Deutsche Altersvorsorge: Ein Spitzenplatz und reichlich Mittelmaß

23.10.2018 – Im „Melbourne Mercer Global Pension Index 2018“ landet das Altersversorgungs-System von Deutschland wieder nur auf dem 13. Platz von 34 untersuchten Ländern. Beim Faktor „Angemessenheit“ punktet das deutsche System mit seiner betrieblichen Altersversorgung und kommt auf Platz eins. In der Kategorie „Nachhaltigkeit“ sehen die Studienautoren, wie bereits in den Vorjahren, Verbesserungsbedarf.

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Seit 2009 erstellt das Beratungsunternehmen Mercer LLC in Kooperation mit dem Australian Centre for Financial Studies den „Melbourne Mercer Global Pension Index“.

Der Index wurde erstmalig mit einem Ranking für elf Länder erstellt. 2017 analysierten die Studienautoren 30 Länder. 2018 wurden für den Index Stärken und Schwächen der Altersversorgungs-Systeme von 34 Ländern untersucht. Neben den staatlichen Systemen und der betrieblichen Altersversorgung (bAV) werden laut Angaben auch private Geldanlagen und Vorsorgemaßnahmen berücksichtigt.

Zur Methodik des Index

Jedes Land ist auf einer Skala von null bis 100 bewertet. Der Gesamtindex setzt sich dabei zusammen aus dem gewichteten Durchschnittswert von drei Sub-Indizes. Diese sind „Angemessenheit“ (40 Prozent Gewichtung), „Nachhaltigkeit“ (35 Prozent Gewichtung) und „Integrität“ (25 Prozent Gewichtung).

Die Sub- Indizes sind in insgesamt über 40 Kriterien unterteilt. Zu den aufgeführten Sub-Kriterien machen die Studienautoren folgende Angaben:

  • Der Sub-Index „Angemessenheit“ untersucht die derzeit gewährten Versorgungsleistungen und einige wichtige Gestaltungsmerkmale wie beispielsweise das Versorgungsniveau, steuerliche Anreize, die Gestaltung der Altersversorgungs-Modelle und Sparquote privater Haushalte.
  • Der Sub-Index „Nachhaltigkeit“ analysiert anhand mehrerer Indikatoren, ob das gegenwärtige System in Zukunft aufrechterhalten werden kann. Bei diesem Sub-Index spielen Faktoren wie zum Beispiel Rückdeckung, Finanzierung, Demografie, Staatsverschuldung und das von der Weltbank gemessene reale Wirtschaftswachstum eine Rolle.
  • Der Sub-Index „Integrität“ konzentriert sich auf den Bereich der Privatvorsorge und untersucht anhand verschiedener Indikatoren, wie „vertrauenswürdig“ und beständig das Vorsorgesystem ist. Hier spielen staatliche Aufsicht, Risikosteuerung und Kommunikation eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung.

Deutschland beim Faktor Angemessenheit auf Platz eins

Im Gesamtranking 2018 tauschten die Spitzenreiter vom Vorjahr die Plätze (VersicherungsJournal 24.10.2017). Die Niederlande und Dänemark erreichten beide A-Noten (80,3 und 80,2 Punkte) und sind damit am besten auf die Herausforderungen der älter werdenden Bevölkerung vorbereitet. Die Niederlande konnten sich 2018 hauchdünn vor Dänemark platzieren.

Deutschland verbesserte sich dagegen in diesem Jahr von 63,5 auf 66,8 Punkte und konnte seinen 13. Platz halten. Beim Sub-Index „Angemessenheit“ erreichte das deutsche Altersvorsorgesystem dagegen 79,9 Punkte (2017: 76,5 Punkte) und damit den ersten Rang.

Dies führen die Autoren der Studie vor allem auf zwei Gründe zurück: die Umstellung der Berechnungsmethode zur Ermittlung der Nettoersatzrate sowie den neu in die Studie aufgenommenen Indikator „Verschuldung privater Haushalte“. Die Nettoersatzrate wurde 2018 erstmals anhand eines Durchschnittsverdieners berechnet.

Rangliste (Bild: Mercer)
Für vollständie Ansicht Bild klicken (Bild: Mercer)

BRSG zeigt positive Auswirkungen

„Dass Deutschland im Bereich Angemessenheit so gut bewertet wird, zeigt deutlich, dass unser Altersvorsorgesystem mit seinen drei Säulen theoretisch sehr gut aufgestellt ist. Aufgrund des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes, das seit Januar 2018 in Kraft getreten ist, sind viele positive Aspekte nun auch im Gesetz verankert“, erklärt Achim Lüder, CEO Mercer Deutschland.

Das BRSG müsse jetzt aber mit Leben gefüllt werden. „Die prognostizierte Rentenlücke ist und bleibt hoch. Der Staat, aber auch die Arbeitgeber sind dazu aufgerufen, mit den Menschen in den Dialog zu treten und sie nicht nur über die Notwendigkeit der betrieblichen und privaten Vorsorge aufzuklären, sondern sie auch dabei zu unterstützen“, unterstreicht Lüder.

Nachholbedarf beim Faktor Nachhaltigkeit

Beim Sub-Index „Nachhaltigkeit“ landet Deutschland im Mercer-Index mit 44,9 Punkten nur im unteren Mittelfeld. Der demografische Wandel und die zunehmende „Gig-Economy“ stellen die Altersvorsorge auf die Probe, fasst Mercer zusammen. Die sogenannte Gig-Economy bezeichnet einen noch jungen Teil des Arbeitsmarktes: Hier werden kleine Aufträge kurzfristig an eine Vielzahl von unabhängigen Freiberuflern vergeben.

Darüber hinaus stünden Elternzeiten, Auszeiten und regelmäßige Jobwechsel auf der Tagesordnung, betont der Report. Diese gebrochenen Erwerbsbiografien müssten berücksichtigt werden. Vor allem Frauen gerieten sonst finanziell ins Hintertreffen.

Wer seinen Mitarbeitern innovative und flexible Lösungen für die Vorsorge bietet, schafft klare Wettbewerbsvorteile.

Achim Lüder, CEO Mercer Deutschland

Empfehlungen für zukunftssichere Altersvorsorge

„Unser Altersvorsorgesystem reflektiert diese Entwicklungen noch viel zu wenig. Wir haben mittlerweile einen absoluten Arbeitnehmermarkt. Wer seinen Mitarbeitern innovative und flexible Lösungen für die Vorsorge bietet, schafft klare Wettbewerbsvorteile“, so Mercer-Deutschland-Chef Lüder weiter.

Die Berater von Mercer leiten aus den Studienergebnissen für Deutschland folgende Empfehlungen ab, um die Altersvorsorge auf die Herausforderungen der älter werdenden Bevölkerung vorzubereiten:

  • Ergänzung des umlagefinanzierten Systems durch kapitalgedeckte Modelle,
  • Anhebung der Mindestrenten für Niedriglohnrentner,
  • weitere Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer,
  • Verbesserung der Kommunikation an die Leistungsempfänger,
  • Erhöhung der Teilnahmequoten in der betrieblichen Altersversorgung.
Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersversorgung · Altersvorsorge · Betriebliche Altersversorgung · BRSG · Demografie · Mitarbeiter · Nachhaltigkeit · Pension · Ranking · Rente
 
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