11.3.2021 (€) – Die gesetzliche Krankenversicherung hatte im Jahr 2020 explodierende Ausgaben für Krankenhäuser und Ärzte zu schultern. Trotz deutlicher Rückgänge bei den Patientenzahlen stiegen die Ausgaben auf Rekordhöhe. Für 2021 wird ein Abschmelzen der Finanzreserven um acht Milliarden Euro erwartet. Für 2022 wird dann eine Finanzierungslücke im zweistelligen Milliardenbereich befürchtet.
Der GKV-Spitzenverband hat eine erste Bilanz für das Jahr 2020 gezogen. Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des Verbandes, erklärte am Mittwoch in Berlin, das System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) habe sich in der Krise bewährt und die flächendeckende Versorgung der Menschen sichergestellt.
Sie bezeichnete es als Alarmsignal, dass unabhängig von Sonderzahlungen des Bundes die Ausgaben die Einnahmen um 6,2 Milliarden Euro übertroffen hätten. Dabei ging die Zahl der Behandlungsfälle in den Krankenhäusern im zweistelligen Prozentbereich zurück. Auch die Ärzte hatten weniger Patienten zu versorgen.
Krankenhauseinnahmen stiegen um 14 Prozent auf 91,64 Milliarden Euro
Von der gesetzlichen Krankenversicherung erhielten die Kliniken im vergangenen Jahr 81,5 Milliarden Euro. Hinzu kamen rund 700 Millionen Euro für die Bereitstellung von zusätzlichen Intensivbetten und vom Bund 9,4 Milliarden Euro für sogenannte Freihaltepauschalen, um ausreichend Klinikbetten für Corona-Patienten frei halten zu können.
Gleichzeitig sank die Zahl der Behandlungsfälle um 13 Prozent auf noch 16,8 (Vorjahr: 19,2) Millionen. Positiv wird vermerkt, dass im Jahresdurchschnitt nur rund vier Prozent der Intensivkapazitäten mit Corona-Patienten belegt gewesen seien.
Bei rückläufigen Patientenzahlen (im ersten Halbjahr 2020 rund minus 22 Millionen auf 277,3 Millionen) stiegen die Ausgaben für ärztliche Behandlungen um 7,3 Prozent auf 44,0 Milliarden Euro. Auch hier schlugen pandemiebedingte Mehrausgaben durch.
GKV-Zusatzbeiträge könnten 2021 stabil bleiben
Pfeiffer äußerte sich optimistisch, dass 2021 die Zusatzbeiträge nicht weiter angehoben werden müssen. So müssten die 103 GKV-Anbieter acht Milliarden Euro aus den Finanzreserven an den Gesundheitsfonds abführen. Zudem leiste der Bund einen einmaligen zusätzlichen Zuschuss über fünf Milliarden Euro. „Allerdings bleibt der Pandemieverlauf auch für dieses Jahr die große Unbekannte.“
Sorgen macht sich Pfeiffer über die Finanzentwicklung in 2022, da die eigenen Reserven abgeschmolzen sein dürften und der zusätzliche Bundeszuschuss fehle. Von daher dürfte 2022 eine Finanzierungslücke im zweistelligen Milliardenbereich entstehen, erklärte Pfeiffer.
Leistungs-Einschränkungen sollte dabei ebenso vermieden werden wie Beitragserhöhungen. „Deshalb wäre ein dauerhaft erhöhter Bundeszuschuss der richtige Schritt“, erklärte Pfeiffer.




