22.3.2022 (€) – Die Abhängigkeit von Solvency-II-Übergangsmaßnahmen sollte verringert werden, sagt die europäische Versicherungsaufsicht auf Basis der Stresstest-Ergebnisse von 2021. Geprüft werden solle unter anderem auch, ob Risiken, die die Solvenzquoten im Test signifikant drückten, adäquat gemanagt werden. Ein zweiter Themenblock betrifft (potenzielle) Managementmaßnahmen.
Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) hat 2021 einen „Stresstest“ durchgeführt, dem sich 44 Teilnehmer unterzogen hatten. Die Ergebnisse wurden im Dezember publiziert (VersicherungsJournal 17.12.2021).
Es zeigte sich, dass die Solvenzquoten in verschiedenen Belastungsszenarien zwar gelitten hatten und bei manchen Unternehmen auch unter die 100-Prozent-Marke gefallen waren. Die Verpflichtungen gegenüber den Kunden wären aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, hatte die Eiopa damals befunden.
Aus Resultaten Empfehlungen abgeleitet
Sie hatte des Weiteren angemerkt, auf Basis der Resultate über Empfehlungen nachdenken zu wollen. Nun hat sie am Montag an die nationalen Aufsichtsbehörden sowie die Versicherungs-Unternehmen gerichtete Empfehlungen veröffentlicht.
Deren Umsetzung werde zu einer größeren Widerstandsfähigkeit des europäischen Versicherungssektors führen, heißt es aus Frankfurt. Die generellen Empfehlungen richten sich, je nach Thematik, an einen unterschiedlich breiten Kreis nationaler Aufsichten und umfassen zwei Kategorien.
Übergangsmaßnahmen und Risikobewertung
So kam die Eiopa zu dem Schluss, es sei nötig, die Abhängigkeit der Versicherer von Solvency-II-„Übergangsmaßnahmen“, die im Rahmen der Einführung des Eigenmittel- und Aufsichtsregelwerks ermöglicht wurden, zu verringern.
Die zuständigen nationalen Behörden, so die Eiopa, sollten auch untersuchen, ob die Risiken, die im Stresstest signifikante Solvenzquoten-Senkungen verursacht haben, „adäquat gemanagt“ werden. Sie sollten außerdem prüfen, ob die Unternehmen ausreichend Ressourcen zuteilen, um Risiken, die nicht im Solvency-II-Berichtsrahmen erfasst sind, angemessen zu bewerten.
Maßnahmen, um ungünstige Bedingungen zu bewältigen
Im zweiten Block geht es ums Management ungünstiger Bedingungen. Die Eiopa legt den zuständigen nationalen Behörden nahe, zu untersuchen, warum sich bestimmte Unternehmen dafür entschieden haben, potenzielle Managementmaßnahmen nicht anzuwenden.
Für jene Versicherer, die diese Prüfung vorgenommen haben, schlägt sie vor, die Durchführbarkeit und die berichteten Auswirkungen der angewandten Maßnahmen einer genaueren Analyse zu unterziehen.
Die nationalen Aufsichten sollten außerdem evaluieren, wie schnell die Unternehmen auf ungünstige Entwicklungen reagieren können. Wesentliche Faktoren für diese Evaluierung: die Entscheidungsprozesse, die Fähigkeit, innerhalb kurzer Zeit relevante Informationen zu erfassen, sowie die Modelle, die dazu dienen, letztlich das erforderliche Ergebnis zu erreichen.
Die „2021 Insurance Stress Test Recommendations“ (acht Seiten, englisch) können als PDF-Dokument von der Eiopa-Website heruntergeladen werden.




