So viel verdienen Versicherungs-Azubis im Branchenvergleich

5.8.2026 – Auszubildende im Versicherungsgewerbe erhalten im Ausbildungsjahr 2025/26 eine tarifliche Ausbildungsvergütung von 1.455 Euro im ersten und 1.620 Euro im dritten Lehrjahr. Damit belegt die Branche in einer Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) Rang zwei unter den bestbezahlten Ausbildungsbranchen. Eine höhere Vergütung wird nur in der Pflege im öffentlichen Dienst von Bund und Gemeinden gezahlt. Auch die Banken liegen dahinter.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat für eine Untersuchung (PDF, 303 KB) sein Tarifarchiv ausgewertet, um zu ermitteln, in welchen von 20 ausgewählten Branchen tarifgebundene Unternehmen die höchsten und niedrigsten Ausbildungsvergütungen zahlen. Im Fokus stand dabei das erste Ausbildungsjahr.

Ausbildungsvergütung in der Versicherungswirtschaft wurde erhöht

Die Ausbildungsvergütungen werden in der Regel im Rahmen der Tarifverhandlungen zum Manteltarifvertrag (MTV) und Gehaltstarifvertrag (GTV) vereinbart.

In der Versicherungswirtschaft hatten sich der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV) und die beteiligten Gewerkschaften im Juli 2025 darauf verständigt, die Vergütung für Auszubildende zum 1. August 2025 um 150 Euro monatlich und zum 1. September 2026 um weitere 100 Euro anzuheben (VersicherungsJournal 8.7.2026).

Nach den Berechnungen des WSI stieg die tarifliche Ausbildungsvergütung im Versicherungsgewerbe für das erste Lehrjahr zwischen dem 1. September 2025 und dem 1. September 2026 um 7,4 Prozent. Das liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 3,9 Prozent. Eine noch stärkere Anhebung gab es lediglich in der Textilindustrie mit 7,6 Prozent.

Nur noch wenige Lehrlinge erhalten tariflich unter 1.000 Euro

Wie Professor Dr. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs, berichtet, gibt es nur noch wenige Branchen, in denen Auszubildende im ersten Lehrjahr weniger als 1.000 Euro monatlich erhalten.

„In den meisten Tarifbranchen liegen die Ausbildungsvergütungen heute auch im 1. Ausbildungsjahr über 1.000 Euro im Monat und übertreffen damit den Bafög-Höchstsatz für Studierende“, so Schulten. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestausbildungsvergütung (MiAV) im ersten Ausbildungsjahr beträgt laut der WSI aktuell 724 Euro.

Dennoch seien bei den tariflichen Vergütungen der Azubis große Niveauunterschiede abhängig von Branche, Region und Ausbildungsjahr zu beobachten. Zudem würden rund 45 Prozent der Lehrlinge in Unternehmen ausgebildet, die keiner Tarifbindung unterliegen. Hier bewege sich die Vergütung oft nur auf dem Mindestniveau, berichtet Schulten.

Welche Branchen im ersten Lehrjahr die höchste Vergütung zahlen

Die höchste tarifliche Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr des Ausbildungsjahres 2025/26 erhalten laut WSI derzeit Pflege-Auszubildende im öffentlichen Dienst von Bund und Gemeinden. Sie beträgt 1.491 Euro im Monat. Das Ausbildungsjahr 2025/26 umfasst den Zeitraum vom 1. September 2025 bis zum 1. September 2026.

Das Versicherungsgewerbe folgt mit 1.455 Euro monatlich auf dem zweiten Rang. Dahinter liegen die Pflege im öffentlichen Dienst der Länder mit 1.441 Euro, das private Bankgewerbe mit 1.400 Euro, der öffentliche Dienst bei Bund und Gemeinden mit 1.368 Euro sowie die Deutsche Bahn AG mit 1.325 Euro.

Das Schlusslicht bildet das Friseurhandwerk in Nordrhein-Westfalen mit einer Ausbildungsvergütung von 785 Euro im ersten Lehrjahr. Dahinter folgen die Landwirtschaft in Nordrhein (890 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (930 Euro), die Floristik (West) mit 900 Euro, das Gebäudereinigungshandwerk mit 1.000 Euro sowie der Einzelhandel in Brandenburg mit 1.050 Euro.

Branchen mit der höchsten tariflichen Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr 2025/2026 (Bild: Wenig)

Die Ausbildungsvergütung im dritten Lehrjahr

Ein weiteres Ergebnis der Auswertung ist, dass die Branchen die tariflichen Ausbildungsvergütungen im Laufe der Lehrzeit unterschiedlich stark anheben. Eine hohe Vergütung im ersten Lehrjahr bedeutet daher nicht automatisch, dass eine Branche auch im dritten Lehrjahr zu den Spitzenreitern zählt.

Das Versicherungsgewerbe behauptet allerdings seine Spitzenposition: Mit einer tariflichen Ausbildungsvergütung von 1.620 Euro monatlich belegt die Branche auch im dritten Lehrjahr Rang zwei. Höher fällt die Vergütung lediglich in der Pflege des öffentlichen Dienstes aus, wo Auszubildende 1.653 Euro erhalten.

Es folgen bei den bestbezahlten Ausbildungsberufen die Pflege im öffentlichen Dienst der Länder mit 1.613 Euro, das gewerbliche Bauhauptgewerbe mit 1.610 Euro, das private Bankgewerbe mit 1.550 Euro, die Süßwarenindustrie Nordrhein-Westfalen mit 1.542 Euro sowie das kaufmännische Bauhauptgewerbe mit 1.507 Euro.

Auch im dritten Lehrjahr belegen das Friseurhandwerk in Nordrhein-Westfalen, die Landwirtschaft in Nordrhein, die Floristik (West) und die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern die letzten Plätze. Die tarifliche Ausbildungsvergütung liegt dort zwischen 1.065 und 1.120 Euro pro Monat.

Andere Auswertungen, ähnliche Ergebnisse

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) veröffentlicht ebenfalls jährlich Auswertungen zur tariflichen Ausbildungsvergütung zu bis 173 Berufen. Anders als das WSI wird dabei die durchschnittliche Vergütung über die gesamte Ausbildungsdauer hinweg ermittelt.

Die aktuelle Auswertung basiert auf dem Stand vom 1. Oktober 2025. Demnach betrug die tarifliche Ausbildungsvergütung über alle Ausbildungsjahre hinweg im Bundesdurchschnitt 1.209 Euro brutto pro Monat.

Angehende Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen liegen in Westdeutschland mit 1.405 Euro ebenfalls auf der zweiten Position der bestbezahlten Ausbildungsberufe. In Ostdeutschland bedeutet dieser Wert Rang sechs (VersicherungsJournal 6.2.2026).

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