Barmenia setzt stärker auf Leben und SUHK

17.4.2013 (€) – Die Barmenia Krankversicherung hat 2012 Versicherte verloren, aber mehr verdient. Vor der Presse zeigte sich Vorstandschef Josef Beutelmann besorgt über die Pläne einer Bürgerversicherung. Im Neugeschäft werden die selbstständige Berufsunfähigkeits-Versicherung (SBU) sowie die SHUK-Sparten forciert.

Die Barmenia Krankenversicherung a. G. hat 2012 die Beitragseinnahmen um gut drei Prozent auf 1,53 (Vorjahr: 1,49) Milliarden Euro gesteigert und ist mit einem Marktanteil von 10,03 (9,93) Prozent auf Platz sieben der deutschen Krankenversicherer aufgerückt. Die Zahl der Vollversicherten verringerte sich um 0,2 Prozent auf 305.763 Personen, die Zahl der Ergänzungsversicherten um 0,5 Prozent auf 910.410 Personen.

Mehr als nur Mindeststandards umgesetzt

Josef Beutelmann (Bild: Lier)
Josef Beutelmann (Bild: Lier)

Im policierten Neugeschäft lag der Anteil „Ärzte, Beamte, Angestellte“ bei 70,9 (75,9) Prozent, was zu einem unterdurchschnittlichen Marktanteil von 2,9 Prozent an der Gruppe der Nichtzahler führe. Da die Barmenia zwar in der Vergangenheit preiswerte, aber keine billigen Tarife verkauft habe, sei man von der Problematik der Nichtzahler unterproportional betroffen.

Die neuen Unisex-Tarife wurden über die PKV-Mindeststandards (VersicherungsJournal 27.3.2012) hinaus erweitert, so Beutelmann. Unter anderem gibt es nun mehr Schutz für Behandlungen im Ausland, bei gemischten Anstalten, stationären Anschluss-Heilbehandlungen, die Kindermitversicherung und eine verbesserte Kriegsklausel.

Sobald die Vermittler diese neuen Tarife verinnerlicht hätten, werde die Vollversicherung auch wieder stärker wachsen. Mit Sorge sieht Vorstandschef Dr. h.c. Josef Beutelmann die politische Diskussion zur Abschaffung der PKV, ist aber letztlich „guter Dinge“, dass keine „Bürgerzwangsversicherung“ eingeführt werde.

Viel BU-Neugeschäft

Für den Fall der Aufgabe des Dualismus von gesetzlicher und privater Krankenversicherung (GKV und PKV) hat die Barmenia keinen Alternative. „Plan B lautet, Plan A zu realisieren“, so Beutelmann. Und dies bedeute, PKV-Unternehmen zu sein. „Denn eine siebte GKV für einen Bürgerversicherungstarif braucht man nicht“, so Beutelmann.

Seit drei bis vier Jahren verstärke man allerdings das Neugeschäft in Komposit sowie in der Lebensversicherung. 2012 entfielen auf die Krankenversicherung nur noch 43 Prozent des Neugeschäfts. Auf das Leben-Neugeschäft entfielen fast 44 Prozent, und davon waren 45 Prozent die SBU. Diese konnte ihren Marktanteil am Neugeschäft auf 1,93 (Vorjahr: 1,29) Prozent (Stückzahl) beziehungsweise 1,72 (0,89) Prozent (Versicherungssumme) ausweiten.

Bei einer Bürgerversicherung könne man insofern die Vertriebskapazitäten aufrechterhalten, sagte Vertriebschef Dr. Andreas Eurich. Für den eigenen Innendienst rechnet Beutelmann indes mit dem Abbau von bis zu 1.000 Arbeitsplätzen. Dabei bezieht er sich auf Berichte über eine Verdi-Studie, die 100.000 Arbeitsplätze gefährdet sieht (VersicherungsJournal 9.4.2013).

Beiträge bleiben weit gehend stabil

Vom gesamten Beitragsaufkommen der Wuppertaler Gruppe von 1,82 Milliarden Euro (+ 3,0 Prozent) entfielen 2012 mit 1,53 Milliarden Euro (+ 3,1 Prozent) rund 84 Prozent auf den Krankenversicherer. Dieser hatte zum 1. Januar 2012 die Vollkostentarife um bis zu 4,5 Prozent verteuert. Für 2013 und voraussichtlich auch 2014 wird weitgehende Beitragsstabilität angekündigt.

Für Versicherungsfälle wurden 2012 in der Kranken mit 1,02 Milliarden Euro 2,6 Prozent mehr aufgewendet, was einer Schadenquote von 78,4 (Vorjahr: 76,6) Prozent entspricht. Infolge geringerer Abschlusskosten wurde für den Versicherungsvertrieb weniger aufgewendet, so dass die versicherungs-geschäftliche Ergebnisquote 11,5 (12,4) Prozent betrug.

Die Kapitalanlagen von 7,54 (7,0) Milliarden Euro erzielten eine Nettoverzinsung von 3,9 (3,7) Prozent. Im Vorjahr hatten Abschreibungen auf Aktien und griechische Staatsanleihen belastet. Vom Rohüberschuss nach Steuern von 207 (195,3) Millionen Euro wurden 187,9 (178,3) Millionen Euro der Rückstellung für erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung zugeführt, die damit 400,3 (339) Millionen Euro erreichte.

Günstige Schaden- und Kostenquote

Der Lebensversicherer steigerte 2012 das Neugeschäft in der Größe APE um 14 Prozent auf 22,2 Millionen Euro. Die gebuchten Bruttobeiträge nahmen um 0,5 Prozent auf 192,5 Millionen Euro ab. Der Kompositversicherer wuchs um 8,8 Prozent auf 97,8 Millionen Euro, wozu vor allem die Autoversicherung beitrug.

Die Schaden-/Kostenquote war mit brutto 87,8 Prozent besser als der Markt mit erwarteten 97,0 Prozent. Rund ein Drittel des Kraftfahrtgeschäfts sammelt die Barmenia inzwischen über Online-Portale ein.

Die drei Unternehmen erzielten vor Ertragsteuern rund 251,3 (252,0) Millionen Euro. Die Geschäftsberichte liegen noch nicht vor. Details, auch zur Lebens- und Kompositversicherung finden sich auf den Internetseiten des Unternehmens.

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