Riester-Rente erneut im Kreuzfeuer der Verbraucherschützer

15.3.2013 (€) – Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert Riester-Rentenversicherungen wegen zu hoher Kosten. Stattdessen wirbt sie für Banksparpläne und Honorarberatung. Die Branche verteidigt das Provisionssystem – und gibt zu bedenken, dass auch Sparpläne Geld kosten.

Die Riester-Rentenversicherung steht seit einiger Zeit heftig in der Kritik. Nachdem unter anderem das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e.V. bereits schlechte Renditen, hohe Gebühren und intransparente Kalkulationsgrundlagen moniert hatte (VersicherungsJournal 24.11.2011), legt die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) nach. Anlässlich des heutigen Weltverbrauchertags 2013 rät sie eindringlich von Riester-Rentenpolicen ab – und wirbt stattdessen für Riester-Banksparpläne.

Screenshot VZHH Riester-Kritik
Zum Vergrößern Bild klicken (Quelle: Vzhh.de)

Viele Kunden mit Riester-Rentenversicherungen müssen laut Verbraucherzentrale anhand ihrer jährlichen Standmitteilung feststellen, dass ihr Kapital nicht wächst, sondern allenfalls stagniert. Schuld sind nach Ansicht der Verbraucherzentrale die hohen Kosten der Versicherungsverträge.

Die VZHH präsentierte dazu mehrere Beispielfälle von Versicherten, die sich an die Organisation gewandt hatten. So habe eine Kundin, die neun Jahre lang insgesamt 13.147,92 Euro in einem Vertrag der Ergo Lebensversicherung AG eingezahlt habe, nur einen mitgeteilten Stand von 11.906,39 Euro. Um eines Tages ins Plus zu kommen, müsste der Versicherer der Frau ab sofort jedes Jahr eine Rendite von vier Prozent gutschreiben, so die Verbraucherzentrale.

Verwaltungskosten übersteigen Zulagen

Eine andere Kundin, die seit 2001 einen Riester-Vertrag bei der Allianz Lebensversicherungs-AG hat, habe in den Informationen zur Wertentwicklung entdeckt, dass die einbehaltenen Verwaltungskosten von 154,48 Euro die erhaltenen staatlichen Zulagen von 154 Euro übersteigen.

Ein weiteres Beispiel betrifft einen Kunden der Ergo-Tochter Victoria Lebensversicherung AG, die inzwischen kein Neugeschäft mehr annimmt. Der Versicherte habe im zehnten Jahr seines Riester-Vertrags 338,66 Euro an Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten zahlen müssen, so die Verbraucherzentrale.

Viele Kunden würden nach solchen Erfahrungen nichts mehr von Riester wissen wollen. „Ein Riester-Vertrag ist aber eine gute Altersvorsorge – wenn man ihn nicht bei einer Versicherung abschließt“, so Günter Hörmann, Geschäftsführer der VZHH. Er empfiehlt stattdessen den Abschluss eines Riester-Sparplans bei einer Bank oder Sparkasse.

Riestern lohnt sich also doch – wenn man es richtig macht: Versicherer vermeiden, auf Kosten achten und vor Abschluss unabhängigen Rat einholen.

Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg

Die Kosten dieser Riester-Lösung liegen nach Angabe der VZHH fast bei Null. Die Zinsen seien zwar nicht beeindruckend, doch die staatlichen Zulagen sorgten für kräftigen Zuwachs. „Riestern lohnt sich also doch – wenn man es richtig macht: Versicherer vermeiden, auf Kosten achten und vor Abschluss unabhängigen Rat einholen“, so Hörmann.

Hamburgs Verbraucherschutz-Senatorin plädiert für Honorarberatung…

Zum Thema Beratung zitierte die Verbraucherzentrale in ihrer Pressemitteilung auch Hamburgs Verbraucherschutz-Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks, die sich für eine Stärkung der Honorarberatung ausspricht. „Wir müssen dahin kommen, dass Verbraucherinnen und Verbrauchern, die sich über Finanzprodukte beraten lassen, das für sie am besten geeignete Produkt empfohlen wird und nicht das, bei dem der Vermittler die höchste Provision einstreichen kann“, sagte sie.

Auch die Verbraucherzentralen selbst bieten Honorarberatung an. Das Beratungsangebot hatte der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) wiederholt kritisiert, unter anderem wegen Zweifeln an der Qualität (VersicherungsJournal 10.5.2010, 16.11.2010).

