27.11.2024 – So ganz falsch ist dies ja doch nicht. Die Regierung und das Parlament in einer repräsentativen Demokratie bestimmen qualifiziert, was gut und richtig ist, und erklärt dies dann dem Volk so, dass es die meisten verstehen. Anderes wäre Populismus: Die Regierenden erforschen den Willen der Bevölkerung und setzen ihn dann um.
Dazu kommt die Gewaltenteilung: Qualifizierte als Richter eingesetzte Volljuristen mit Staatsexamen richten im Einzelfall darüber, was Recht ist. Anders in der alten Athenischen Demokratie, wo alle Bürger über Gesetze abstimmten und die Richter aus allen Bürgern, die sich bewarben, per Losentscheid gezogen wurden. Die Reste einer antiken Losmaschine, einer Kleroteria, wurden auf der Agora in Athen ausgegraben. Damals war noch jeder Bürger in der Lage, über Recht und Unrecht zu richten, etwa ob Sokrates hinzurichten war.
Ich meine, man sollte ganz zufrieden damit sein, dass Entscheidungen mit hoher Qualität getroffen werden, ohne dabei erst Rücksicht darauf zu nehmen, ob diese so einfach und schnell jedem zu erklären sind. Wie auch Adenauer am 8. Dezember 1959 sagte: „Wissen Sie, meine lieben Parteifreunde, mein Freund Pferdmenges hat drei verschiedene Bezeichnungen der Wahrheit. Er sagt: Das ist die Wahrheit, dem gegenüber steht der Ausdruck, das ist die reine Wahrheit, und wenn es ganz hoch geht, sagt er, das ist die lautere Wahrheit. Ich verspreche Ihnen, die reine Wahrheit zu sagen. Ich entnehme Ihren Mienen, daß Sie damit ganz zufrieden sind.”
Peter Schramm
zum Leserbrief: „Einfach schuldige Gehorsam leisten?”.




