In der Sozialversicherung bahnt sich ein Zusammenbruch an

8.6.2026 – Ich persönlich glaube, dass sich in der Sozialversicherung ein Zusammenbruch anbahnt: 1. GKV-Beiträge und Zuzahlungen steigen; 2. SPV-Beiträge steigen und Leistungen sinken; 3. GRV-Beiträge steigen, Renteneintrittsalter steigt; 4. AlV-Beiträge werden seit Langem wohl wieder steigen, weil es mehr Arbeitslose gibt.

Somit wird auch unweigerlich der Bundeszuschuss steigen. Dieser wird aus Steuergeldern finanziert, die ebenfalls zum großen Teil (etwa 45 Prozent) aus der Einkommensteuer stammen. 

Ach ja, die Steuer soll ja auch noch reformiert werden...

Auf Dauer ist dieses System nicht weiter finanzierbar. Die ganzen (geplanten) Maßnahmen kosten in erster Linie den Beitrags- und Steuerzahler ordentlich mehr Geld. Die heute nicht geborenen künftigen Beitragszahler werden auch keine Steuern zahlen, womit die Löcher gestopft werden könnten. 

Die geplanten Reformen retten bestenfalls den Haushalt bis zur nächsten Wahl. Beheben aber nicht die grundlegenden Ursachen, wie Umlagefinanzierung, unnötige Leistungen (ich sehe da Potenzial bei KFO-Behandlungen, Arzneimitteln, bestimmten Fachärzten und Krankengeld).

Eine Bürgerversicherung (egal ob GKV oder GRV) wäre in meinen Augen der falsche Weg. Damit würden nur noch mehr Menschen in ein System gezwungen, welches nicht finanzierbar ist. Selbst wenn man die rund zehn Prozent PKV-Versicherten wie Gutverdiener, Selbstständige und Beamte einbezieht, wird die Bilanz im Endergebnis nicht besser − tendenziell sogar eher schlechter − sein. Das käme einem Kapitän der Titanic gleich, der den Leuten in den Rettungsbooten zuruft „Kommt zurück! Lasst uns gemeinsam untergehen!“ 

Beamte verdienen im Durchschnitt ähnlich wie Angestellte (rund 4.500 bis 4.900 Euro Beamte vs. 4.784 Euro Angestellte). Beamte leben aber auch im Schnitt circa 2,5 Jahre länger als Angestellte und belasten somit mehr und länger die Sozialkassen. Die „Gutschrift“ der gewonnen Lebenszeit erfolgt ja leider erst am Lebensende.

Auch Selbstständige sind nicht immer gleich Gutverdiener (im Schnitt liegt der durchschnittliche Bruttoumsatz in Deutschland bei rund 52.600 Euro). Allerdings würde es diese Gruppe am schlimmsten treffen, da sie Arbeitgeberanteil, Arbeitnehmeranteil und Einkommensteuer alleine zu zahlen haben. So bleiben heute schon von jedem verdienten Euro nur rund 0,42 Cent übrig. Kein Wunder, wenn viele mit Auswanderung ins Ausland liebäugeln oder insolvent werden. Weniger Arbeitgeber = weniger Arbeitnehmer.

Eine verantwortungsvolle Bundesregierung (egal wie sie aussehen wird) muss also den Sozialstaat komplett umbauen. Überflüssige (nicht zwingen medizinisch notwendige) Leistungen müssen gekürzt werden und Beiträge müssen demografiefest kalkuliert werden. Das wird alle Generationen schmerzen. 

Die staatlich organisierten Leistungen der Sozialversicherung sollten in meinen Augen nur eine Grundabsicherung sein. Der Rest muss (= soll) eigenverantwortlich abgedeckt werden. Ohne staatlichen Zwang. Wer nicht vorsorgt, hat eben Pech gehabt. Solidarität ist keine Einbahnstraße. 

Wenn wir diese grundlegenden Probleme jedoch nicht beheben, werden die jungen Generationen ein Leben lang für ihren sozialen Abstieg arbeiten. Noch mehr, als es meine Generation (55 Jahre alt) bereits überwiegend tut...

Jörg Grandl

joerg.grandl@t-online.de

zum Artikel: Warken plant deutlich höhere Pflegekosten für Topverdiener

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