7.10.2026 – Die Versicherer setzen bei der altersgerechten Gestaltung der Arbeitsplätze in der Regel nicht auf spezielle Maßnahmen für ältere Beschäftigte, sondern betonen eine generationenübergreifende Gestaltung der Arbeitsbedingungen, so zeigt eine Umfrage des VersicherungsJournals. Auch bei der Weiterbildung machen sie nach eigenen Angaben keinen Unterschied nach dem Alter: Ältere Beschäftigte werden unabhängig davon qualifiziert, wie lange sie noch im Unternehmen bleiben.
Das VersicherungsJournal hat mehrere Versicherer unterschiedlicher Größe danach befragt, wie hoch der Anteil der Beschäftigten ab 55 Jahren ist, ob sie ein Interesse daran haben, diese Beschäftigten möglichst lange im Unternehmen zu halten, wie ihre Arbeitsplätze altersgerecht gestaltet werden und ob sie auch bei Weiterbildungen berücksichtigt werden, etwa zu Themen wie künstlicher Intelligenz.
Anlass waren Empfehlungen der Alterssicherungskommission (ASK), die in ihrem Abschlussbericht (PDF, 1,06 MB) auf die Verantwortung der Arbeitgeber hinwies, in Zeiten des Fachkräftemangels und einer alternden Bevölkerung „die Beschäftigungsmöglichkeiten älterer Arbeitnehmender zu verbessern und die Arbeitsbedingungen altersgerecht auszugestalten“ (VersicherungsJournal 20.8.2026).
Die Fragen beantwortet haben hierbei folgende Versicherer:
- Allianz Deutschland AG,
- die Haftpflichtkasse VVaG (HKD),
- Huk-Coburg-Gruppe,
- Nürnberger Versicherungsgruppe,
- Provinzial Holding AG und
- R+V Versicherung AG.
Anteil älterer Beschäftigter bei Versicherern hat zugenommen
Nach Zahlen des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland e.V. (AGV) ist der Anteil älterer Beschäftigter bei den Versicherern deutlich gestiegen. 2025 waren im Innendienst 28,8 Prozent und im Außendienst 28,3 Prozent mindestens 55 Jahre alt. Binnen zehn Jahren erhöhte sich der Anteil damit im Innendienst um 11,2 und im Außendienst um 8,3 Prozentpunkte.
Die befragten Versicherer haben gegenüber dem VersicherungsJournal bestätigt, ältere Beschäftigte möglichst lange im Unternehmen halten zu wollen (1.10.2026). Dabei verweisen sie auch auf deren Erfahrungswissen und den Wissenstransfer zwischen den Generationen. Fast alle Befragten haben spezielle Mentoring-Programme eingerichtet, in die bei Allianz und R+V auch Vorstände eingebunden sind.
Sind Arbeitsplätze altersgerecht gestaltet?
Hinsichtlich der Frage, ob die Arbeitsplätze so gestaltet sind, dass sie auch den Anforderungen älterer Beschäftigter gerecht werden, ist ein Muster zu erkennen. In der Regel haben die Versicherer keine spezifischen Angebote speziell für ältere Beschäftigte etabliert, sondern verweisen darauf, dass die entsprechenden Maßnahmen allen Beschäftigten unabhängig vom Alter offenstehen.
Die Allianz verweist auf „ein ganzes Set an unterstützenden Rahmenbedingungen“, das den Beschäftigten in allen Lebensphasen eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen soll. Dazu zählen unter anderem Gleitzeit, individuelle Teilzeitmodelle, mobiles Arbeiten und Zeitwertkonten.
Letztere könnten auch für einen vorzeitigen Rentenbeginn oder eine längere berufliche Auszeit genutzt werden. Auch Job-Tandems, bei denen sich zwei Beschäftigte eine Stelle und deren Aufgaben teilen, sowie die Möglichkeit, bis zu 25 Tage im Jahr aus dem Ausland mobil zu arbeiten, gehören zum Angebot.
Hinzu kommen Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, etwa Sportangebote, Gesundheitsvorsorge sowie Yoga- und Achtsamkeitstrainings. Alle Beschäftigten haben zudem eine betriebliche Krankenversicherung.
Wir setzen auf inklusive Konzepte und Arbeitsbedingungen, die der Belegschaft in allen Lebens- und Altersphasen zugutekommen.
Haftpflichtkasse Darmstadt
Altersteilzeitmodelle und mobiles Arbeiten fest etabliert
Ähnlich positionieren sich auch die anderen Versicherer. Eine Sprecherin der Nürnberger teilt mit: „Für ältere Beschäftigte gelten dieselben Regelungen und Möglichkeiten zur flexiblen Arbeitsgestaltung wie für die übrige Belegschaft. Spezielle Angebote ausschließlich für bestimmte Altersgruppen bestehen nicht.“
Grundsätzlich seien Arbeitsplätze und Arbeitsumgebungen so gestaltet, dass sie barrierefreies und inklusives Arbeiten unterstützten und den Bedürfnissen aller Beschäftigten gerecht würden. Dazu gehörten unter anderem Teilzeitmodelle und mobiles Arbeiten.
Die Haftpflichtkasse teilt mit, dass sie derzeit gemeinsam mit dem Betriebsrat die Betriebsvereinbarung zum „mobilen Arbeiten“ überarbeite, „um die Regelungen für Arbeitsorte und Erreichbarkeiten weiter zu verbessern und an die organisatorischen Rahmenbedingungen anzupassen“.
