Grüne warnen vor „prekärem Altersübergang“

11.4.2018 – Die Grünen haben in einer Kleinen Anfrage nach Schwierigkeiten beim Übergang in den Ruhestand in Zusammenhang mit der Rente mit 67 gefragt. Ihr Rentenexperte Markus Kurth zog aus der Analyse den Schluss, dass verschiedene Gruppen – vor allem Frauen – Probleme mit der Anhebung der Regelaltersgrenze haben. Darüber könne nicht hinwegtäuschen, dass die Zahl der Sozialversicherungs-pflichtigen Beschäftigten im Alter derzeit zunimmt. Laut Bundesregierung waren Mitte 2017 rund sechs Millionen Personen zwischen 55 bis einschließlich 65 Jahren Sozialversicherungs-pflichtig beschäftigt.

WERBUNG
Kennen Sie Ihren Marktwert?
Mit einem Stellengesuch in unserem Anzeigenmarkt finden Sie ihn heraus.
Kostenlos und unter Chiffre...

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat in einer Kleinen Anfrage (Bundestagsdrucksache 19/1251) an die Bundesregierung versucht, Probleme beim Übergang in den Ruhestand aufzudecken, die dadurch entstehen, dass Jahr für Jahr die Rente mit 67 Jahren ein Stück weit näherkommt.

Eine Antwort lieferte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Anette Kramme (SPD), unter Berufung auf Daten der Bundesagentur für Arbeit. Sie schreibt, in der Altersgruppe der 55- bis einschließlich 65-Jährigen habe der Anteil der Sozialversicherungs-pflichtig Vollzeitbeschäftigten an allen Beschäftigten im selben Alter bei 69 Prozent gelegen.

31 Prozent seien in Teilzeit beschäftigt gewesen. In dieser Altersgruppe seien Mitte 2017 knapp 1,5 Millionen Personen geringfügig beschäftigt und zudem 529.000 Personen arbeitslos gemeldet gewesen.

Hohe Werte für die Rente mit Abschlägen

Probleme beim Übergang in die Rente zeigen die vergleichsweise hohen Werte für die Rente mit Abschlägen. Beim Rentenzugang 2016 nahmen 21,5 Prozent der Männer in Westdeutschland Abschläge in Kauf.

Durchschnittlich errechneten sich 25,42 Abschlagsmonate, wobei jeder Monat die Rente um 0,3 Prozent kürzt. Die größten Einbußen mussten danach Frauen in den neuen Bundesländern hinnehmen. Betroffen waren 42,2 Prozent der Frauen mit durchschnittlich 27,79 Abschlagsmonaten.

Die noch unveröffentlichte Antwort der Bundesregierung liegt dem VersicherungsJournal ebenso vor wie die Analyse der Daten aus Sicht von Bündnis 90/Die Grünen.

Grüne: Zahl der Vollzeitkräfte sinkt mit zunehmenden Alter

Der grüne Rentenexperte Markus Kurth weist in seiner Analyse der Daten darauf hin, es sei zwar richtig, dass die Sozialversicherungs-pflichtige Beschäftigung gestiegen ist. Dies sage aber noch nichts über die Qualität der Beschäftigung aus.

So liege zwar die Sozialversicherungs-pflichtige Vollzeitbeschäftigung bei den 55- und 60-Jährigen noch bei knapp über 55 Prozent. Mit zunehmendem Alter falle diese Quote aber rapide ab. Von den 64-Jährigen arbeite nur noch jeder Dritte in Vollzeit und bei den 65-Jährigen nur noch jeder Fünfte (ohne Beamte und Selbstständige).

Anhebung der Regelaltersgrenze schaffe Probleme

Im Umkehrschluss legten die Daten nahe, dass 65 Prozent der 64-Jährigen und 77 Prozent der 65-Jährigen arbeitslos seien, erklärte Kurth. „Dieser Umstand sowie die Tatsache, dass sich an den genannten Verhältnissen seit dem Jahr 2012 wenig bis nichts getan hat, offenbart die Schwierigkeiten vieler älterer Personen, mit der Anhebung der Regelaltersgrenze Schritt zu halten.“

Kurth verweist auch auf die starke Zunahme von geringfügig Beschäftigten unter den 63- bis 65-Jährigen, die 2017 bei 440.868 (2012: 337.695) gelegen habe. Auch diese Gruppe sei ebenso wie Frauen von einem „prekären Altersübergang“ betroffen. So gingen 64-jährige Frauen deutlich seltener einer Versicherungs-pflichtigen Beschäftigung nach (22 Prozent) als gleichaltrige Männer (43 Prozent).

Die Bundesregierung wird im Herbst 2018 ihren dritten Bericht zur Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre, der alle vier Jahr zu erstellen ist (VersicherungsJournal 20.11.2014, 18.11.2010), vorlegen

Leserbriefe zum Artikel:

Erwin Höning - Es gibt eine große Gerechtigkeitslücke. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Rente · Sozialversicherung
 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 14.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Fonds sind kein Teufelszeug

Von Fonds und Fondspolicen lassen die meisten Deutschen die Finger.
Wie Sie dennoch mit dieser Produktgruppe Vertriebserfolge einfahren, zeigt ein aktuelles Praxisbuch.

Mehr Informationen erhalten Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
23.4.2018 – Die Linksfraktion setzt die Regierungskoalition mit ihrer Forderung nach Abschaffung der Doppelverbeitragung von Betriebsrenten unter Druck. Zur Anhörung im Deutschen Bundestag mahnen viele Spitzenverbände Handlungsbedarf an. (Bild: Brüss) mehr ...
 
19.4.2018 – Der Deutsche Bundestag debattiert heute Nachmittag über einen Antrag der Linksfraktion, der Armut in Deutschland den Kampf anzusagen. Die Grünen plädieren in einem Antrag für soziale Teilhabe und Selbstbestimmung in der Grundsicherung statt Sanktionen. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
23.3.2018 – Vor dem Dortmunder Sozialgericht ging es um eine Nachzahlung von 381.000 Euro nebst Säumniszuschlägen. Knackpunkt war die Definition der Unternehmer-Eigenschaft selbstständiger Fahrer. (Bild: High Contrast, BY CC SA 3.0) mehr ...
 
21.3.2018 – Immer wieder gibt es Streit, ob eine selbstständige oder aber eine Arbeitnehmertätigkeit vorliegt. So auch im Fall eines Musiklehrers, der bis vor das Bundessozialgericht (BSG) gelangte. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
9.3.2018 – Jährlich lädt die Axa zur Diskussion über die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Das diesjährige Treffen stand ganz unter dem Eindruck der Reform, die einen Schub bringen soll. Doch die neue Welt ist zwiegespalten. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
7.3.2018 – Die Linksfraktion will die finanzielle Situation von Selbstständigen mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket stabilisieren. Welche Maßnahmen die Partei fordert, ist aus deren Antrag zu entnehmen, den der Bundestag in der kommenden Woche diskutiert. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
20.2.2018 – Als Vermittler kann man bei seiner Zielgruppe nur punkten, wenn man sich nicht nur in der Versicherungsmaterie, sondern auch in den berufsspezifischen Versorgungslücken gut auskennt. Dies zeigt das Beispiel Krankentagegeld. (Bild: privat) mehr ...
WERBUNG