Die Lebensversicherer mit den größten Stornoproblemen

7.2.2024 – Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre (2018 bis 2022) betrug die Bestandsstornoquote der deutschen Lebensversicherer 2,61 Prozent. Die besten Werte (jeweils unter ein Prozent) werden für die Europa und die Hannoversche ausgewiesen. Auf vergleichsweise hohe Quoten kamen Targo, LPV, Neue Leben und Provinzial Rheinland. Von den Branchengrößen landete nur der Marktführer Allianz in der Top Ten.

2022 sank die Bestandsstornoquote in der Lebensversicherung (Hauptversicherungen; Rückkäufe und Umwandlungen in beitragsfreie Versicherungen zuzüglich sonstiger vorzeitiger Abgänge in Prozent des mittleren Vertragsbestandes des Geschäftsjahres). Sie fiel von 2,59 Prozent auf einen neuen Tiefststand von 2,51 Prozent.

Große Spannbreite

Dies ist dem Mitte November erschienenen Map-Report Nummer 931 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2022“ (8.11.2023) zu entnehmen. Die Bestandsstornoquote fiel damit zuletzt um immer noch weit über ein Drittel niedriger aus als 2008, als letztmals eine Vier vor dem Komma stand (2.12.2020).

Die Spannbreite zwischen den einzelnen Marktteilnehmern ist gewaltig. Sie liegt zwischen 0,6 Prozent bei der Delta Direkt Lebensversicherung AG und 9,3 Prozent bei der erst vor wenigen Jahren gegründeten (30.6.2017) Dortmunder Lebensversicherung AG (20.11.2023).

Stornoquote

Bei der Stornoquote werden Rückkäufe und vorzeitige Abgänge in Beziehung zum mittleren Jahresbestand gesetzt. Diese Quote ist für den Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages ein wichtiger Indikator für die Qualität eines Lebensversicherers. Dieser „misst, wie viele Verträge, in Prozent des Bestandes, vorzeitig gekündigt werden“.

Durch diese Quote würden junge, schnell wachsende Unternehmen möglicherweise benachteiligt. Denn der Nenner sei klein und in den ersten Jahren passierten viele Storni.

„Neben schlechter Beratung ist diese Kennzahl häufig auch ein Indiz für eine Strategie, die stark auf Finanzierungen oder Geldanlagen setzt. Ändern sich dann steuerliche Rahmenbedingungen oder fällt der Investitionszweck weg, wird schnell storniert“, erläutert Klages.

Der vorzeitige Abgang von Verträgen hänge allerdings auch von externen Faktoren ab, die sich dem Einflussbereich des Versicherers entzögen – so beispielsweise von der wirtschaftlichen und persönlichen Situation des Versicherungsnehmers. In der Regel nehme die Stornohäufigkeit mit zunehmender Bestandszugehörigkeit ab, so Klages weiter.

Direkt auf die Unternehmensqualität schließen lässt die Stornoquote allerdings nicht. Dies hat der Diplom-Mathematiker und Aktuar (DAV) Peter Schramm vor einiger Zeit in einem Leserbrief im VersicherungsJournal dargelegt.

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Zwei Lebensversicherer mit Werten von unter einem Prozent

Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre (2018 bis 2022) betrug die Stornoquote dem Map-Report zufolge 2,61 Prozent. 18 der 55 aufgeführten Gesellschaften blieben unter der Zwei-Prozent-Marke.

Auf den ersten beiden Plätzen finden sich – in gleicher Reihenfolge zum Vorjahr (20.12.2022) – die Europa Lebensversicherung AG und die Hannoversche Lebensversicherung AG wieder. Bei ihnen liegen die Quoten jeweils knapp unter einem Prozent.

Auf den weiteren Plätzen

An dritter bis fünfter Stelle folgen mit jeweils leicht über 1,4 Prozent die Cosmos Lebensversicherungs-AG, die Münchener Verein Lebensversicherung AG und die Allianz Lebensversicherungs-AG.

Die Positionen sechs bis zehn belegen mit jeweils 1,5 Prozent die Ideal Lebensversicherung a.G., die Inter Lebensversicherung AG, die Lebensversicherung von 1871 a.G. München, die Dialog Lebensversicherungs-AG und die Deutsche Ärzteversicherung AG.

Niedrige Quote (Bild: Wichert)

Die Anbieter mit den höchsten Quoten

Für 21 Akteure werden Werte zwischen zwei und unter drei Prozent, für zehn weitere Unternehmen zwischen über drei und unter vier Prozent ausgewiesen. Die sechs verbleibenden Unternehmen kommen auf Quoten von mehr als vier Prozent. Am unteren Ende der Rangliste befindet sich die Targo Lebensversicherung AG mit 8,6 Prozent.

Vergleichsweise hohe Werte zwischen sechs und fünf Prozent werden auch für die LPV Lebensversicherung AG, die Neue Leben Lebensversicherung AG und die Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG ausgewiesen. Über vier Prozent liegen die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG und die BL die Bayerische Lebensversicherung AG.

Hohe Quote (Bild: Wichert)

So schlugen sich die Marktgrößen

Etwas kleiner fällt die Spreizung bei den zehn Marktgrößen mit mehr als 1,8 Millionen Hauptversicherungen im Bestand aus, die noch Neugeschäft betreiben. Sie reicht von 1,4 Prozent bei der Allianz bis zu über acht Prozent bei der Targo.

Über dem Schnitt liegen neben der oben erwähnten Bayern-Versicherung ansonsten nur noch die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG, der Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G. und die Generali Deutschland Lebensversicherung AG.

Etwas besser als der Durchschnitt platzierten sich die R+V Lebensversicherung AG und die Nürnberger Lebensversicherung AG.

Auf Quoten von jeweils knapp unter zwei Prozent kommen in absteigender Reihenfolge die HDI Lebensversicherung AG, die Axa Lebensversicherung AG und die Württembergische Lebensversicherung AG.

Marktgrößen (Bild: Wichert)

Bezugshinweis

Der Map-Report Nummer 931 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2022“ ist bei der Franke und Bornberg GmbH erschienen. Er enthält auf 198 Seiten neben den detaillierten Ratingergebnissen auch Übersichten zu insgesamt rund zwei Dutzend Bilanzkennzahlen (Geschäftsjahr 2022, zum Teil auch 2021) von bis zu 77 Anbietern.

Darüber hinaus werden detaillierte Daten zum Storno, zum Neugeschäft und zum Bestand geliefert. Das Heft ist als E-Paper ab 457,56 Euro netto über die Bestellseite von Franke und Bornberg erhältlich.

Leserbriefe zum Artikel:

Gabriele Fenner - Versicherer mit hohem Makler-/Maklerinnen-Vertriebsanteil vorn . mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Aktuar · Berufsunfähigkeit · Lebensversicherung · Mapreport · Storno · Strategie
 
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