Riestern lohnt sich nicht für jeden

7.6.2006 – Alles was dazu führt, die in der Bevölkerung ungeliebten, weil überflüssigen Riesterverträge an den Mann oder die Frau zu drehen, ist beim GDV beliebt. Stellt doch dieser die Interessenvertretung der Anbieter dar.

Das man bei einem Verzicht der nachgelagerten Besteuerung die Riesterförderung kürzen (oder vielleicht besser ganz streichen) möchte, wirft die Frage auf, was denn diese Förderung eigentlich sollte. Dann hätte man ja gleich die alte und sehr gut funktionierende Regelung belassen können.

Wird denn die Riesterförderung auch für z.B. einen Griechen oder Italiener, der sich seinen Altersruhesitz in seinem Heimatland finanziert nutzbar sein? Wie sieht bei einer Verneinung dieser Frage der Europäische Gerichtshof diese Sache?

Fragen über Fragen, welche man nur unserer Politik und deren unsinnigem Paragraphen-Irrsinn zu verdanken hat. Nun ja, jetzt haben wir dann wieder etwas Neues in unserem Land, womit sich Gerichte, Juristen, Verbände und Verbraucherschützer beschäftigen können.

Das trägt ja erfahrungsgemäß auch zu einer gewissen Belebung der Konjunktur an. Ich denke auch, dass jemand, der wegen einer in Zukunft keineswegs gesicherten Riesterförderung ein Haus baut, lieber die Finger von solch einer Investition lassen sollte.

Der Kunde, der sich aus Kapitalanlagegründen in der heutigen mieterfreundlichen Zeit eine wohnwirtschaftlich genutzte Immobilie zur Vermietung anlegt, wird die Förderung ohnehin nicht erhalten.

Man stelle sich nur einmal vor, wie viel weniger Bürokratismus und Diskussionen man gehabt hätte, wenn das Thema Riester oder Rürup nie auf den Tisch gekommen wäre. Gespannt bin ich auch auf die ersten Klagen gegen Makler nach der EU-Vermittlerrichtlinie zum Thema Riesterempfehlung.

Wir haben offensichtlich entgegen dem von der Anbieterseite beschriebenen Absatzboom ganz andere Erfahrungen mit Riester gemacht. Es konnten bei weitem keine rosigen Zahlen eingefahren werden, weil wir Riester nur den Kunden angeboten haben, für welche ein derartiger Vertrag wirklich Sinn macht.

Gleichzeitig haben wir auf alle Vor- und Nachteile hingewiesen und uns diese auch vom Kunden unterschreiben lassen. Das Ergebnis war, dass sehr viele Kunden von der Riesterförderung abgekommen sind.

Viele wollten auch zunächst den alten steuerfreien Vertrag kündigen, um in einen neuen staatlich geförderten Vertrag zu investieren. Was wir derzeit erleben ist eine Abwerbung bestehender Riesterverträge.

Die Kündigung für die Altverträge fällt den Anlegern natürlich in Bezug auf die Umdeckungsoption mehr als leicht. Schaden führt man hier ja nur dem Vermittler und seiner erbrachten Dienstleistung zu.

H.-J. Kaschak

veka.kaschak@t-online.de

zum Artikel „Wohn-Riester der SPD gefällt dem GDV”.

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