… und der GDV für den Erhalt des Provisionssystems

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. betonte, dass sich der Versicherungsvertrieb auf Provisionsbasis bewährt habe. „Er hat eine weitflächige Versorgung der Menschen mit Versicherungsschutz sichergestellt“, erklärte der für die Lebensversicherung zuständige GDV-Sprecher Hasso Suliak gegenüber dem VersicherungsJournal.

Durch die aktive Ansprache und das Bewusstmachen von Lücken in der privaten Altersvorsorge habe die Versicherungswirtschaft die Kunden in den vergangenen Jahren für die Notwendigkeit einer zusätzlichen privaten Absicherung sensibilisieren können. „Honorarberatung ausschließlich kann diesen Anspruch nicht erfüllen, weil sie vor allem auf Eigeninitiative des Kunden setzt“, so Suliak.

Auch einen Kostenvorteil von Banksparplänen gegenüber Versicherungen mag er nicht erkennen. „Dieser vermeintliche Vorzug des Banksparplans gegenüber Riester-Versicherungsprodukten wird seitens der VZHH recht gerne behauptet“, sagte er. Kostenfreie Verträge gebe es aber nicht.

Auch ein scheinbar kostenfreier Riester-Banksparplan verursacht Kosten, die in dem Zinsabschlag gegenüber dem langfristigen Kapitalmarktzins versteckt sind.

Hasso Suliak, Sprecher Lebensversicherung des GDV

„Auch ein scheinbar kostenfreier Riester-Banksparplan verursacht Kosten, die in dem Zinsabschlag gegenüber dem langfristigen Kapitalmarktzins versteckt sind“, erklärte er. Ein Zinsabschlag von einem Prozent ergebe über eine Laufzeit von 32 Jahren einen Kostenanteil von etwa 17 Prozent.

Ergo: Auch Banksparplan verursacht Kosten

Die Ergo argumentiert ähnlich. „Auch ein scheinbar kostenfreier Riester-Banksparplan verursacht Kosten, die in dem Zinsabschlag gegenüber dem langfristigen Kapitalmarktzins versteckt sind“, so Sprecherin Petra Wahedi.

Die von der VZHH angeführten Beispielfälle habe Ergo noch nicht prüfen können. „Allgemein lässt sich aber sagen, dass sich die Riester-Rente für die Allermeisten so gut wie keine andere Vorsorge rechnet“, sagte die Sprecherin.

Dazu habe auch der GDV Berechnungen für typische Muster-Biografien vorgelegt (VersicherungsJournal 7.12.2011). „Diese belegen, dass für Geringverdiener und Familien die Riester-Rente eine besonders rentable Altersvorsorge ist“, so Wahedi. „Aber auch für durchschnittlich verdienende Singles bietet die Riester-Rente eine interessante Altersvorsorge.“

Allianz: Auf die Rendite nach Kosten kommt es an

Auch die Allianz gibt sich angesichts der Kritik gelassen. „Diese Angriffe auf die Riester-Rente sind alt und werden auch durch Wiederholungen nicht richtiger“, sagte Sprecherin Katrin Wahl. Unabhängige Experten wie das Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) hätten die Rentabilität der Riester-Rente nachgewiesen (VersicherungsJournal 16.5.2012). „Es sollte vermieden werden, die Riester-Sparer weiter zu verunsichern“, so Wahl.

Insbesondere der Vorwurf, dass bei der Riester-Rente die Förderung durch zu hohe Kosten aufgefressen werde, stimme nicht. „Wir legen bei der Riester-Rente den gleichen Kostenansatz wie bei unseren anderen Produkten, zum Beispiel der Basis-Rente oder der ungeförderten Privat-Rente, zu Grunde“, erklärte sie.

Entscheidend für Kunden sei die sich über die Gesamtlaufzeit ergebende Wertentwicklung nach Abzug aller Kosten. Diese liege bei einem durchschnittlichen Riester-Vertrag, der dreißig Jahre läuft, bei rund 3,3 Prozent pro Jahr auf das gebildete Kapital.

„Für den Kunden ist nicht die absolute Höhe der Kosten entscheidend, sondern die Rendite nach Kosten“, erklärte Wahl. „Und diese ist bei Allianz Leben im Vergleich zu einem Riester-Sparplan einer Bank deutlich höher.“

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