So häufig arbeiten Versicherungsmitarbeiter im Homeoffice

24.4.2026 – Im Jahr 2025 hat sich der Anteil der Erwerbstätigen, die mobil oder von zuhause aus arbeiten, laut Statistischem Bundesamt wieder auf das Niveau der Coronajahre erhöht. In der Versicherungswirtschaft bleibt die Nutzung dagegen stabil, nicht zuletzt aufgrund bereits etablierter und großzügiger Homeoffice-Regelungen.

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland Homeoffice nutzen, ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Im Jahr 2025 nutzten knapp 25 Prozent aller Erwerbstätigen zumindest gelegentlich die Möglichkeit, von zu Hause aus oder mobil zu arbeiten, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch mitgeteilt hat.

Damit lag der Anteil leicht über dem Niveau von 2024 (24 Prozent) und 2023 (23 Prozent) und erreichte wieder das Niveau der Coronajahre, als Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen die Mobilität stark einschränkten, wie die Behörde weiter mitteilt.

Auch im Jahr 2021 lag der Anteil bereits bei 25 Prozent. Zum Vergleich: 2019, ein Jahr vor Beginn der Corona-Pandemie, nutzten 13 Prozent der Erwerbstätigen gelegentlich Homeoffice.

Die Homeoffice-Nutzenden kehren häufiger zur Arbeitsstätte zurück

Die Zahlen beruhen auf Erstergebnissen des Mikrozensus 2025, der größten wiederkehrenden Haushaltsbefragung zu Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland. Dafür werden jährlich rund 60.000 Haushalte befragt.

Im Vergleich zu den Coronajahren zeigt sich jedoch eine Verschiebung: Zwar ist der Anteil der Beschäftigten mit Homeoffice-Möglichkeit mittlerweile wieder auf einem ähnlich hohen Niveau, die Intensität der Nutzung hat jedoch deutlich abgenommen.

Während 2021 noch 40 Prozent der Homeoffice-Nutzenden an jedem Arbeitstag vollständig im Homeoffice arbeiteten, lag dieser Anteil 2025 nur noch bei 24 Prozent. Deutlich zugenommen hat dagegen die Gruppe, die weniger als die Hälfte der Arbeitstage im Homeoffice arbeitet – sie stieg von 31 auf 46 Prozent.

Homeoffice Nutzungshäufigkeit (Bild: Wenig)

Erwerbstätige in größeren Unternehmen arbeiten zudem deutlich häufiger zuhause als Beschäftigte in kleineren Betrieben. In Unternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten liegt der Anteil bei 19 Prozent, in mittleren Betrieben bei 23 Prozent. In großen Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten steigt er auf 35 Prozent und ist damit am höchsten.

Homeoffice im Branchenvergleich

Wie häufig Homeoffice genutzt wird, unterscheidet sich stark nach der jeweiligen Branche. Am häufigsten werden Heimarbeit und mobiles Arbeiten in den IT-Dienstleistungen genutzt: In diesen Berufen geben 74,4 Prozent aller Befragten an, Homeoffice zumindest gelegentlich zu nutzen.

Es folgen Unternehmensführung, -verwaltung und Beratung mit 74,4 Prozent und Informationsdienstleistungen mit 68,4 Prozent. Informationsdienstleistungen unterscheiden sich von IT-Dienstleistungen dadurch, dass sie stärker auf die Bereitstellung und Verarbeitung von Inhalten und Daten als auf die technische Entwicklung und den Betrieb von IT-Systemen ausgerichtet sind.

Versicherungen auf Rang vier bei den meisten Heimarbeitern

An vierter Stelle folgen bereits die Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen (ohne Sozialversicherung): 68,2 Prozent der Befragten geben an, zumindest gelegentlich die Möglichkeit zur Heimarbeit zu nutzen. Damit ist Homeoffice bei den Versicherern weit verbreiteter als im Durchschnitt aller Branchen.

Der Anteil der mobil Arbeitenden geht bei den Versicherern sogar leicht zurück: 2023 nutzten noch 68,6 Prozent Homeoffice, ein Jahr zuvor 70,4 Prozent (VersicherungsJournal 27.6.2024).

Den fünften Rang belegen die „Mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundenen Tätigkeiten“ mit 61,3 Prozent, wozu unter anderem Versicherungsmakler, Finanzvermittler sowie häufig ausgelagerte Dienstleister etwa in der Vertragsverwaltung oder Schadenabwicklung zählen.

Homeoffice nach Branchen (Bild: Wenig)

Kaum verbreitet ist Homeoffice erwartungsgemäß in Branchen, in denen die Tätigkeit eine Anwesenheit vor Ort erfordert oder nicht ortsungebunden ausgeführt werden kann. Dazu zählen etwa der Einzelhandel (10,7 Prozent), der Kfz-Handel und die Reparatur (9,9 Prozent), der Garten- und Landschaftsbau (7,0 Prozent) sowie die Gastronomie (5,7 Prozent).

Der Trend geht aktuell eher in Richtung mehr Präsenz in den Betrieben.

Dr. Sebastian Hopfner, AGV

Zunahme von Homeoffice infolge der gestiegenen Kraftstoffpreise?

