gesundheitsreport 2018“ wertete die TK die Krankschreibungen der rund fünf Millionen bei der Krankenkasse versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen Sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

Der diesjährige Themenschwerpunkt widmet sich der Gesundheit von Erwerbsgenerationen. Die Grundlage dafür bilden die 3,5 Millionen Sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten im Alter von 20 bis 65 Jahren über einen Zeitraum von fünf Jahren (2013 bis 2017). Zur Arbeitsunfähigkeit werden im aktuellen Report Daten über einen Zeitraum von 18 Jahren – von 2000 bis 2017 – analysiert.

Arbeitsunfähigkeit: Fehltage von Mitarbeitern gehen zurück

Bei ihren Mitgliedern registrierte die Techniker Krankenkasse im Jahr 2017 insgesamt 5,79 Millionen Arbeitsunfähigkeits-Fälle und 77 Millionen Fehltage.

Die krankheitsbedingten Fehlzeiten bei Erwerbstätigen sind damit im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2016 (VersicherungsJournal 29.6.2017) erneut leicht gesunken. Für 2017 berechnet die TK nach geschlechts- und altersstandardisierten Auswertungen einen Krankenstand von 4,14 Prozent. Im Vorjahr lag er mit 4,18 Prozent noch etwas höher.

Der Krankenstand von 4,14 Prozent entspricht einer durchschnittlich gemeldeten Fehlzeit von 15,1 Tagen je Arbeitnehmer. Die Krankheitstage sind damit von 2016 auf 2017 altersbereinigt um 0,13 Tage gesunken. Dies entspricht einem relativen Rückgang der Fehlzeiten um 0,8 Prozent.

Gründe für AU: Psychische Krankheiten nehmen zu

Kurzer Rückblick: Einen historischen Tiefstand erreichten die Fehltage der Deutschen im Jahr 2006. Während des letzten Jahrzehnts stiegen sie stetig an. 2016 gingen die gemeldeten Arbeitsunfähigkeits- (AU-) Zeiten erstmals wieder zurück. Dieser Rückgang setzte sich auch im aktuellen TK-Berichtsjahr 2017 fort.

Für den Krankenstand verantwortlich sind laut Gesundheitsreport vor allem psychische Störungen, Atemwegserkrankungen, Krankheiten des Bewegungsapparats sowie Verletzungen.

Den Rückgang zwischen 2016 und 2017 führt die TK in erster Linie auf gesunkene Fehlzeiten aufgrund von Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems im vergangenen Jahr zurück. Auch für alle anderen Krankheiten verzeichnete die Krankenkasse eine sinkende Tendenz. Einzige Ausnahme: Bei den psychischen Störungen stellte die Krankenkasse 2017 erneut einen leichten Anstieg fest.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich für die private Versicherungswirtschaft im Bereich der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung ab. Nach Angaben des Analysehauses Morgen & Morgen GmbH (M&M) sind psychische und Nervenerkrankungen in fast jedem dritten Fall die Ursache für BU-Leistungsfälle. 2008 lag ihr Anteil an den Leistungsauslösern noch bei knapp einem Viertel (VersicherungsJournal 8.5.2018).

Erwerbs- und BU-Renten: Alter, Ausbildung und Job entscheidend

Nach Daten der Techniker Krankenkasse bezogen 1,4 Prozent der Berufstätigen innerhalb von fünf Jahren Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsrenten.

Die höchsten Betroffenenzahlen finden sich altersabhängig bei 58-jährigen Männern und Frauen. Berufstätige mit höheren Schul- und Ausbildungsabschlüssen und dabei insbesondere diejenigen mit einer Promotion sind deutlich seltener betroffen. Berufstätige in körperlich belastenden Berufen werden häufiger erwerbs- oder berufsunfähig.

