28.7.2017 (€) – Der Bund der Versicherten und das Analysehaus Zielke haben die Solvenzberichte von 84 Lebensversicherern untersucht. Die eher durchwachsenen Untersuchungsergebnisse wurden gestern in einer Telefonpressekonferenz vorgestellt. Lediglich 17 Anbieter konnten ein weitgehend positives Urteil erzielen. Insbesondere mangele es in den Berichten an Transparenz.
Unter dem neuen Aufsichtsregime von Solvency II müssen die Lebensversicherer einmal jährlich Solvenzberichte veröffentlichen, die Einblick in die Finanzstärke des Unternehmens geben sollen. Der Bund der Versicherten e.V. (BdV) und das Analysehaus Zielke Research Consult GmbH haben sich jetzt einmal 84 dieser Berichte angeschaut und insbesondere auf Transparenz hin abgeklopft.
Dabei stellten sie eine Kernfrage in den Mittelpunkt: Ist das vom Kunden eingekaufte Leistungsversprechen bei der Lebensversicherung auch für viele Jahrzehnte sichergestellt und verfügen die Lebensversicherer über ausreichend Kapital, um auch ein Extremereignis zu überstehen?

- Axel Kleinlein (Bild: Brüss)
Ergebnisse zeigen Lernbedarf auf
Die jetzt präsentierten Resultate sind sehr durchwachsen. BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein und Dr. Carsten Zielke erläuterten gestern in einer Telefonpressekonferenz ihre Untersuchungsergebnisse.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass viele Lebensversicherer noch Lernbedarf insbesondere in Sachen Transparenz haben. Kleinlein äußerte sich aber überzeugt, dass die Solvenzberichte im kommenden Jahr schon transparenter ausfallen werden.
Die Ergebnisse wurden entweder mit Hilfe des Body-Mass-Index (BMI) – weder zu viel noch zu wenig ist gewünscht – oder mit Hilfe der Ampelfarben dokumentiert. Gelb mahnt beim Letzteren Verbesserungspotenzial bei einem Unternehmen und Rot dringenden Handlungsbedarf an. Bei Grün sieht der BdV das Unternehmen aus Verbrauchersicht als angemessen gut aufgestellt.
Beim Thema Transparenz konnten nur 17 Lebensversicherer glänzen
Von den insgesamt 84 untersuchten Solvenzberichten wurde lediglich 17 Lebensversicherern bescheinigt, einen „umfassenden, verständlichen und nachvollziehbaren Solvenzbericht vorgelegt“ zu haben. Darunter habe sich kein einziges Run-off-Unternehmen befunden.
Und bei der Überprüfung der Solvenz der Unternehmen (ohne Biometrieversicherer) hätten lediglich 16 Unternehmen eine Solvenzquote ausgewiesen, die man als „angemessen“ hätte einstufen können, erklärte Kleinlein.
23 Versicherer hätten eine reine Solvenzquote (ohne Rückgriff auf erlaubte Übergangsmaßnahmen) von unter 100 ausgewiesen. Diese Versicherer bräuchten eigentlich mehr Eigenkapital, erläuterte Kleinlein.
Zudem hätten 40 der Unternehmen (ohne Run-off-Versicherer) Probleme gehabt, eine aus Verbrauchersicht akzeptable Gewinnerwartung auszuweisen. 27 Unternehmen würden eher – wenig verbraucherfreundlich – eine Gewinnmaximierung anstreben. Auf der anderen Seite rechnen Kleinlein zufolge 13 Unternehmen mit schlechteren Ergebnissen.
Debeka Lebensversicherung trägt die rote Laterne
Als Negativbeispiel für Intransparenz nannten Kleinlein und Zielke die Debeka Lebensversicherung a.G. Die Risiken seien in dem Solvenzbericht lediglich grob umschrieben und sie ließen jede Details vermissen. Ohne Nachrangmittel läge die reine Solvenzquote nur bei 61 Prozent. „Konkrete Details zu diesen Nachrangdarlehen finden sich im Debeka-Solvenzbericht an keiner Stelle.“
Kleinlein und Zielke sahen es als überaus kritisch an, wenn sich Unternehmen zur Verbesserung ihrer Kapitalpositionen untereinander mit Nachrangdarlehen ausstatten würden. Hier wurden zudem die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G., die Lebensversicherung von 1871 a.G., die Continentale Lebensversicherung AG und die VPV Lebensversicherungs-AG genannt.
Die vier transparentesten Solvency-II-Berichte wurden nach den präsentierten Angaben von der Alten Leipziger Lebensversicherung a.G., der Öffentlichen Lebensversicherung Berlin Brandenburg AG, der WGV Lebensversicherung AG und der Universa Lebensversicherung a.G. erstellt. BdV und Zielke machten ihre Befunde jetzt öffentlich zugänglich.
Einen Vergleich der Bedeckungsquoten für 80 Lebens- und 34 private Krankenversicherer bietet die letzte Ausgabe des Map-Reports (VersicherungsJournal 10.7.2017, 29.6.2017). Das Heft Map-Report Nummer 893 „Solvabilität im Vergleich 2007 bis 2016“ kann unter diesem Link bestellt werden.