„Statt vereinzelter und stark altersspezifischer Sondermaßnahmen setzen wir auf inklusive Konzepte und Arbeitsbedingungen, die der Belegschaft in allen Lebens- und Altersphasen zugutekommen“, so eine Sprecherin der HKD. Zusätzlich biete man Altersteilzeitmodelle und Modelle für einen gleitenden Übergang in den Ruhestand an. Diese würden von den Beschäftigten allerdings kaum nachgefragt.
Auch die Huk setzt bei altersgerechter Arbeit auf Maßnahmen, die allen Beschäftigten zugutekommen. Dazu gehörten eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements, die Möglichkeit zur Anpassung von Aufgaben sowie flexible Arbeitszeit- und Arbeitsortmodelle. Ältere Beschäftigte profitierten davon „in besonderem Maße“, so der Versicherer.
R+V bietet Beratung zu Altersteilzeit und Ruhestandsplanung
Bei der R+V steht das generationenübergreifende Miteinander nach eigenen Angaben für ein genossenschaftliches Selbstverständnis. Von flexiblen Arbeitszeitmodellen und Angeboten zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege profitierten Mitarbeitende aller Altersgruppen.
Darüber hinaus gebe es Angebote für unterschiedliche Lebenssituationen, darunter eine Beratung zur Ruhestandsplanung sowie zu Möglichkeiten der Weiterbeschäftigung nach dem Renteneintritt. Die R+V ist damit der einzige der antwortenden Versicherer, der eine solche Beratung zur Ruhestandsplanung ausdrücklich nennt.
Spezielles Konzept für Arbeit jenseits der Regelaltersgrenze
Bei der Provinzial richten sich die Möglichkeiten nach eigenen Angaben jeweils nach der konkreten Aufgabe und der individuellen Situation. Möglich seien beispielsweise Anpassungen von Arbeitszeit und Arbeitslage, eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, temporäre Aufgabenwechsel oder längere Einarbeitungszeiten bei neuen Systemen.
Ziel sei es, Belastungen zu reduzieren, die Gesundheit zu schützen und Erfahrungswissen langfristig zu sichern. „Die konkrete Ausgestaltung wird individuell zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Führungskraft vereinbart und berücksichtigt zugleich die Anforderungen der jeweiligen Aufgabe und des Teams“, so ein Provinzial-Sprecher.
Als einziger Versicherer berichtet die Provinzial, dass sie zudem ein spezielles Konzept entwickelt habe, um auch Beschäftigte jenseits der Regelaltersgrenze im Unternehmen zu halten.
Die Weiterbildungsangebote (…) orientieren sich an den jeweiligen Aufgaben und Entwicklungsbedarfen, nicht am Alter.
Nürnberger Versicherung
Alle befragten Versicherer bilden ältere Beschäftigte weiter
Auch bei der Weiterbildung älterer Beschäftigter zeigt sich ein weitgehend einheitliches Bild: Die befragten Versicherer sehen keinen Grund, ältere Mitarbeiter von Qualifizierungsangeboten auszunehmen – auch dann nicht, wenn ihr Ausscheiden aus dem Unternehmen absehbar ist.
Vielmehr betonen sie, dass Weiterbildung unabhängig vom Alter möglich und angesichts des technologischen Wandels notwendig sei.
Die Allianz-Sprecherin berichtet: „Unsere Allianz-Mitarbeitenden werden gezielt weitergebildet, um den sich verändernden Anforderungen im Arbeitsleben kompetent zu begegnen. Wir stellen unseren Mitarbeitenden 43 Lernstunden pro Jahr zur Verfügung.“
Aktuell liefen bei den Münchenern insbesondere Programme zu Datenkompetenz und künstlicher Intelligenz. „Allein im Jahr 2025 haben Allianz-Beschäftigte im Durchschnitt 65 Lernstunden absolviert – mit einem klaren Fokus auf die oben genannten Themen“, so die Sprecherin.
Haftpflichtkasse hat KI-Enablement-Team integriert
Die Haftpflichtkasse antwortet ähnlich, betont aber zusätzlich, dass durch schrittweise und individuelle Qualifizierungsmaßnahmen unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt und Überforderung vermieden werden sollen. Seit Anfang des Jahres gebe es zudem ein KI-Enablement-Team, das die Fachbereiche insbesondere bei Anwendungen begleite, die eng in den Arbeitsalltag integriert seien.
Auch die Nürnberger verweist auf umfassende Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote, darunter zum Einsatz künstlicher Intelligenz. „Diese Angebote stehen grundsätzlich allen Beschäftigten offen. Die Teilnahme orientiert sich an den jeweiligen Aufgaben und Entwicklungsbedarfen, nicht am Alter“, so die Sprecherin.
R+V setzt auf KI-Schwerpunkt
Die R+V setzt bei der Weiterbildung einen besonderen Schwerpunkt auf künstliche Intelligenz. Ein unternehmensinternes GPT-Tool werde von einem Großteil der Mitarbeitenden regelmäßig genutzt. Zudem informiere eine eigene KI-Speaker-Serie mit externen und internen Referenten über Möglichkeiten und Grenzen der Technologie.




