28.11.2011 (€) – Die Frage nach zukunftsfähigen Garantiekonzepten stand im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde der Swiss Life Deutschland. Die Lebensversicherer, so der Tenor der Veranstaltung, werden es künftig sehr schwer haben, ihren Kunden weiterhin Zinsgarantien nach gewohntem Muster zu geben. Dafür sorgen das anhaltend tiefe Zinsniveau, die Turbulenzen an den Finanzmärkten sowie die Veränderungen bei den aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen und politische Einflüsse. Das hat sowohl für die Produktgestaltung als auch für den Vertrieb Konsequenzen.
Für den Vertrieb geht es um ein „Schmiermittel“ beim Verkauf von Altersvorsorgeprodukten. So formulierte es Dr. Rainer Will, geschäftsführender Gesellschafter der Assekurata Rating-Agentur GmbH, bei einem Roundtable der Swiss Life in Deutschland zum Thema „Garantiekonzepte mit Zukunft“.
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- Andreas Vollmer
(Bild: Müller)
Für die Versicherer handelt es sich um den Spagat zwischen künftig noch darstellbaren Zinsgarantien und den Erwartungen ihrer Kunden. Letzteren, so haben laut Will Umfragen ergeben, sind Garantien nämlich eines der wichtigsten Kriterien bei jeder Kaufentscheidung, egal ob es um ein Auto oder eine Versicherungspolice geht.
Garantien gewinnen für die Kunden stark an Gewicht
Nach den Erfahrungen aus der jüngsten Finanzkrise werde auf Zinsgarantien sogar wieder mehr denn je Wert gelegt, das leitete Will aus der Nachfrageentwicklung bei den unterschiedlichen Lebensversicherungs-Produkten ab. In der betrieblichen Altersversorgung gelte dies gleichermaßen, ergänzte Andreas Vollmer, geschäftsführender Gesellschafter der Hasenclever + Partner GmbH + Co.KG.
Seit etwa Beginn des Jahrtausends sei hier unter dem Renditeaspekt zunächst eine wachsende Nachfrage nach fondsgebundenen Produkten zu verzeichnen gewesen, berichtete er aus seiner Assekuranz-Vermittlungspraxis. Schon seit dem Börsencrash von 2003 sei aber vor allem die Frage nach Garantien wieder verstärkt ins Zentrum gerückt.
Es hapert beim Verständnis der Funktionsweise
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- Rainer Will
(Bild: Assekurata)
Gefordert würden vor allem Garantien für den Erhalt der eingezahlten Beiträge. Sie seien für die Kunden wegen der Komplexität der Thematik am ehesten nachvollziehbar.
Dagegen sei der elementare Rendite-Risiko-Zusammenhang, der auch bei Altersvorsorgeprodukten insbesondere bei der Zinsgarantie entscheidend ist, nicht ausreichend bekannt, konstatierte Assekurata-Chef Will. Daher sei auch den Kunden der Wert einer solchen Garantie und deren Preis nicht klar.
Versicherer müssen reagieren
Für die Versicherer ergibt sich damit aus seiner Sicht eine enorme Herausforderung, wenn sie sich künftig verstärkt auf Eigenmittel schonende, fondsgebundene Produkte konzentrieren wollen. Viel anderes als dies bleibe ihnen jedoch schon aufgrund der neuen gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Vorgaben wie Solvency II nicht übrig.
Hinzu kommen Gerichtsentscheidungen wie die zur Beteiligung der Versicherungsnehmer an den stillen Reserven (VersicherungsJournal 27.7.2005) und die steigenden Anforderungen des Verbraucherschutzes. Vor allem jedoch zählt der zunehmenden Druck auf das bisherige Geschäftsmodell durch die nun schon lange anhaltende Tiefzinsperiode und die Turbulenzen an den Kapitalmärkten.
Keine Aussicht auf günstigere Kapitalmarkt-Verhältnisse
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- Marc Brütsch
(Bild: Müller)
An diesem „garstigen“ Umfeld wird sich nach Einschätzung von Marc Brütsch, Chef-Volkswirt der Swiss Life, auf absehbare Zeit nichts ändern. Deshalb seien selbst außergewöhnliche Maßnahmen bei der Anpassung der Konditionen an die Realität des Kapitalmarktes beim Neugeschäft wie im Bestand notwendig.
Immerhin habe die Swiss Life bereits vor rund drei Jahren, unbeirrt von der damaligen Finanzkrise, schon ein neues „Variable Annuities“-Produkt auf den Markt gebracht, erinnerte deren Deutschland-Chef Klaus G. Leyh. Das sei damals vom Markt nicht uneingeschränkt wohlwollend aufgenommen worden.
Existierende Garantie-Konzepte müssen erneut auf den Prüfstand
Inzwischen erweise sich diese Maßnahme jedoch als sehr vorausschauende Wettbewerbsstrategie. Rundum glücklich sei er darüber wegen der aktuellen Ursachen für den wachsenden Bedarf an solchen Produkten jedoch nicht, schränkte Leyh ein.
Zudem müssen nach Einschätzung von Assekurata-Chef Will ohnehin alle bereits bestehenden Garantiekonzepte für kapitalmarktnähere Produkte in der Lebensversicherung erneut auf den Prüfstand. Dies allein schon wegen ihrer Komplexität.
Vermittler drohen in ein weiteres Haftungsrisiko zu laufen
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- Marc Ortmann
(Bild: ITA)
Diese werde von den Kunden nicht verstanden, merkte Dr. Marc Ortmann von der ITA – Institut für Transparenz in der Altersvorsorge GmbH an. Nach Umfragen stuften 92 Prozent aller Verbraucher Transparenz und Verständlichkeit der Offerten aber als sehr wichtig ein.
Viele Vermittler hätten ebenfalls Probleme damit. Sie jedoch sollten schon wegen ihrer gesetzlichen Beratungspflicht und Haftung die unterschiedlichen Garantie-Konzepte beherrschen, betonte Ortmann.
Klare Kosten-Angaben und Transparenz entscheidend
Zugleich warnte der ITA-Geschäftsführer eindringlich vor Versuchen, beispielsweise Kosten für die laufende Fondsverwaltung nicht in die zu erwartenden Ablaufleistungen einzurechnen und so Produktvergleiche zu verfälschen. Daher sei die vom GDV und einigen Anbietern inzwischen gestartete Transparenzoffensive sehr wichtig.
Assekurata-Chef Will mahnte ebenfalls eine Kommunikationsoffensive der Anbieter an, um durch Transparenz das für Versicherer wie den Vertrieb gleichermaßen unerlässliche Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Der Sicherheitsaspekt sollte dabei seiner Einschätzung nach gegenüber den Renditeperspektiven noch stärker als bisher in den Vordergrund gerückt werden.




