Versicherer übernehmen wieder mehr Nachwuchs in den angestellten Außendienst

8.8.2025 (€) – 2024 konnten nur rund 48 Prozent der Versicherer alle Ausbildungs- und dualen Studienplätze besetzen, wie aktuelle Zahlen des AGV zeigen. Die Lage entspannt sich damit leicht – auch wenn viele Assekuranzen weiterhin über ungeeignete Bewerber klagen. Im angestellten Außendienst schaffen die Unternehmen wieder anteilig mehr Stellen für Berufsanfänger.

Der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV) und das Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) e.V. haben die „Ausbildungsumfrage der Versicherungswirtschaft 2025“ veröffentlicht.

An der 22. Auflage beteiligten sich 61 Unternehmen beziehungsweise Unternehmensgruppen. Laut den Studienautoren deckt die Umfrage damit 94 Prozent der Beschäftigten in der Branche ab.

Nicht einmal jeder zweite Versicherer kann alle Ausbildungsplätze besetzen

Die Umfrage zeigt, dass der Fachkräftemangel die Versicherer weiterhin vor Probleme stellt: Nur 48 Prozent der befragten Unternehmen konnten alle Ausbildungsplätze sowie alle Stellen für ein duales Studium besetzen.

Immerhin ist das ein deutlicher Anstieg um 15 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr – damals gaben lediglich 33 Prozent an, alle Plätze besetzen zu können (VersicherungsJournal 8.8.2024).

Wie viele Stellen genau unbesetzt blieben, geht aus der Umfrage nicht hervor. Eine grobe Orientierung bietet aber eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB). Auch wenn dort Finanz- und Versicherungsdienstleistungen zusammengefasst werden, blieb 2024 demnach knapp jeder vierte Ausbildungsplatz unbesetzt (25.7.2025).

Häufigster Grund: ungeeignete Bewerber

Am häufigsten nennen die betroffenen Unternehmen mit 89 Prozent die „unzureichende Eignung der Bewerber“ als Grund dafür, dass nicht alle Stellen besetzt werden konnten. 37 Prozent halten diese Aussage für „sehr zutreffend“, weitere 52 Prozent für „eher zutreffend“.

Auf Rang zwei folgt mit 84 Prozent die „mangelhafte Qualität der Bewerbungsunterlagen“ – auch hier bewerten jeweils 37 Prozent die Aussage als „trifft sehr zu“ beziehungsweise „trifft eher zu“.

Drittwichtigster Hinderungsgrund ist die „regional schlechte Bewerbersituation“, die 69 Prozent der Versicherer anführen.

Relativ häufig genannt wird zudem, dass Ausbildungs- oder Studienabbrüche eine Rolle spielen: 33 Prozent stimmen dem „sehr zu“, 15 Prozent „eher“. Damit beklagt fast jeder zweite Versicherer mit unbesetzten Stellen, dass potenzielle Nachwuchskräfte vorzeitig abgesprungen sind.

Gründe für Nichtbesetzen von Ausbildungsplätzen (Bild: AGV)
Ausbildungsumfrage 2025: Gründe für Nichtbesetzen von Ausbildungsplätzen (Bild: AGV

Fast alle Azubis bestehen Abschlussprüfung

Fast alle Nachwuchskräfte, die 2024 an der Abschlussprüfung der Industrie- und Handelskammern (IHK) für die Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen teilgenommen haben, haben bestanden. Lediglich drei Prozent aller Prüflinge waren durchgefallen.

Nach erfolgreicher IHK-Abschlussprüfung bleiben 70 Prozent der Absolventen im Unternehmen. Weitere zwölf Prozent wechseln in den angestellten Außendienst einer Agentur. 17 Prozent verlassen das Unternehmen. Aufgrund von Rundungen und unvollständigen Angaben summieren sich die Werte nicht exakt zu 100 Prozent.

Versicherer übernehmen wieder mehr Azubis in den angestellten Außendienst

Von den Absolventen, die bei einem Versicherer weiterbeschäftigt werden, gehen erstmals seit dem Coronajahr 2020 wieder mehr in den angestellten Außendienst.

Deren Anteil steigt auf 28 Prozent – ein Plus von acht Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Davon bleiben 19 Prozent unbefristet sowie neun Prozent zunächst befristet im Unternehmen. Zum Vergleich: 2020 lag der Anteil derjenigen, die in den Außendienst wechselten, noch bei 37 Prozent. Seither war dieser Wert von Jahr zu Jahr leicht gesunken – bis jetzt.

Damit sinkt der Anteil jener, die in den angestellten Innendienst wechseln: von 80 Prozent im Vorjahr auf 72 Prozent im Jahr 2024. Gleichzeitig ist auch die Gesamtzahl unbefristeter Beschäftigungsverhältnisse zurückgegangen – von 71 auf 68 Prozent.

Weiterbeschäftigung übernommener Azubis (Bild: AGV)
Ausbildungsumfrage 2025: Weiterbeschäftigung übernommener Azubis (Bild: AGV)

Anteil dual Studierender sinkt

Der Anteil der dual Studierenden an den Lehrlinge sank gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 15 Prozent – vor zwei Jahren lag er noch bei 18 Prozent.

Unverändert bleibt hingegen der Anteil jener, die ihre vom Versicherer finanzierte Ausbildung in einer Agentur absolvieren: Er liegt seit drei Jahren stabil bei 24 Prozent.

Leicht gestiegen ist dagegen die Zahl der Auszubildenden, die direkt im Unternehmen des Versicherers lernen: von 59 Prozent im Vorjahr auf 61 Prozent. Im Jahr 2020 lag dieser Wert noch bei 64 Prozent.

Ausbildungsumfrage 2025: Ausbildungswege (Bild: AGV)
Ausbildungsumfrage 2025: Ausbildungswege (Bild: AGV)

Eine Übersicht der wichtigsten Ergebnisse stellt das Berufsbildungswerk auf seiner Webseite bereit.

Wie beurteilen Sie diesen Artikel?
Artikel-Werkzeuge für Sie
Diese Seite empfehlen
Schlagwörter zu diesem Artikel
Weitere Artikel der Ausgabe vom 8.8.2025
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren