4.2.2014 (€) – Im Bereich der privaten Zusatzversicherung gibt es in den kommenden zwei Jahren einer aktuellen Studie von Towers Watson zufolge großes Potenzial für Versicherungsvermittler. Immer mehr gesetzlich Versicherte hielten eine private Zusatzabsicherung für unverzichtbar. Allerdings bestehe ein großer Bedarf an preiswerteren Angeboten. Viele Versicherte möchten maximal 40 Euro im Monat für Zusatzversicherungen ausgeben.
Die Unternehmensberatung Towers Watson GmbH hat im vergangenen Monat 1.000 gesetzlich Versicherte zwischen 20 und 55 Jahren – freiwillige und Pflicht-Versicherte – zum Thema private Kranken-Zusatzversicherung und ihre Abschlussbereitschaft befragt.
Fast jeder zweite Befragte ist laut der Studie „Kranken-Zusatzversicherung – Bedarf an Gesundheitsleistungen 2014“ der Meinung, dass eine Kranken-Zusatzversicherung unverzichtbar ist und die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zukünftig nur eine Grundversorgung darstellen kann. 63 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eine Kranken-Zusatzversicherung abschließen würden, um die Lücken in der gesetzlichen Krankenversicherung aufzufangen.
Dieser Befund stützt die Ergebnisse einer Studie der YouGov Deutschland AG aus vergangenem Herbst. In der Untersuchung des Marktforschungsinstituts wurde ein großes Neugeschäftspotenzial im Bereich der Krankenzusatzpolicen festgestellt (VersicherungsJournal 22.11.2013).
-

- Angaben in Prozent, Mehrfachnennung möglich
Zum Vergrößern Bild klicken (Quelle: Towers Watson)
Zahnersatz-Versicherungen sind gefragt
Der Towers-Watson-Studie zufolge besteht unter den privaten Zusatzversicherungen die größte Nachfrage nach Zahnersatz-Versicherungen. 45 Prozent der Befragten besitzen bereits einen entsprechenden Versicherungsvertrag. Von den Befragten, die noch keine Zahnersatz-Versicherung abgeschlossen haben, plant jeder zweite den Abschluss innerhalb der nächsten zwei Jahre. Ein Zahnprophylaxe-Produkt nimmt in dieser Gruppe mit 57 Prozent den zweiten Rang ein.
Für die Befragten sei dabei wichtig, so wird deren Motivation erläutert, das Kostenrisiko bei Zahnersatz und Zahnprophylaxe ergänzend zu versichern, um dadurch nur einen geringen oder gar keinen Eigenanteil tragen zu müssen.
Vorsorgeprodukte, die je nach Produktgeber bei Schutzimpfungen, Gesundheits-Checks, Hautkrebsuntersuchungen und Ähnliches Unterstützung leisten, halten 49 Prozent der Befragten für sinnvoll. Allerdings haben nur 14 Prozent der Befragten bereits einen Vorsorgetarif abgeschlossen. Fast 46 Prozent der Befragten planen den Abschluss innerhalb der nächsten zwei Jahre.
| Absicherung | 2013/2014 | 2014/2015 |
|---|---|---|
| Quelle: Towers-Watson-Studie „Kranken-Zusatzversicherung – Bedarf an Gesundheitsleistungen 2014“ | ||
| Stationäre Krankenhaus-Behandlung | 43 | 31 |
| Heilpraktiker | 41 | 25 |
| Private Pflegeergänzung | 55 | 46 |
| Krankentagegeld | 53 | 33 |
| Zahnprophylaxe | 57 | 38 |
| Sehhilfe | 59 | 39 |
| Vorsorge | 69 | 46 |
| Zahnersatz | 72 | 49 |
Bedarf an Pflegergänzungs-Versicherungen ist gestiegen
Großer Bedarf besteht laut Tower Watson außerdem bei den Pflegeergänzungs-Versicherungen. Das Pflegerisiko ist den Versicherten laut Studie durchaus bewusst – jedoch scheitert es bei vielen an der Umsetzung. Nur rund 13 Prozent der Befragten besitzen bereits eine Pflegeergänzungs-Versicherung, aber immerhin 46 Prozent der noch Unentschlossenen möchten innerhalb der kommenden zwei Jahre eine entsprechende Absicherung umsetzen.
