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BVK: „Der Provisionsdeckel kommt nicht“

25.9.2019 – Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hat bei einem Pressegespräch die wirtschaftliche Lage der Vermittler unter anderem aus Sicht der Vergütungen, der Bonifikationen und der Weiterbildung beleuchtet. Zudem formulierte der BVK Forderungen an die Politik und die Versicherer und appellierte an die Vermittlerschaft, die Chancen der Cyberversicherung und der Technik zu nutzen.

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Die vom Bundesfinanzministerium geplante Begrenzung der Abschlussprovisionen in der Lebensversicherung (VersicherungsJournal 16.9.2019, 29.8.2019, 19.8.2019) wird nicht realisiert.

Michael H. Heinz (Bild: Meyer)
Michael H. Heinz (Bild: Meyer)

Diese Einschätzung vertrat Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK), beim Pressedialog des Vermittlerverbandes am Dienstag in Berlin.

Heinz sagte: „Der Provisionsdeckel kommt nicht.“ Die Interessenvertretung sei fest davon überzeugt, weil es nicht im Koalitionsvertrag steht und weil es keine Mehrheit im Finanzausschuss dafür gibt. Zudem gebe es keine stichhaltigen Argumente für das Vorhaben. Davon nahm Heinz die Restschuldversicherung aus, über die diesbezüglichen Pläne könne man hinwegsehen.

Dass der Provisionsdeckel innerhalb der Koalition umstritten ist, darauf haben zuletzt die immer wieder verschobenen Termine im Plan des Bundestages hingewiesen (20.9.2019). Für Heinz ist es ein Unding, dass die Branche durch die sich hinziehende Debatte gelähmt werde.

Siegessicher im Streit mit Check24

Der BVK zeigte sich zum aktuellen Rechtsstreit mit den als Check24 auftretenden Versicherungsmaklern positiv. Im Oktober 2018 hatte der Verband eine Jubiläumsaktion der Check24 GmbH als unerlaubte Provisionsabgabe abgemahnt (8.10.2018).

Das Vermittlungsunternehmen sieht sich zu Unrecht angegriffen und lässt es auf einen Prozess ankommen. Es argumentiert, dass die Gutschriften an die Kunden nach einem Versicherungsabschluss nicht durch die Vermittlungstöchter der Unternehmensgruppe, sondern durch die Muttergesellschaft ausgestellt würden. Somit würden die Maklergesellschaften keine Provisionen weitergeben.

Der Verband hält dieses Argument für nicht stichhaltig. Hier solle geltendes Recht umgangen werden. Am 26. November ist eine mündliche Gerichtsverhandlung in München terminiert. Heinz gibt sich siegessicher: „Check24 muss sich warm anziehen.“

Vermittlerumfrage ausgewertet

Andreas Vollmer (Bild: Meyer)
Andreas Vollmer (Bild: Meyer)

BVK-Vizepräsident Andreas Vollmer stellte die aktuelle Strukturanalyse des Verbandes vor. Sie basiert auf einer Umfrage mit mehr als 2.500 Vermittlern von Dezember 2018 bis zum Frühjahr 2019. Das Projekt wurde in Kooperation mit dem VersicherungsJournal und der Fachhochschule Dortmund, Professor Dr. Matthias Beenken, durchgeführt (26.3.2019).

Erste Ergebnisse wurden bereits veröffentlicht. Dazu gehören Zahlen, die aus Verbandssicht besonders hervorstechen (24.6.2019), die Altersentwicklung der Vermittlerschaft (30.7.2019), Daten zu Gewinnen und Stundenverdiensten der selbstständigen Vertreter und Makler (6.8.2019) und zum Stellenwert der Weiterbildung (12.8.2019).

Zuletzt hatte die Interessenvertretung Angaben zur Verbreitung und Vergütung von Regulierungsvollmachten (19.9.2019) sowie die Bedeutung von Bonifikationen für Vermittler (23.9.2019) herausgegeben.

Die erhobenen Daten wurden von der Fachhochschule Dortmund wissenschaftlich ausgewertet und sind in die Studie „Betriebswirtschaftliche Strukturen des Versicherungsvertriebs – BVK-Strukturanalyse 2018/2019“ eingeflossen. Das Werk ist ab dem 23. Oktober beim VersicherungsJournal-Verlag erhältlich.

