5.3.2026 – Die Lebensversicherer sind „stabil“. Sie müssen sich aber immer mehr der Konkurrenz von Banken und Neobrokern stellen. Dafür müssen die Produkte noch flexibler werden. So das Ergebnis einer Studie von Assekurata.
Die lebenslange Rente spielt nach Einschätzung der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH für den Vertrieb von Lebensversicherungen künftig eine zentrale Bedeutung. „Studien zeigen immer wieder, dass Verbraucher eine vermeintlich höhere Zeitrente wählen, wenn sie sich zwischen dieser Variante und einer Leibrente entscheiden sollen.“
Das sagte Geschäftsführer Dr. Reiner Will bei der Vorstellung der „Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2026“ der Lebensversicherer.
Kunden unterschätzen ihre Lebenserwartung

- Reiner Will (Bild: Schmidt-Kasparek)
In der Regel würde die Kundschaft aber die eigene Lebenserwartung deutlich unterschätzen. „Das Phänomen, dass die Leibrente nicht gewählt wird, kann die Branche nur mit Aufklärung und Beratung ändern“, so Will. Dabei verwies er darauf, dass Beratung natürlich nicht umsonst sei.
Zwar diagnostizieren die Analysten der deutschen Lebensversicherungen derzeit eine „stabile“ Verfassung. Gleichzeitig befinde sich die Branche aber an einem Scheideweg. So haben traditionelle Lebensversicherungen ausgedient.
Gefordert würden – auch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) – renditeorientierte Anlageformen, die einen ausreichenden „Kundennutzen“ liefern.
Mit Blick auf die ab 2027 startende neue geförderte Altersvorsorge, die sogenannte „Klingbeil-Rente“, müssten sich die Lebensversicherer dem Wettbewerb von Banken und Neobrokern stellen.
Flexiblere Produkte gefordert

- Lars Heermann (Bild: Schmidt-Kasparek)
„Dafür bedarf es flexibler Produkte, die junge Menschen erreichen“, forderte Lars Heermann, bei Assekurata Bereichsleiter für Analyse und Bewertung. Die Produkte müssten zudem über digitale Plattformen abschließbar sein.
Erste Innovationen gibt es bereits auf dem Markt. So bieten die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G., Continentale Lebensversicherung AG, Neue Leben Lebensversicherung AG, Signal Iduna Lebensversicherung a.G. und Swiss Life Lebensversicherung SE Fondspolicen an, bei denen ein Teil des angesparten Vermögens in der Phase des Rentenbezugs weiterhin am Kapitalmarkt investiert ist und so höhere Renditechancen bietet.
„Problematisch ist, dass steuerlich noch hohe Auflagen bestehen. So darf die Rente nicht sinken“, erläuterte Heermann. Das würde die Renditemöglichkeiten der Anlage deutlich schmälern und sollte reformiert werden.
Kaum noch klassische Lebensversicherungen im Angebot
An der Assekurata-Marktstudie nahmen 37 Lebensversicherer mit einem Marktanteil von 64 Prozent teil.
Nur noch 11 Assekuranzen bieten eine klassische Lebensversicherung an. Demgegenüber weist die Studie 19 Lebensversicherer aus, die Policen mit eingeschränkten Garantien, die „Neue Klassik“, anbieten.
Hier schaffen es immerhin 16 Anbieter, die aktuelle Inflationsrate von 2,2 Prozent mit ihrer Rendite nach Kosten zu schlagen. Damit erreichen sie den von der Bafin geforderten „Kundennutzen“.
