Automatisiertes Fahren: GDV verlangt fairen Daten-Wettbewerb

21.11.2018 – Auf einem Symposium zum Thema automatisiertes Fahren hat der Versichererverband am Dienstag in Berlin klare Regeln für die Sicherheit und Datenhoheit für den Autofahrer gefordert. Eigene Untersuchungen bis zum Jahr 2035 zeigen, dass sich die neue Technik nur langsam verbreiten und positiv auf die Schadenentwicklung auswirken wird.

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Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) hatte am Dienstag die wichtigsten Akteure zum Thema automatisiertes und vernetztes Fahren nach Berlin eingeladen. Der Präsident des Verbandes, Dr. Wolfgang Weiler, machte zur Eröffnung des Symposiums deutlich, welche Erwartungen die Versicherungswirtschaft an das automatisierte Fahren hat.

Wolfgang Weiler (Bild: Brüss)
Wolfgang Weiler (Bild: Brüss)

Verbindliche Standards gefordert

Er forderte zum Auftakt der Veranstaltung, auf der neben anderen Vertreter der Automobilindustrie, des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs e.V. (ADAC) sowie Vorstandsmitglieder der Huk-Coburg-Allgemeinen Versicherung AG und der Allianz Versicherungs-AG teilnahmen, zunächst einmal klare Regeln für die Sicherheit automatisierter Autos.

Für den Fahrer eines solchen Wagens müsse jederzeit erkennbar sein, was sein Auto leisten könne. „Dafür brauchen wir verbindliche Standards – und zwar bevor die Systeme tatsächlich eingeführt werden“, sagte Weiler. Jedes automatisierte System müsse mindestens so sicher fahren wie ein Mensch.

Welche Herausforderung dahinter steckt, macht ein Zahlenvergleich deutlich: Einen Unfall mit Verletzten gibt es heute nach einer Fahrleistung von 2,5 Millionen Kilometer. Und auf Autobahnen erhöhe sich dieser Wert auf zwölf Millionen Kilometer, gab Weiler die Richtung vor.

Wer soll die Datenhoheit beim automatisierten Fahren haben?

Die künftigen hochtechnisierten Fahrzeuge werden eine Unmenge an Daten produzieren, aus denen sich etwa Rückschlüsse auf das Fahrverhalten des Autofahrers ableiten lassen. „Die Automobilersteller haben einen Heimvorteil. Sie wollen die ganze Wertschöpfungskette nutzen“, erklärte Weiler weiter.

In Gesprächen mit dem Verband der Automobilindustrie e.V. (VDA) sei es gelungen, sich darauf zu verständigen, dass die Datenhoheit beim Verbraucher, sprich dem Autofahrer, liegen soll, sagte Weiler. Jetzt suche man das Gespräch mit den Herstellern, um das Ergebnis festzuzurren. Wenn dies nicht gelinge, dann sei der Gesetzgeber auf europäischer Ebene gefragt.

Steffen Bilger (Bild: Brüss)
Steffen Bilger (Bild: Brüss)

Anspruch, zur Weltspitze zu gehören

Auch für den Parlamentarischen Staatssekretär im Verkehrsministerium Steffen Bilger (CDU), der am Symposium teilnahm, ist die Verknüpfung mit der Europäischen Union von zentraler Bedeutung. Es könne nicht sein, dass ein automatisiertes Fahrzeug an der Grenze zum Nachbarland Halt machen müsse. Wichtig sei auch, die Akzeptanz der Menschen für das neue Autofahren zu gewinnen.

Bilger verwies darauf, dass Deutschland beim Thema automatisiertes Fahren den Anspruch habe, zur Weltspitze zu gehören. Von daher strebe die Bundesregierung optimale Rahmenbedingungen für die Entwicklung und Erprobung an.

Es gehe aber nicht nur ums Autofahren, sondern auch um den Güterverkehr und den Öffentlichen Personennahverkehr.

Einsparchancen in der Kfz-Versicherung

Um zu einer verlässlichen Zukunftseinschätzung zu kommen, hatte der GDV eine interdisziplinäre Projektgruppe aus Ingenieuren, Mathematikern, Versicherungsexperten und Unfallforschern gebildet. Die Fragestellung war, wie wirken sich Assistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen auf die Entschädigungs-Leistungen für alle Fahrzeuge bis zum Jahr 2035 aus? Kurz gesagt: Der Fortschritt ist eine Schnecke.

Betrachtet wurde ein Korridor mit langsamer und schneller Verbreitung der neuen Technologie. In der Kfz-Versicherung, die im Jahr 2015 ein Volumen von 22 Milliarden Euro hatte, könnte sich im Jahr 2035 ein Einsparvolumen zwischen 6,9 und 15,2 Prozent ergeben. In der Kfz-Haftpflichtversicherung (Volumen rund 14 Milliarden Euro) könnte in 17 Jahren die Spanne zwischen minus 9,3 Prozent und minus 20 Prozent bei einer schnellen Verbreitung liegen.

Dabei müsse auch gesehen werden, dass weniger Unfälle zwar zu geringeren Entschädigungs-Leistungen führen. Andererseits stiegen die Kosten für Reparaturen, wenn sensible Technik beschädigt wird.

Leserbriefe zum Artikel:

Wolfgang Demmerich - Schnecken in Form von Bedenkenträgern und Besitzstandswahrern. mehr ...

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Berufsverband · Haftpflichtversicherung · Kfz-Versicherung · Technik
 
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