Die größeren Betriebe werden immer professioneller.

Andreas Vollmer, Vizepräsident BVK

Trend zur Spreizung in der Vermittlerschaft

Die Strukturanalyse ist als größte Vermittlerumfrage in Deutschland nach Vollmers Ansicht gleichzeitig „Reichtums- und Armutsbericht“. Als eine deutliche Entwicklung nannte er: „Der Trend der Spreizung in der Maklerschaft verschärft sich.“

So kämmen erheblich viele Makler auf Jahresumsätze unter 50.000 Euro und Gewinne unter 25.000 Euro. Es sei die Frage, wie diese Menschen davon leben. „Damit muss sich der BVK als Verband beschäftigen“, sagte Vollmer.

Andererseits beobachtet der Funktionär: „Die größeren Betriebe werden immer professioneller.“ Es müsse mehr herausgestellt werden, mit welch großartigen Geschäftsmodellen manche Vermittler arbeiten. Eine dieser Möglichkeiten sei der Wettbewerb „Unternehmer-Ass“. Kürzlich waren zum 14. Mal zahlreiche Betriebe ausgezeichnet worden (5.9.2019).

Wir müssen bei den meisten Vertreterverträgen konstatieren, dass der Geist des Gesetzes nicht verstanden wurde.

Marco Seuffert, Vorsitzender des AVV

Bonifikationen oft nicht regelkonform

Als problematisch stuft der Verband die Praxis der Vertreter-Bonifikationen ein. 80 Prozent der Vermittler erhielten Vergütungen, die vom Erreichen der von den Versicherern vorgegebenen Ziele abhängig seien.

Marco Seuffert, Vorsitzender des Arbeitskreises Vertretervereinigungen der Deutschen Assekuranz e.V. (AVV), sagte: Hauptproblem ist, dass viele Betriebe ohne die Boni nicht überlebensfähig sind.“ Zudem würden viele der dafür geltenden Regeln nicht mehr den strengen Vorgaben der IDD entsprechen.

Zu den von seinen Mitgliedern zur Prüfung vorgelegten Vereinbarungen sagte Seuffert: „Wir müssen bei den meisten Vertreterverträgen konstatieren, dass der Geist des Gesetzes nicht verstanden wurde.“ Darüber müssten die Vertretervereinigungen mit breiter Brust mit den Versicherern sprechen. Dafür hätten die Verbände Leitlinien formuliert.

BVK-Vizepräsident Ulrich Zander erläuterte dazu, dass insbesondere Boni, die vom Erreichen hoher Hürden abhängen, verbotene Fehlanreize seien. Nur niederschwellige Anreize seien IDD-konform.

Demografische Entwicklung erfordert mehr Technik

Als Folge der demografischen Entwicklung sieht Vollmer die Notwendigkeit, mit weniger Personal mehr Menschen zu beraten. Berater brauchen mehr Zeit für die Kunden und müssten von Verwaltungsaufgaben entlastet werden.

Deshalb werde mehr technische Unterstützung notwendig. Dazu trage der Datenaustausch nach Bipro-Normen bei. Diese würden stärker umgesetzt. Vollmer sagte: „Die Versicherer merken, dass sich das Investment in Bipro lohnt.“ Immer mehr Gesellschaften nutzten die Technik auch im Ausschließlichkeits-Vertrieb.

Cyber: „die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts“

Als wichtiges Vermittlerthema sieht der Verband die Risiken der Cyberkriminalität und deren Absicherung. Der volkswirtschaftliche Schaden werde allein in Deutschland zwischen 40 bis 55 Milliarden Euro in den letzten Jahren beziffert.

Vollmer sagte: „Cyber ist völlig ungerechtfertigt eine Nischenversicherung. Sie sei 'die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts'“ und eine wichtige zukünftige Ertragsquelle. „Wer das Thema ignoriert, begeht einen Beratungsfehler. Und schafft dem Wettbewerb ein Einfallstor“, warnte er.

Für Zurückhaltung sieht der BVK-Vize keinen Grund: „Man rennt bei den Kunden in der Regel offene Türen ein.“ Und Produkte für Privat- und Firmenkunden seien verfügbar.

