So viel Urlaubsgeld zahlt die Versicherungsbranche

17.6.2026 – Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) hat die Höhe des Urlaubsgeldanspruchs nach Gewerben ausgewertet. Die Versicherungswirtschaft platziert sich mit 1.850 Euro für die mittlere Vergütungsgruppe auf Rang sechs der 17 ausgewerteten Branchen.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat erneut in einer Studie (PDF, 331 KB) ausgewertet, wie viele Beschäftigte in Deutschland Anspruch auf Urlaubsgeld haben.

Für die Analyse wurden Angaben von rund 50.000 Beschäftigten aus dem Zeitraum von Anfang Mai 2025 bis Ende Mai 2026 verglichen, die ihre Lohngaben in der Datenbank Lohnspiegel.de hinterlegt haben.

Die Umfrage sei nicht repräsentativ, erlaube aber aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die Arbeitswelt, führen die Autoren aus. Die Angaben beziehen sich auf die Privatwirtschaft.

44 Prozent der Beschäftigten haben Anspruch auf Urlaubsgeld

Laut der aktuellen Auswertung haben 44 Prozent aller Beschäftigten Anspruch auf Urlaubsgeld. Das entspricht dem Vorjahreswert (VersicherungsJournal 4.6.2025), liegt aber unter dem Niveau von 2024, als noch 46 Prozent eine entsprechende Sonderzahlung erhielten (12.6.2024).

Ob ein Anspruch auf Urlaubsgeld besteht, hängt laut WSI von mehreren Faktoren ab – allen voran von der Tarifbindung. In tarifgebundenen Unternehmen erhalten 73 Prozent der Beschäftigten Urlaubsgeld, in Betrieben ohne Tarifvertrag dagegen nur 35 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr sind beide Werte um je einen Prozentpunkt gestiegen.

Urlaubsgeld auch abhängig von Geschlecht und Betriebsgröße

Darüber hinaus nennt das WSI weitere strukturelle Merkmale, die die Wahrscheinlichkeit für Urlaubsgeld beeinflussen:

  • Betriebsgröße: In großen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten erhalten 61 Prozent der Mitarbeiter Urlaubsgeld, in kleineren Betrieben mit unter 100 Beschäftigten sind es nur 37 Prozent. Zählt das Unternehmen 100 bis 500 Beschäftigte, hat exakt jeder Zweite einen Anspruch.
  • Region: Es besteht weiterhin ein deutliches Ost-West-Gefälle. In Westdeutschland erhalten 46 Prozent Urlaubsgeld, in Ostdeutschland lediglich 33 Prozent.
  • Geschlecht: Frauen haben mit 38 Prozent seltener Anspruch auf Urlaubsgeld als Männer, von denen 49 Prozent eine entsprechende Zahlung erhalten. „Dies lässt sich im Wesentlichen auf eine für Frauen ungünstige Verteilung der Beschäftigtenzahlen nach Betriebsgrößen und Berufsgruppen zurückführen“, führt das WSI hierzu aus.

Urlaubsgeldanspruch nach Branchen

Das WSI hat zudem untersucht, wie das Urlaubsgeld in einzelnen Branchen tariflich geregelt ist. Zur besseren Vergleichbarkeit greift es auf eine einheitliche Bezugsgröße zurück: die „mittlere Vergütungsgruppe“. Damit ist in der Regel die Entgeltgruppe gemeint, die für Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung beim Berufseinstieg vorgesehen ist, wie das WSI auf Nachfrage erläuterte.

Bei den Versicherern ist dies die Entgeltgruppe III. Als Referenz dient dabei die Endstufe dieser Entgeltgruppe, also das Gehaltsniveau, das nach mehreren Jahren Berufserfahrung erreicht wird. Zudem wird ein Urlaubsanspruch von 30 Tagen unterstellt. Zulagen und sonstige Zuschläge bleiben unberücksichtigt.

