1.10.2026 – Eine Studie der Personalberatung Schuckart Consulting zeigt, dass nicht nur nach Ausbildung und Betriebszugehörigkeit große Gehaltsunterschiede bestehen, sondern teilweise auch bei ähnlicher Qualifikation und Tätigkeit. So liegt die Gehaltsspanne bei Sachbearbeitern bei bis zu 10.000 Euro brutto im Jahr. Insgesamt kommt die Studie auf rund 485.000 Berufstätige in verschiedenen Bereichen der privaten Versicherungswirtschaft.
Die Personalberatung Schuckart Consulting GmbH hat ihren „Gehaltsreport Versicherungen 2025/2026“ vorgelegt. Erstellt wurde er von Geschäftsführer Denny Schuckart sowie Johannes Nickisch, Senior Managing Consultant des Unternehmens.
Der Report gibt auf 52 Seiten einen breiten Überblick über den Arbeits- und Gehaltsmarkt der Versicherungswirtschaft mit Schwerpunkt auf der Industrieversicherung. Er beleuchtet unter anderem Beschäftigtenzahlen und die Größe des Arbeitsmarktes, Gehälter für mehr als 35 Positionen vom Sachbearbeiter bis zum Vorstand sowie Gehaltsunterschiede.
Diese Daten wurden ausgewertet
Die Gehaltsdaten basieren auf eigenen Markterfahrungen von Schuckart Consulting. Das Unternehmen, spezialisiert auf Fach- und Führungspositionen in der Versicherungswirtschaft, wertet Mandate, Verhandlungen und Gespräche mit mehreren hundert Kandidaten und Kunden aus, die zwischen September 2025 und September 2026 stattgefunden haben.
Unter den Kunden sind nach Angaben des Personalberaters Versicherer, Industrie- und Inhouse-Makler, Assekuradeure sowie Führungskräfte bis auf die Vorstandsebene.
Die daraus gewonnenen Gehaltsdaten werden anschließend mit externen Quellen zur Gegenprüfung und Einordnung abgeglichen – unter anderem mit Tarifabschlüssen, Verbandsstatistiken, amtlichen Statistiken, geprüften Vergütungsberichten und weiteren Marktstudien.
Die Autoren betonen zugleich, dass es sich nicht um eine repräsentative Stichprobe handelt und insbesondere das Massengeschäft, Vertriebsorganisationen und Ausschließlichkeitsorganisationen unterrepräsentiert seien.
Wie viele Menschen in der privaten Versicherungswirtschaft tätig sind
Schuckart und Nickisch geben zu bedenken, dass die private Versicherungswirtschaft mehr Fachkräfte zählt, als es die amtliche Statistik für gewöhnlich ausweist.
Demnach waren bei den Versicherungsunternehmen laut Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV) zum Jahresende 2025 rund 215.600 Beschäftigte tätig – 174.300 im Innendienst, 29.600 im Außendienst sowie 11.700 Auszubildende.
Hinzu kommen nach der Rechnung der Autoren rund 91.000 Beschäftigte in Makler-, Vermittler- und Assekuradeurbetrieben. Die Zahl ergibt sich als rechnerische Differenz zwischen den 306.820 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im gesamten Versicherungsgewerbe und den 215.600 Beschäftigten bei Versicherungsunternehmen.
Darüber hinaus waren zum 1. Juli 2026 insgesamt 178.810 selbstständige Vermittler und Berater im DIHK-Vermittlerregister eingetragen. Damit kommt der Report auf rund 485.000 Personen in den erfassten Gruppen.
Markt ist mehr als doppelt so groß wie die Statistik der Versicherer
„Der Kandidatenmarkt ist mehr als doppelt so groß wie die Beschäftigtenstatistik der Versicherer suggeriert. Wer nur unter Versicherungsangestellten sucht, übersieht rund 91.000 Menschen in Makler- und Assekuradeurbetrieben sowie die Inhouse-Abteilungen der Industrie, in denen einige der erfahrensten Fachleute des Marktes sitzen“, berichtet Nickisch.
Darüber hinaus werden laut Report Inhouse-Broker in Industrieunternehmen, die in deren Branchenstatistik einfließen, sowie Assekuradeure nicht separat erfasst. Auch weitere Dienstleister wie Sachverständige, Assistance-Unternehmen, Softwareanbieter und Beratungsunternehmen bleiben bei der Rechnung außen vor.
Für die Industriemakler wies der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) zuletzt 860 Mitgliedsunternehmen mit rund 12.000 Mitarbeitern aus.
Die rund 485.000 Personen sind allerdings nicht mit 485.000 Vollzeitstellen gleichzusetzen. Die Autoren weisen darauf hin, dass darunter auch nebenberuflich tätige Vermittler sind und sich einzelne Gruppen überschneiden. Die Zahl der Vollzeitäquivalente liege daher deutlich darunter.
