Warum der „Versicherungsvertreter” Eingang in das Beruferanking gefunden hat

1.7.2024 – Das schlechte Ansehen des Versicherungsvertreters geht zurück auf die Zeit des Wirtschaftswunders, als im Volksmund folgendes Sprichwort aufkam, das sich bis heute erhalten hat: „Wer nichts wird – wird Wirt, und wem auch dieses nicht gelungen, der reist in Versicherungen.”

Damals wie heute benötigt man für eine Gaststättenkonzession eine eintägige Gastwirteunterrichtung bei der IHK, etwa zum Thema Lebensmittelhygiene. Ein Versicherungsvertreter benötigte seinerzeit gar keine IHK-Zulassung und keine vorgeschriebene Ausbildung.

Der letzte Rang beruht also schlicht auch darauf, dass sich „Versicherungen” auf „gelungen” reimt. Damit ist er seinerzeit auch in das DBB-Beruferanking eingegangen, um einen sicheren Kandidaten für einen Beruf unterhalb des Ansehens von Beamten zu haben.

Dies auch in Gegenüberstellung zum damals noch Postbeamten beziehungsweise Briefträger und zum Bahnbeamten. Denn der Spruch findet sich ergänzend auch reimend auf „wer auch das nicht kann” mit „geht zu Post und Bahn”. Und auch auf „fällt zu schwer” der „Gewerkschaftssekretär”. Die denn auch in das Beruferanking des DBB ebenso eingingen. Andere Vertreter wie der Staubsaugervertreter oder Zeitschriftenwerber sind nicht enthalten – sie reimen sich auch nicht geeignet.

Ein Grund für die bis heute große Bekanntheit dieses Sprichwortes dürfte sein, dass es auch intensiv zur Übung in Sprachkursen für Ausländer eingesetzt wird. Um nämlich die Aussprache von weichem „d” und hartem „t” zu üben.

Peter Schramm

info@pkv-gutachter.de

zum Leserbrief: „Dieses Image ist extrem stark in unserer Bevölkerung verwurzelt”.

Artikel-Werkzeuge für Sie
Diese Seite empfehlen
Schlagwörter zu diesem Artikel
Weitere Artikel der Ausgabe vom 1.7.2024
Weitere Leserbriefe