Im Vergleich zu 2013 sei der Nachfragebedarf deutlich gestiegen, berichtet das Beratungsunternehmen. Ein Grund dafür sei möglicherweise der 2013 eingeführte Pflege-Bahr, der dem Thema Pflegeabsicherung mehr öffentliche Aufmerksamkeit verliehen hat. Im Bewusstsein durchgesetzt hat sich das Pflegerisiko allerdings noch nicht. Jeder vierte Bundesbürger hat sich noch keine Gedanken über eine Absicherung gemacht, wie eine Befragung des Vermögensverwalters Packenius, Mademann und Partner GmbH ergeben hat (VersicherungsJournal 19.9.2013).
Betrachtet man die Teilnehmer der Towers-Watson-Studie nach der Kategorie Einkommen, sind deutliche Unterschiede bei der Wahrnehmung des Pflege-Risikos zu erkennen. Befragte mit einem Einkommen zwischen 100.000 Euro und 200.000 Euro würden für die Produkte Pflegeergänzungs-Versicherung (61 Prozent), stationäre Behandlung (51 Prozent) und Krankentagegeld-Absicherung (51 Prozent) einen höheren Bedarf sehen als Befragte aus anderen Einkommensgruppen.
Versicherte möchten nur wenig Geld ausgeben
Insgesamt ist die Bereitschaft zum Abschluss zu Beginn des Jahres im Vergleich zu 2013 gesunken, ergab die Untersuchung. Einen möglichen Grund sehen die Studienautoren in der zeitlichen Nähe zu den bis zum Jahresende laufenden Koalitionsverhandlungen und die damit verbundene Verunsicherung hinsichtlich gesundheitspolitischer Entscheidungen.
Ein weiterer Grund könnte in der finanziellen Belastung durch ein zusätzliche Absicherung liegen: 55 Prozent der Befragten wären maximal bereit, 15 Euro im Monat für eine Kranken-Zusatzversicherung auszugeben. 33 Prozent würden bis zu 40 Euro bezahlen. Nur ein sehr geringer Anteil der Befragten würde über 40 Euro im Monat für eine Kranken-Zusatzversicherung aufwenden. Hier bestehe also ein großer Bedarf an preiswerteren Lösungen.
-

- Arbeitnehmer-Budget für die Kranken-Zusatzversicherung (Angaben in
Prozent) Zum Vergrößern Bild klicken (Quelle: Towers Watson)
Neben günstigeren Angeboten wären für die Befragten auch kostenlose oder günstige Angebote über den Arbeitgeber interessant. An erster Stelle der abgefragten betrieblichen Sozial- und Nebenleistungen steht zwar unangetastet mit rund 67 Prozent die betriebliche Altersversorgung, ihr folgt aber bereits an zweiter Stelle die arbeitgeberfinanzierte Kranken-Zusatzversicherung, die 58 Prozent der Befragten sehr interessant finden.
Attraktiv durch Verzicht auf Risikoprüfung
Bei den gesetzlich Krankenversicherten sei das Interesse an einer vom Arbeitgeber organisierten betrieblichen Krankenversicherung (bKV) groß – unabhängig davon, wer die Kosten hierfür trage, berichtet Tower Watson. Aus Mitarbeitersicht seien die Vorteile der betrieblichen Absicherung gegenüber einem privat erworbenen Versicherungsprodukt sehr interessant, etwa wenn die Versicherungs-Gesellschaft auf eine Risikoprüfung und auf etwaige Wartezeiten verzichtet oder durch einem Gruppenvertrag.
Die Neuregelung des Sonderausgabenabzugs hat nach Einschätzung von Tower Watson keinen negativen Einfluss – mit dem 1. Januar hat sich die steuerliche Behandlung von Arbeitgeberleistungen geändert, diese werden jetzt wie Barlohn behandelt.
Differenzierungen bei den Antworten der Befragten im Hinblick auf das Geschlecht oder Alter gab es laut Tower Watson keine. Bei einer Betrachtung nach Unternehmensgröße sei aber aufgefallen, dass Arbeitnehmer aus Unternehmen mit 5.000 bis 14.999 Beschäftigten den Kranken-Zusatzversicherungs-Produkten Vorsorge (58 Prozent) sowie Pflegeergänzung (44 Prozent) im Vergleich zu den Durchschnittswerten einen hohen Stellenwert einräumen.