Marktspannen für Fixgehälter pro Jahr
Der Report weist für klassische Rollen im Versicherungsmarkt Spannen für jährliche Brutto-Fixgehälter aus. Die Angaben beziehen sich auf Deutschland und berücksichtigen keine variablen Vergütungsbestandteile.
Die Gehaltsspannen beziehen sich dabei nicht nur auf Versicherungsunternehmen, sondern auf den gesamten Versicherungsmarkt und damit auch auf Tätigkeiten bei Maklern.
Erfasst werden unterschiedliche Positionen und Senioritätsstufen – von der Sachbearbeitung bis zur Abteilungsleitung. Die genannten Beträge bilden jeweils die Spannbreite der am Markt beobachteten Fixgehälter ab und sind keine Durchschnittswerte. Grundlage sind Mandate, Verhandlungen und Gespräche von Schuckart Consulting aus den letzten zwölf Monaten.
Deutliche Unterschiede auch bei gleicher Position und ähnlicher Erfahrung
Nach Angaben der Autoren sind die Gehaltsspannen gegenüber 2025 im Schnitt um fünf bis acht Prozent gestiegen, wobei die Obergrenzen stärker zugelegt hätten als die Untergrenzen.
Die Gehälter unterscheiden sich dabei nicht nur zwischen den Positionen und Erfahrungsstufen. Auch innerhalb derselben Position und Senioritätsstufe weist der Report teilweise erhebliche Spannen aus. Für Sachbearbeiter etwa reicht die ausgewiesene Gehaltsspanne über alle drei Erfahrungsstufen hinweg von 42.000 bis 75.000 Euro brutto jährlich, bei Versicherungsfachkräften von 47.000 bis 90.000 Euro.
Für Fachexperten reicht die ausgewiesene Spanne von 58.000 bis 140.000 Euro. Für die Firmenkundenbetreuung im Außendienst werden 68.000 bis 160.000 Euro genannt, für Underwriter 62.000 bis 150.000 Euro. Bei Abteilungsleitern reicht die ausgewiesene Spanne von 80.000 bis 170.000 Euro.
| Position | Einstieg | Professional* | Senior/Lead** |
|---|---|---|---|
| Quelle: Schuckart Consulting. Marktspannen in Euro für jährliche Brutto-Fixgehälter 2026 in Deutschland, ohne variable Vergütungsbestandteile. *Professional mit drei bis acht Jahren Berufserfahrung, **Senior/Lead: mehr als acht Jahre Berufserfahrung und leitende Position. | |||
| Sachbearbeitung Versicherung | 42.000–52.000 | 52.000–68.000 | 65.000–75.000 |
| Versicherungsfachkraft | 47.000–58.000 | 63.000–80.000 | 80.000–90.000 |
| Fachexperte Sparte | 58.000–78.000 | 78.000–120.000 | 120.000–140.000 |
| Maklerbetreuung | 62.000–78.000 | 80.000–105.000 | 105.000–130.000 |
| Firmenkundenbetreuung Innendienst | 58.000–72.000 | 72.000–95.000 | 95.000–110.000 |
| Firmenkundenbetreuung Außendienst | 68.000–88.000 | 90.000–125.000 | 125.000–160.000 |
| Underwriting Gewerbe/Standard | 62.000–82.000 | 85.000–125.000 | 125.000–150.000 |
| Aktuariat | 60.000–75.000 | 80.000–120.000 | 120.000–150.000 |
| Abteilungsleitung | 80.000–95.000 | 95.000–140.000 | 140.000–170.000 |
Gründe für große Gehaltsspannen
Die großen Gehaltsspannen führen Schuckart und Nickisch auf mehrere Faktoren zurück. Dazu zählt unter anderem die Spezialisierung. Für Tätigkeiten in den Bereichen Cyber, D&O, Financial Lines, Technische Versicherungen und bei internationalen Programmen nennen die Autoren Aufschläge von zehn bis 20 Prozent gegenüber dem Standardgeschäft.
Auch ein Arbeitgeberwechsel könne sich deutlich auf das Gehalt auswirken. Wer gezielt wechsle, könne Gehaltssprünge von zehn bis 20 Prozent erreichen. Bei Berufserfahrenen flache die Gehaltsentwicklung dagegen ab, wenn keine zusätzliche Verantwortung hinzukomme. Weitere Steigerungen liefen dann über Führung, Spezialisierung oder einen Wechsel des Arbeitgebertyps.
Auch die Größe des Unternehmens spielt laut Report eine Rolle. Eine Auswertung des Statistischen Bundesamts über alle Branchen hinweg weise für Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern ein Median-Gehalt von 48.800 Euro aus. Bei Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern liegt der Median bei 63.000 Euro. Mit zunehmender Unternehmensgröße steige der ausgewiesene Median schrittweise an.
Bei mittelständischen Maklern könne sich ein niedrigeres Fixgehalt zudem durch mehr Verantwortung und variable Vergütungsbestandteile ausgleichen.





