5.7.2004 – Ich möchte noch auf eine besonders raffinierte Variante des geschilderten Betruges hinweisen, deren Opfer eine von mir geführte Firma vor einigen Jahren wurde: „Während der Hauptreisesaison rief eine Dame an und fragte nach dem Verantwortlichen für Werbung“. Wie in Kleinunternehmen üblich, war das der Geschäftsführer.
Ein Mitarbeiter informierte die Anruferin, dass der Geschäftsführer drei Wochen im Urlaub sei. Auf die Frage, wer den Geschäftsführer vertrete, bekam die Anruferin den Namen genannt und ließ sich nochmals ausdrücklich bestätigen, dass sie diesen richtig verstanden hat.
Als der Mitarbeiter allerdings das Telefonat zu dem Vertreter verband, war die Leitung plötzlich unterbrochen. Keiner dachte sich etwas bei diesem Vorfall. Nach dem Motto - die werden schon wieder anrufen, wenn es was Wichtiges war- geriet der Vorfall zunächst in Vergessenheit.
Ein paar Tage später stand dann eine freundliche junge Dame auf der Matte und wünschte mich zu sprechen. Als Sie erfuhr, dass ich erst in zwei Wochen aus dem Urlaub komme, tat sie ganz aufgeregt.
Sie bräuchte noch ganz dringend eine Unterschrift für den Korrekturabzug eines Anzeigen-Auftrages, es wäre alles mit mir abgesprochen und es müßte nur nochmal jemand drüber sehen, ob Text und Adresse wirklich so okay sind - ob nicht vielleicht der Herr XY - mein Stellvertreter Ihr weiterhelfen könnte.
Die Tatsache, dass die junge Dame mit dem Unternehmen gut vertraut schien und reumütig den Grund für den Termindruck auf Ihre „Schusseligkeit" nahm, bewegten meinen Vertreter Ihr die erbetene Unterschrift auf dem angeblichen Korrekturabzug zu geben, nachdem er sich sorgfältig überzeugt hatte, dass die Anzeige formell und inhaltlich den Richtlinien unseres Hauses entsprach.
Nicht so sorgfältig, hatte er sich das Kleingedruckte unter dem Korrekturabzug angesehen. Zwischen umständlichen Erläuterungen zu Layout, Urheberrecht und Verantworlichkeit für den Inhalt der Anzeige befand sich nämlich auch der Hinweis, daß mit der Unterschrift überhaupt erst der Auftrag für diese Anzeigenschaltung erteilt wird.
Übrigens: „Die Broschüre wurde tatsächlich gedruckt, sie war miserabel gestaltet, bestand fast nur aus Werbung und die Verbreitung bestand darin, dass jedes Unternehmen, dass eine Anzeige geschaltet hat hundert Exemplare zum Auslegen erhielt“...
Gero C. Sifferath
zum Artikel: „Mit fragwürdigen Adressbucheinträgen werden Millionen verdient".




