Beschäftigte der Versicherungswirtschaft sollen „Tarifvertrag Transformation“ erhalten

27.2.2026 – Die Gewerkschaft Verdi und der Arbeitgeberverband der Versicherer treffen sich im März, um Gespräche über einen zusätzlichen Tarifvertrag aufzunehmen, der den Wandel in der Versicherungsbranche sozial absichert. Die Gewerkschaft will unter anderem einen Anspruch auf Umschulungen für Mitarbeiter durchsetzen, deren Tätigkeiten durch den Einsatz von KI nicht mehr gebraucht werden.

Am 26. März treffen sich Vertreter der Ver.di – Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft und des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV) in München, um über einen „Tarifvertrag Transformation“ zu verhandeln. Das bestätigte Deniz Kuyubasi, die für Verdi an den Gesprächen teilnimmt, dem VersicherungsJournal auf Nachfrage.

Vorbild ist der Haustarifvertrag der Ergo

Die Initiative für diesen Tarifvertrag geht von Verdi aus. Vorbild soll der neue Haustarifvertrag sein, den die Gewerkschaft vergangene Woche mit den Ergo Versicherungen ausgehandelt hat (VersicherungsJournal 19.2.2026). Der Versicherer plant im Rahmen eines Transformationsprogramms, bis 2030 rund 1.000 Stellen in Deutschland abzubauen.

Nach den Verhandlungsergebnissen soll dies bei der Ergo ohne betriebsbedingte Kündigungen, mit einer Standortgarantie sowie mit zusätzlichen Weiterbildungsangeboten erfolgen. So ist die Gründung einer „Reskilling Academy“ geplant, um Mitarbeiter, die durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz nicht mehr gebraucht werden, auf andere Tätigkeiten umzuschulen.

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Ziel: Transformationsprozesse der Versicherer sozial absichern

Deniz Kuyubasi (Bild: Verdi)
Deniz Kuyubasi (Bild: Verdi)

Auf die Frage, warum ein solcher Tarifvertrag notwendig werde, berichtet Kuyubasi: „Die Versicherungsbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Digitalisierung, Umstrukturierungen und neue Geschäftsmodelle verändern Arbeitsabläufe spürbar. Gleichzeitig steigt in vielen Bereichen die Arbeitsverdichtung, während Fachkräftemangel den Druck zusätzlich erhöht.“

Ein zusätzlicher Tarifvertrag sei aus Sicht von Verdi notwendig, „um diesen Wandel aktiv und sozial abzusichern. Wir brauchen klare tarifliche Leitplanken für Beschäftigungssicherung, Qualifizierung und gute Arbeitsbedingungen. Es geht darum, Sicherheit und Perspektiven in einer Transformationsphase zu schaffen – für die Beschäftigten und damit auch für die Zukunftsfähigkeit der Branche“, sagt sie.

Neben dem vermehrten Einsatz von künstlicher Intelligenz und automatisierten Prozessen könnten auch Fusionen unter Versicherern dazu beitragen, dass der Mitarbeiterbedarf zunächst sinkt. Laut einer Umfrage der Versicherungsforen Leipzig GmbH erwarten 82,5 Prozent der Versicherungsentscheider eine zunehmende Marktkonsolidierung unter den Versicherern (25.2.2026).

Verdi-Forderungen sollen durch Mitgliederbefragung ermittelt werden

Nach den Forderungen von Verdi in den Verhandlungen gefragt, sagt Kuyubasi: „Wir werden Regelungen zur Beschäftigungssicherung, zur spürbaren Senkung der Arbeitsbelastung sowie ein tarifvertraglich abgesichertes Recht auf Qualifizierung für alle Beschäftigten fordern.“

Die konkreten Forderungen seien derzeit jedoch noch nicht abschließend festgelegt. „Wir führen aktuell eine umfassende Beschäftigtenbefragung durch. Dabei stellen wir Fragen wie: Was bedeutet die Transformation ganz konkret für euch? Was verändert sich in eurem Arbeitsalltag? Wo seht ihr Chancen – und wo die Risiken?“, sagt die Gewerkschafterin.

Die Rückmeldungen der Kollegen sollen die Grundlage für die endgültige Forderungsaufstellung sein. „Unser Anspruch ist es, einen Tarifvertrag zu verhandeln, der die realen Herausforderungen in den Betrieben aufgreift und verbindliche Lösungen schafft“, so Kuyubasi.

AGV signalisiert Gesprächsbereitschaft

Der Arbeitgeberverband der Versicherer habe Gesprächsbereitschaft signalisiert, berichtet Kuyubasi weiter. Die Gespräche im Vorfeld seien konstruktiv verlaufen. „Das ist ein wichtiges Zeichen und positiv zu sehen. Eine verbindliche Zusage für einen zusätzlichen Tarifvertrag liegt jedoch bislang nicht vor.“

Nun werde sich am Verhandlungstisch zeigen, ob die Arbeitgeberseite bereit sei, die strukturellen Veränderungen der Branche auch tariflich zu gestalten. Der Zeitpunkt für eine Einigung sei offen und hänge von der Ernsthaftigkeit und dem Tempo der Gespräche ab. „Wenn lösungsorientiert verhandelt wird, kann ein Abschluss zeitnah erreicht werden“, so Kuyubasi.

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Digitalisierung · Marktforschung · Mitarbeiter · Tarifvertrag
 
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