Das Alter ist ein wichtiger Faktor

In den jüngeren Altersgruppen waren weniger als 0,2 Prozent der betrachteten Bevölkerung betroffen, so die Autoren des Gesundheitsreports. Die höchsten Raten für den Bezug von Erwerbs- und BU-Renten finden sich bei Personen im Alter zwischen 57 und 58 Jahren.

Innerhalb des fünfjährigen Beobachtungszeitraums, also bis entsprechende Personen 61 oder 62 Jahre alt waren, waren etwa 3,5 Prozent der Männer und 5,0 Prozent der Frauen betroffen.

Mit weiter zunehmendem Alter sinken die ermittelten Betroffenenraten bei beiden Geschlechtern schnell. Dies hängt maßgeblich mit der sinkenden Erwerbsbeteiligung Betroffener und dem Übergang in einen Altersrentenbezug zusammen, erklärt die TK.

BU- und EU-Risiko (Bild: Techniker Krankenkasse)
1,0 entspricht dem Durchschnitt (alters- und geschlechtsstandardisiert). Beispiel: Bei 2,0 ist das Risiko zweimal höher, bei 0,5 halb so groß (Bild: Techniker Krankenkasse/Gesundheitsreport 2018)

Qualifizierte Mitarbeiter werden selten berufsunfähig

Auch der Schulabschluss hat Einfluss auf den Bezug von Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsrenten. Während Berufstätige ohne Schulabschluss im Beobachtungszeitraum 89 Prozent häufiger als geschlechts- und altersabhängig erwartet betroffen waren, wurden die Erwartungswerte bei Berufstätigen mit Abitur um 42 Prozent unterschritten.

Ein vergleichbares Bild zeigt sich bei einer Betrachtung des entsprechenden Rentenbezuges in Abhängigkeit von der beruflichen Ausbildung von Beschäftigten. Bei Berufstätigen ohne beruflichen Ausbildungsabschluss lag der beobachtete Anteil mit Bezug von Erwerbs- und Berufsunfähigkeits-Renten 43 Prozent über den Erwartungswerten.

Extrem unterschritten würden die Erwartungswerte demgegenüber bei Beschäftigten mit Promotion, unterstreichen die Autoren der Studie. „Hoch qualifizierte Berufstätige mit akademischer Ausbildung sind demnach vergleichsweise sehr selten von einer Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit mit Rentenbezug betroffen“, schlussfolgert der Gesundheitsreport.

Welche Berufe ein langes Arbeitsleben erlauben

Deutlich reduziert ist das Risiko einer Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit bei Beschäftigten in folgenden Branchen: in „technisch-naturwissenschaftlichen Berufen“, in „Medien-, Geistes-wissenschaftlichen und künstlerischen Berufen“ sowie, etwas weniger ausgeprägt, auch in „Verwaltungswirtschafts- und sozial-wissenschaftlichen Berufen“. Diese Tätigkeiten bezeichnet der Gesundheitsreport als „vergleichsweise wenig körperlich belastend“.

Hinweise auf erhöhte Risiken zeigen sich demgegenüber eher bei körperlich belastenden Berufen und hierbei insbesondere für die Berufsfelder „Bau-, Bauneben- und Holzberufe“. Das gilt auch für Verkehrs- und Lagerarbeiter sowie für die Beschäftigten aus der Metallbranche (siehe Infografik).

Einen Zusammenhang gibt es auch zwischen der Häufigkeit des Rentenbezuges und bestimmten Faktoren von Beschäftigungs-Verhältnissen. Sehr deutlich reduziert ist das Risiko beispielsweise in der Gruppe der freiwillig Versicherten. Deutlich erhöht sind die Gefahren dagegen bei Beschäftigten in Arbeitnehmerüberlassung (Leiharbeiter). Noch merklich erhöhte Risiken zeigten sich auch bei Teilzeitbeschäftigten sowie bei Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen.

Einen Download des „Gesundheitsreport 2018“ als PDF-Datei (1,9 MB) stellt die Techniker Krankenkasse unter diesem Link zur Verfügung.

 
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