Vollmer sieht einen „immens hohen Beratungsbedarf“ und bei Vermittlern einen hohen Weiterbildungsbedarf. Er appellierte an seine Berufskollegen: „Beschäftigt Euch mit dem Thema. Schaut Euch an, was schon geboten wird.“ Das gelte auch für die eigene Sicherheit; der BVK biete den Mitgliedern Deckungskonzepte und -bausteine sowie einen Sicherheitscheck der eigenen IT-Systeme an.

Es ist fatal, dass wir behindert werden.

Ulrich Zander, Vizepräsident BVK

Mehr Flexibilität, weniger Bürokratie gefordert

Ulrich Zander (Bild: Meyer)
Ulrich Zander (Bild: Meyer)

Nach Ansicht des Verbandes ist es nur noch eine Frage des Zeitpunkts, wann die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) die Leistungen kürzen muss. Deshalb seien die betriebliche und die die private Altersvorsorge nötiger denn je. Die Versicherungswirtschaft wird aufgefordert, „endlich die Chancen aus dem Betriebsrenten-Stärkungsgesetz von Anfang 2018 zu nutzen“.

Für die private Altersvorsorge fordert der BVK, die Riester-Förderung zu dynamisieren. „Auch die doppelte KV-Verbeitragung in der Rentenbezugsphase muss endlich abgeschafft werden, die Freigrenze von 11,75 Euro sollte in einen generellen Freibetrag von 200 Euro umgewandelt werden.“

Auch der bürokratische Verwaltungs- und Zulagenprozess durch die zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen müsse vereinfacht werden, sagte Zander.

Verwaltungskosten bieten Potenzial

Der Verband setzt sich für eine Vorsorgepflicht für Selbstständige ein, die eine freie und flexible Gestaltung über private Rentenversicherungen ermöglicht. Die Versicherer werden aufgefordert, Rürup-Policen mit Leistungen für die Erben der Versicherten anzubieten.

Zander plädierte für die private Rentenversicherung. Sie sei „keine Geldanlage, sondern eine Absicherung des Lebensrisikos“. Diejenigen, die das Produkt kritisierten, könnten nicht unbedingt Alternativen nennen.

„Es ist fatal, dass wir behindert werden“, sagte der Verbandsvize im Hinblick auf Diskussionen wie zum Provisionsdeckel. Potenzial zum Verbessern der Attraktivität der privaten Rentenpolicen sieht er bei den Verwaltungskosten der Lebensversicherer.

Beim Nachweis der Weiterbildung drohen Gebühren

Gerald Archangeli (Bild: Meyer)
Gerald Archangeli (Bild: Meyer)

BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli berichtete über die Umsetzung der durch die IDD verschärften Weiterbildungspflichten. Um die 15 Stunden jährliche Fortbildung nachzuweisen, hätten 176.000 im Vertrieb Tätige ein Weiterbildungskonto bei der Initiative „gut beraten“. Ende Juni waren es weniger als 174.000 (16.7.2019).

Als problematisch erweise sich, das für die Überwachung 79 Industrie- und Handelskammern (IHK) zuständig seien, die unterschiedliche Auffassungen über die Anforderungen an die Fortbildungen hätten. Die Dachorganisation DIHK habe kein Weisungsrecht.

BVK schlage einheitliche und im Sinne von Bürokratieabbau schlanke Spielregeln vor. Manche Kammern wollten das Gegenteil. So hält es der Verband für ausreichend, das Erfüllen der Weiterbildungspflicht stichprobenartig zu überwachen. Manche Kammern würden sich dagegen vorstellen, jeden einzelnen Vermittler zu prüfen und dafür zusätzliche Gebühren zu verlangen, sagte Archangeli.

Um zu sinnvollen Lösungen zu kommen, spreche man jetzt mit den Länderorganisationen der Kammern. Das Ministerium sei aufgefordert worden, den IHKn den Sinn der Verordnung zu vermitteln.

Leserbriefe zum Artikel:

+Jürgen Roth - Viele Vermittler gehören nicht zu den Gewinnern. mehr ...

Jürgen Roth - Zum Glück gibt es eine Grundsicherung. mehr ...

 
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