Destatis sieht Homeoffice auch als mögliche Reaktion auf gestiegene Kraftstoff- und Energiepreise infolge geopolitischer Konflikte. Belastbare statistische Daten dazu liegen bislang jedoch nicht vor.

Das VersicherungsJournal hat daher den Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV) sowie mehrere Versicherer gefragt, ob eine zunehmende Nutzung von Homeoffice beobachtet wird – oder die Versicherer diese Maßnahme sogar anregen und fördern.

AGV sieht eher Trend zu mehr Präsenz

Sebastian Hopfner (Bild: AGV)
Sebastian Hopfner (Bild: AGV)

Der AGV verweist auf die ohnehin großzügigen Regelungen. „Die Versicherungswirtschaft gehört sicherlich zu denjenigen Branchen, in welchen die Homeoffice-Quote strukturbedingt mit am höchsten ist. Wir gehen davon aus, dass wir im Schnitt eine Quote von 50:50 (Verhältnis Arbeiten im Büro und im Homeoffice) haben“, sagt AGV-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Hopfner.

Eine Zunahme von Homeoffice sieht der Verband derzeit nicht. „Der Trend geht aktuell eher in Richtung mehr Präsenz in den Betrieben, weil sich zeigt, dass die integrative Kraft des Zusammenarbeitens in Präsenz besser zur Geltung kommt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Homeoffice keine langfristige Zukunft hat – es geht allein um das Ausmaß dieser Arbeitsform“, so Hopfner.

Der Jurist ergänzt: „Da der Branche wichtig ist, dass für die Angestellten zentrale Fragen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch flexible Lösungen zufriedenstellend organisiert werden, ist diese moderne Form der Arbeit aus den Betrieben nicht mehr wegzudenken. Die aktuell hohen Spritpreise haben aus unserer Sicht keine Relevanz bei diesem Thema.“

Versicherer verweisen auf bestehende Freiräume – und Förderung der Mobilität

Die Versicherer verweisen ebenfalls auf die bestehenden Regelungen, die bereits viel Freiraum für das Arbeiten zuhause lassen. So schreibt eine Sprecherin der Allianz SE:

„Für die Gesellschaften im Verbund der Allianz Deutschland, mit 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, gilt eine Betriebsvereinbarung mit vier gemeinsamen Präsenztagen pro Monat für das jeweilige Team. Weitere Anlässe für Präsenz definiert jedes Team für sich selbst, wie beispielsweise die Einarbeitung neuer Kolleg:innen, Schulungen oder der Start von gemeinsamen Projekten.“

Aktuelle Auswertungen dazu, wie und ob sich die Nutzung des Angebots zum mobilen Arbeiten zuletzt verändert hat, habe die Allianz jedoch nicht.

„Mit Blick auf die hohen Kraftstoffpreise kann ich Ihnen jedoch sagen, dass wir einen tariflichen Fahrtkostenzuschuss von 25 Euro im Monat für die Nutzung des ÖPNV zahlen. Das Deutschlandticket JOB gibt es bei uns ebenso wie ein attraktives Leasing-Angebot für Elektrofahrzeuge“, so die Allianz-Sprecherin.

Ergo: richtige Balance zwischen Homeoffice und Anwesenheit

Ähnlich positioniert sich eine Sprecherin der Ergo Deutschland AG. „Bei der Ergo können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit mobil arbeiten, so ihre Tätigkeit das ermöglicht“, schreibt sie. Das sei der richtige Rahmen, „da wir davon überzeugt sind, dass der regelmäßige persönliche Austausch für den langfristigen Erfolg der Ergo maßgeblich ist.“

Insbesondere für neue Mitarbeiter und Auszubildende sei „ein professionelles und nachhaltiges Onboarding, eine qualitativ hochwertige Ausbildung und die gemeinsame Identifikation durch persönlichen und direkten Austausch vor Ort und in den Büros maßgeblich“, schreibt sie.

„In diesem Sinne bieten wir einen Rahmen, in dem sich die beruflichen und persönlichen Verpflichtungen flexibler vereinbaren lassen.“ Eine Veränderung bei der Nutzung des Angebots zum mobilen Arbeiten beobachtet die Ergo hingegen derzeit nicht – trotz der gestiegenen Spritpreise.

Provinzial beobachtet ebenfalls keine vermehrte Nutzung von Homeoffice

Auch der Provinzial-Konzern sieht keinen Trend zu mehr Heimarbeit. „Die Homeoffice-Quote im Provinzial-Konzern lag 2025 im Durchschnitt bei circa 51 Prozent. Auch im laufenden Jahr verzeichnen wir bisher eine ähnliche Quote. Dementsprechend können wir keine Auswirkungen oder Veränderungen feststellen“, schreibt eine Sprecherin.

Die Regelungen zum Homeoffice seien durch eine Betriebsvereinbarung festgelegt. Mitarbeiter könnten bis zu 60 Prozent pro Quartal mobil arbeiten.

„Wir agieren dennoch weiterhin flexibel und passen uns veränderten Rahmenbedingungen an, wenn es für den Konzern und die Beschäftigten sinnvoll ist“, so die Sprecherin. Insgesamt würden rund 80 Prozent der Provinzial-Beschäftigten die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten nutzen.

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