Der Urlaubsgeldanspruch für die rund 183.000 Beschäftigten des Versicherungsinnendienstes ist im Manteltarifvertrag (MTV) (PDF, 696 KB) geregelt. Die Tarifpartner hatten sich im Juli 2025 auf den neuen Vertrag verständigt, der rückwirkend zum 1. Mai 2025 in Kraft trat (7.7.2025). Beschäftigte erhalten im zweiten Quartal eine Sonderzahlung von 50 Prozent eines Bruttomonatsgehalts.

Daneben sieht der Tarifvertrag im letzten Quartal eines Jahres eine Sonderzahlung in Höhe von 80 Prozent eines Monatsgehalts vor. Diese als Weihnachtsgeld zu wertende Leistung wurde in der aktuellen Auswertung jedoch nicht berücksichtigt.

Versicherungsgewerbe auf Rang sechs

Gegenüber dem Vorjahr gab es im Ranking der Branchen mit dem höchsten Urlaubsgeldanspruch keine Veränderungen. Alle der 17 aufgeführten Gewerbe belegen erneut exakt ihre Vorjahresplätze.

Das höchste tarifliche Urlaubsgeld für Beschäftigte der mittleren Vergütungsgruppe wird in der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie in Westdeutschland gezahlt – mit 2.904 Euro im Tarifbezirk Westfalen-Lippe. Deutlich geringer fällt der Anspruch in Ostdeutschland aus: Dort liegt das Urlaubsgeld der Branche bei lediglich 1.835 Euro.

Auf dem zweiten Platz folgt die papierverarbeitende Industrie. Hier erhalten westdeutsche Beschäftigte 2.692, ostdeutsche 2.502 Euro. Den dritten Rang belegt die Metallindustrie West mit 2.554 Euro, während im Osten 2.268 Euro gezahlt werden.

Das Versicherungsgewerbe platziert sich wie im Vorjahr auf Rang sechs der Branchen mit dem höchsten Urlaubsgeld. Bundeseinheitlich werden für die Entgeltgruppe 1.850 Euro gezahlt – das sind rund 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr (1.750 Euro). Dahinter platzieren sich der Einzelhandel und das Bauhauptgewerbe auf den Rängen sieben und acht.

Tarifliches Urlaubsgeld 2026 in der mittleren Gruppe (Bild: WSI)
Tarifliches Urlaubsgeld 2026 in der mittleren Gruppe; *nur Gehalt (Angestellte); **nur Lohn (Arbeiter). Stand: 30.4.2026. (Bild: WSI)

Keine aktuellen Zahlen zu Versicherungsvertrieb

Nicht berücksichtigt sind in der Branchenauswertung Beschäftigte im Versicherungsvertrieb außerhalb der Versicherungsunternehmen. Hierzu fehlen statistische Daten. Das WSI legt regelmäßig Sonderauswertungen zu einzelnen Berufsgruppen vor, die eine ungefähre Orientierung bieten. Der letzte Bericht zum Beruf der Versicherungskaufleute stammt aus dem Mai 2024.

Ein Ergebnis der Auswertung: Die Tarifbindung ist im Finanz- und Versicherungssektor insgesamt hoch. In den Finanzdienstleistungen liegt sie bei 91 Prozent, im klassischen Versicherungsgewerbe – also bei Versicherern, Rückversicherern und Pensionskassen – bei knapp 90 Prozent.

Deutlich niedriger ist sie mit 28 Prozent in den mit Versicherungsdienstleistungen verbundenen Tätigkeitsfeldern, zu denen das WSI auch den Vertrieb über Versicherungsmakler zählt.

Die Sonderauswertung zeigt, dass die Tarifbindung in der Versicherungsbranche eng mit dem Urlaubsgeldanspruch zusammenhängt. Von 1.766 Befragten hatten 86 Prozent der angestellten Versicherungskaufleute mit Tarifvertrag Anspruch auf Urlaubsgeld, ohne Tarifbindung waren es 27 Prozent.

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