Bafin übt deutliche Kritik an Risikoberichten der Versicherer

22.9.2017 – Bei den neuen Risikoberichten Orsa (Own Risk and Solvency Assessment) müssen die Versicherer besser werden. Im aktuellen Bafin-Journal listet die Aufsicht die Mängel am bisherigen Risikomanagement auf. Klappt dies nicht, droht eine Vorschrift.

WERBUNG

Zu alte Daten, zu wenig Hintergrundinformation und Erklärung sowie keine Mitwirkung der Chefs – so lässt sich im Wesentlichen die Kritik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) an den Orsa-Berichten (Own Risk and Solvency Assessment) auf den Punkt bringen. Die Aufsicht will „künftig verstärkt darauf achten, dass die Berichterstattung angemessen und adressatengerecht erfolgt“.

Dies teilt die Aufsicht im aktuellen Bafin-Journal 9/2017 (PDF, 1 MB) mit. Werden die Berichte qualitativ nicht besser, will sie „unternehmensindividuell Nachbesserungen verlangen“ – und künftig ihre „Anforderungen gegebenenfalls konkretisieren“.

Mehr Infos als bei SCR-Bericht

Mit dem neuen Aufsichtsregime Solvency II wurden die Orsa-Berichte Pflicht (§ 27 VAG). Sie sind Teil des Risikomanagements. In regelmäßigen Abständen sowie bei wesentlichen Änderungen müssen die Versicherer einen „Orsa-Prozess“ durchführen und der Aufsicht darüber Bericht erstatten.

Im Wesentlichen geht es dabei um aktuelle und künftige Risiken des Unternehmens und den daraus resultierenden Kapitalbedarf. Die Versicherer sollen ihr Risiko- und ihr Kapitalmanagement „angemessen ausgestalten und miteinander verzahnen“. Das soll sicherstellen, dass auch bei geänderter Risikolage das Kapital stets den aufsichtsrechtlichen Anforderungen entspricht.

Um dies beurteilen zu können, benötige die Aufsicht im „Orsa-Bericht detaillierte Informationen, die über die quantitativen und qualitativen Informationen der übrigen Solvency-II-Berichterstattung (SCR-Berichte) hinausgehen“.

Im Vorfeld zu Solvency ll waren bereits abgespeckte Orsa-Varianten von den Unternehmen eingefordert worden, so dass die Aufsicht von den meisten Versicherern inzwischen zwei oder sogar drei Orsa-Berichte hat.

Erste Besserung und viele Schwachstellen

Die Orsa-Berichterstattung sei „insgesamt auf einem guten Weg“, lobt die Aufsicht. Viele Versicherer beschäftigten sich mit ihren wesentlichen Risiken – beispielsweise den Markt- und Ausfallrisiken sowie den Versicherungs-technischen Risiken – „intensiv und sehr granular“.

Auch die Beurteilung operationeller Risiken habe sich gegenüber den ersten Berichten verbessert. Bei der Analyse der Berichte sei aber auch eine „Reihe von Schwachstellen“ zutage getreten. So enthielten die meisten Berichte „nicht alle wesentlichen qualitativen und quantitativen Ergebnisse des Orsa“.

Für die Aufsicht seien präsentierte Zahlen und Schlussfolgerungen teilweise nicht nachvollziehbar, weil die Annahmen, Methoden, Berechnungen und Beweggründe, auf denen sie basieren, nicht angegeben würden und sich auch nicht aus anderen Quellen erschlössen.

Hier erwartet die Bafin „deutlich mehr“ Hintergrundinformationen. Auch bei der Ermittlung des aktuellen Gesamt-Solvabilitätsbedarfs, den Zukunftsprojektionen der Eigenmittel und den Stresstests vermisst die Aufsicht Informationen, mit denen sie die Rechnungen und Einschätzungen der Unternehmen nachvollziehen kann.

Alte Daten

„Erheblich“ sorgen sich die Aufseher um die Aktualität der verwendeten Daten. Viele griffen auf die Jahresabschlussdaten des vergangenen Geschäftsjahres zurück, obwohl der Orsa erst gegen Ende des dritten oder gar erst im vierten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres durchgeführt werde.

„Ein Orsa, der auf alten Daten basiert, ist jedoch als Grundlage für strategische Entscheidungen, beispielsweise für das Risiko- und Kapitalmanagement, nicht geeignet“, so die Aufsicht. Es werde überlegt, ob Anforderungen aufgestellt werden sollen, wie alt die verwendeten Daten sein dürfen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Solvabilität · Versicherungsaufsicht · Versicherungsaufsichtsgesetz
 
WERBUNG
WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

WERBUNG
WERBUNG
Keine Angst vorm Zahnarzt!

Fondsverkauf einfach gemacht

Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich auf eine Zielgruppe zu spezialisieren?

Welche Vorteile eine Spezialisierung besonders in Bezug auf Zahnärzte bietet, erfahren Sie hier.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
10.7.2017 – Der aktuelle Map-Report gibt Aufschluss über die Höhe der neuen Solvenz-Bedeckungsquoten. Wie sich die Marktgrößen in der privaten Krankenversicherung geschlagen haben. (Bild: Wichert) mehr ...
 
29.6.2017 – Das neue Aufsichtsregime Solvency ll macht den Vergleich von Versicherern nicht einfacher. Welche Schlüsse Vermittler aus den neuen Solvenzquoten ziehen können, berichtet Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages im Interview. (Bild: Pieloth) mehr ...
 
12.6.2017 – Die Bafin hat eine erste Übersicht zu den Solvency-ll-Quoten vorgelegt: Die Eigenkapitaldecke sieht für die Lebensversicherer nur auf den ersten Blick ausreichend aus. Ohne Übergangsmaßnahmen reißt ein Viertel zum Stichtag die Hürde. mehr ...
 
1.2.2017 – Die Belastungen aus der Zinszusatzreserve steigen. Eine Reihe von Versicherern nutzt einer Studie der Assekurata zufolge bereits bilanzielle Erleichterungen zur Finanzierung. (Bild: Lier) mehr ...
 
1.9.2016 – Bei den Lebensversicherern kaum Neues: Es muss gespart werden, so der Tenor auf einer Fachtagung. Großes Potenzial haben die Abschlusskosten. Dort geht zudem nicht alles im LVRG-Sinne zu. (Bild: Lier) mehr ...
 
2.8.2016 – Warum die Bafin nicht sagt, welche drei Versicherer nicht die erforderliche Finanzstärke nach Solvency II nachweisen konnten und welche Konsequenzen Kunden, Vermittler und Vergleicher daraus ziehen sollten. (Bild: Harjes) mehr ...
 
24.11.2015 – Das neue Eigenkapitalregime Solvency II legt nicht allein für die Versicherer die Hürden höher. Künftig bessere Informationen muss sich auch der Vermittler zu Eigen machen, meint Rechtsanwalt Thomas Leithoff. (Bild: Lier) mehr ...