PKV-Verband kontert Öko-Test-Kritik

8.4.2015 (€) – Der PKV-Verband hat in einer Stellungnahme scharfe Kritik am aktuellen Test der Pflegetagegeld-Tarife von Öko-Test geübt. Der Artikel sei reißerisch aufgemacht und enthalte sachliche Fehler. Öko-Test setze für den Pflege-Bahr andere Maßstäbe an als für ungeförderte Tarife und lasse nur Kritiker zu Wort kommen. Anders als von der Zeitschrift angegeben biete der Pflege-Bahr einen guten Schutz zu interessanten Konditionen.

Eine „reißerische Aufmachung“ sowie „sachliche Fehler und Fragwürdigkeiten“ hat der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. der Zeitschrift Öko-Test für ihren aktuellen Test zur Pflegetagegeld-Versicherung attestiert. Das Verbrauchermagazin hatte ungeförderte und geförderte Tarife unter die Lupe genommen. Dem Pflege-Bahr stellten die Tester dabei ein vernichtendes Zeugnis aus (VersicherungsJournal 2.4.2015).

„Verbrauchermagazine wie ‚Öko-Test‘ tragen eine große Verantwortung, weil sie vielen Bürgerinnen und Bürgern als vertrauenswürdige Ratgeber gelten“, schreibt der PKV-Verband in einer Stellungnahme zu dem Test. Dieser Verantwortung werde das Magazin in diesem Fall allerdings nicht gerecht.

Durch den Artikel bestehe die Gefahr, dass Menschen mit geringem Einkommen oder solche, die aufgrund ihres Gesundheitszustands eine verbesserte Vorsorge besonders dringend benötigen, von jeglicher Vorsorge für den Pflegefall abgehalten werden.

Fachlich fragwürdige Darstellungen

Insgesamt seien viele Darstellungen im Test fachlich fragwürdig. Öko-Test lasse nur Kritiker der geförderten privaten Pflegezusatz-Versicherung zu Wort kommen. Statt eines Vertreters der Unternehmen, die den Pflege-Bahr im Portfolio haben, zitiere das Heft nur einen Versicherer, der das Produkt nicht anbiete.

Außerdem sei die Annahme, dass es nach dem erstmaligen Auslaufen der fünfjährigen Wartezeit zu einer Preisexplosion kommt, rein spekulativ. „Die entsprechenden Leistungen sind durch die risikoadäquate Kalkulation von vornherein eingepreist.“ Kalkulatorische Sicherheiten würden von Öko-Test ausgeblendet. „Ohne jeden stichhaltigen Grund wird eine unseriöse Kalkulation unterstellt.“

Außerdem erwecke der Artikel den Eindruck, die Versicherer würden sich an den gezahlten Prämien quasi bereichern. „Tatsache ist vielmehr, dass dieses Geld im Rahmen der Überschussbeteiligung für spätere Leistungen an Pflegebedürftige reserviert ist.“

Pflege-Bahr ist kein Vollkasko-Schutz

Unangemessen sei auch die Kritik, dass die Pflege-Bahr-Tarife die Lücken der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht schließen könnten. Laut PKV-Verband sei ein „Vollkasko-Schutz“ gar nicht das Ziel des Gesetzgebers. „Dementsprechend bestimmen die gesetzlichen Fördervoraussetzungen sogar eine Höchstgrenze der Leistungen.“

Der Pflege-Bahr stelle stattdessen einen bezahlbaren Einstieg dar. „Denn für Menschen mit geringem Einkommen, die etwas für ihre Vorsorge tun wollen, sind Absicherungen in der von Öko-Test vorgeschlagenen Höhe oftmals zu teuer.“ Öko-Test blende auch völlig aus, dass insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen auf diese Weise überhaupt erst eine private Vorsorge ermöglicht werde.

Der Pflege-Bahr diene aber nicht nur als Brücke zum Einstieg in eine zusätzliche Absicherung. „Auch für sich genommen bietet er bereits einen guten Schutz zu interessanten Konditionen“, so der PKV-Verband weiter.

Schlussfolgerungen von Öko-Test nicht nachvollziehbar

Unverständnis zeigt der Verband auch für die Wahl der Modellkunden, deren Alter 35 und 65 Jahre beträgt. Bereits ab 18 Jahren werde die staatliche Förderung gewährt und mit diesem frühen Eintrittsalter verbesserten sich die Leistungen beträchtlich. In vielen der von Öko-Test aufgelisteten Tarife würde sich bei einem Eintrittsalter von 18 Jahren für denselben Beitrag das monatliche Pflegetagegeld gegenüber der im Test genannten Altersstufen mehr als verdoppeln.

Der Verband kritisiert zudem, dass die Tester für den Pflege-Bahr andere Maßstäbe ansetzen als für die anderen getesteten Tarife. Bei ihnen stelle Öko-Test die individuelle Nutzen-Maximierung des einzelnen Versicherten in den Mittelpunkt. Der laut PKV-Verband aus Kundensicht relevante Nettobeitrag des Pflege-Bahrs in Höhe von zehn Euro werde aber ausgeklammert, „indem die fünf Euro staatliche Förderung wie ein Eigenbeitrag zulasten des Kunden berechnet werden“.

Dass die Pflege-Bahr-Angebote bei Betrachtung des Nettobeitrags leicht die Nase vorn haben, werde nur beiläufig erwähnt. Wie Öko-Test aus dieser Tatsache „dann aber zu der Überschrift ‚Pflege-Bahr fällt voll durch‘ gelangen kann und daraus den Ratschlag ‚Finger weg von staatlich geförderten Pflege-Bahr-Tarifen‘ ableitet, ist nun wirklich nicht nachvollziehbar“, kritisieren die Verbandsvertreter.

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