| Versicherer | prognostizierte Rendite nach Kosten |
|---|---|
| Quelle: Assekurata-Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2026. | |
| 3,49% | |
| 3,12% | |
| 3,08% | |
| 2,96% | |
| Neue Leben | 2,92% |
| 2,92% | |
| 2,81% | |
| 2,79% | |
| 2,77% | |
| 2,74% | |
| Continentale | 2,74% |
| 2,71% | |
| 2,64% | |
| 2,49% | |
| 2,39% | |
| 2,31% | |
| 1,95% | |
| Alte Leipziger | 1,76% |
| 1,47% | |
Teilweise hohe Beitragsrendite
Die Spanne der effektiven Beitragsrendite reicht von 1,47 bis 3,49 Prozent. Attraktiv sind Lebensversicherungen derzeit auch, wenn es um Sofortrenten gegen Einmalbeitrag geht. Sie bieten damit Banken mit Tagesgeldangeboten Paroli. Heermann: „Während die Banken im Schnitt derzeit eine Verzinsung von 1,76 Prozent für Tagesgeld bieten, liegt laut unserer Studie die laufende Verzinsung bei Sofortrenten bei 2,81 Prozent.“
Das Einmalbeitragsgeschäft könnte aber die Strukturprobleme der Lebensversicherer nicht lösen, betonte Heermann. Die Branche müsste wieder mehr Versicherungen gegen laufenden Beitrag verkaufen. Insgesamt verlieren die Lebensversicherer am Markt, weil sie mehr Verträge auszahlen, als sie neu abschließen.
Fondspolicen: Große Unterschiede bei garantierten Rentenfaktoren
Die Lebensversicherer setzen künftig vor allem auf Fondspolicen. Hier gibt es eine positive Geschäftserwartung, wie die aktuelle Assekurata-Umfrage ergab. So bewerteten die Lebensversicherer die Geschäftserwartung für 2026 bei Fondspolicen ohne Garantien mit einem Index-Wert von plus 1,30.
Die Spanne der Index-Werte reicht von minus zwei („sehr negativ“) bis plus zwei („sehr positiv“). Noch „positiv“ schneiden mit einem Wert von 0,67 Fondspolicen mit Garantien ab, während klassische Lebensversicherungen mit 1,07 deutlich negativ sind und Angebote der Neuen Klassik (0,30) einen leichten negativen Trend haben.
Große Unterschiede am Markt gibt es hinsichtlich des garantierten Faktors von Fondspolicen, der die Umrechnung des angesparten Vermögens in eine lebenslange Rente bestimmt.
Während beispielsweise die Inter nur einen garantierten Rentenfaktor von 18,82 je 10.000 Euro Vertragsguthaben bietet, liegt der Faktor in der Spitze bei 28,15 (Europa) oder 28,06 (Continentale). Auch Marktführer Allianz schneidet hier mit einem Faktor von 21,68 eher schlecht ab, denn der durchschnittliche garantierte Rentenfaktor liegt laut Assekurata im Markt bei 24,31.
Große Auswahl bei Investments
Laut Assekurata bieten die untersuchten Fondspolicen eine höhere Flexibilität hinsichtlich der Investmentauswahl. Im Schnitt können 113 verschiedene Fonds gewählt werden. Im Vorjahr lag diese Zahl noch bei 91. Zudem ist die Zahl der angebotenen ETFs von 29 auf 38 gestiegen. Und auch die Auswahl von nachhaltigen Fonds hat sich um einen auf nun acht Angebote erhöht.
„Die Kundinnen und Kunden wählen immer öfter ETFs“, stellte Heermann fest. Vor allem „breite, weltweite“ Fonds wie der „MSCI World“ lägen bei Fondspolicen im Trend.
Die Lebensversicherer bauen ihre stillen Lasten ab
Im bilanziellen Hintergrund setzt sich der Abbau der sogenannten Zinszusatzreserve (ZZR) fort. Der ZZR-Bestand sei Ende 2025 branchenweit unter die Grenze von 80 Milliarden Euro gefallen und rangiere damit bereits spürbar unter dem Höchststand von 96 Milliarden Euro im Jahr 2021.
Für das laufende Bilanzjahr rechnet Assekurata mit weiteren Rückflüssen von rund fünf Milliarden Euro, ab 2027 dann sogar mit zweistelligen Milliardenbeträgen. „Die Zinszusatzreserve hat ihren Charakter als Belastungsfaktor verloren und wird zunehmend zum Erfolgspuffer“, erklärte Lars Heermann. „Dies eröffnet den Unternehmen Spielraum für höhere Überschüsse, wovon mittelfristig auch die Kunden profitieren werden.“
Die Spielräume würden aber bisher kaum weitergegeben. Die meisten Versicherer hätten ihre Überschüsse an die Kundinnen und Kunden nicht erhöht, weil sie auch im Einvernehmen mit der Bafin vorab ihre stillen Lasten abbauen wollen.




