1.3.2016 (€) – Der leichte Anstieg der Rechnungszinsen für Pensionsverpflichtungen um 16 Basispunkte auf 2,31 Prozent in den vergangenen Monaten sowie die Kursgewinne bei Aktienanlagen im vergangenen Jahr haben bei Unternehmen, die nach internationalen Regeln bilanzieren, mittlerweile für etwas Entspannung in der betrieblichen Altersversorgung gesorgt. Für die kleineren und mittleren Unternehmen, die nach dem Handelsgesetzbuch bilanzieren, trifft dies allerdings noch nicht zu. Dies ist einer neuen Willis-Towers-Watson-Studie zu entnehmen.
Der stetige Zinsrückgang in den vergangenen Jahren hatte 2014 die Pensionsverpflichtungen allein der DAX-Unternehmen auf eine Höhe von 372,5 Milliarden Euro getrieben, wird in einer gestern vorgelegten Untersuchung des Beratungsunternehmens Willis Towers Watson erinnert. Im ersten Quartal 2015 waren noch einmal 52,4 Milliarden Euro hinzugekommen, nachdem der Rechnungszins auf 1,47 Prozent eingebrochen war (VersicherungsJournal 17.2.2015).
Seit April vergangenen Jahres hat sich die Situation dann aufgrund des steigenden Rechnungszinssatzes jedoch wieder etwas entspannt. Das zumindest in den Bilanzen jener Unternehmen, die nach IFRS-Regeln bilanzieren, und dort sowohl mit Blick auf die Verpflichtungshöhe als auch auf den Ausfinanzierungsgrad.
Pensionsverpflichtungen gehen spürbar zurück
In den drei Modellrechnungen für die aktuelle Auflage der Studie „German Pension Finance Watch“ schlägt sich das darin nieder, dass beim „100-Prozent-Plan“ die Verpflichtungen Ende 2015 gegenüber 2014 von 366,2 Milliarden auf 348,3 Milliarden Euro sanken.
Hierbei ist unterstellt, dass die Pensionslasten eines Unternehmens zum Stichtag 31. Dezember 2003 voll mit extern angelegtem Vermögen unterlegt waren und danach laufend in Höhe der neu erdienten Ansprüche dotiert wurden.
Beim „DAX-Plan“ sanken sie auf 354,2 Milliarden Euro und beim „MDAX-Plan“ gegenüber Jahresende 2014 ebenfalls um knapp fünf Prozent auf 58,4 Milliarden Euro. Bei diesen beiden Rechenmodellen wird die durchschnittliche Entwicklung bei Pensionsverpflichtungen und Kapitaldeckung der Unternehmen im jeweiligen Börsenindex nachgezeichnet.
Ausfinanzierungsgrad und Planvermögen steigen
Beim Ausfinanzierungsgrad, der das Verhältnis von Pensionsverpflichtungen und den Finanzmitteln anzeigt, die zu Erfüllung der späteren Betriebsrenten-Ansprüche zurückgestellt sind, hatte die Auswertung der Geschäftsberichte der DAX-Unternehmen per Ende 2014 noch einen Wert von 61,1 Prozent ergeben. Nach den Ergebnissen der jüngsten Auswertung liegt er nun bei 65,4 Prozent.

- Bild: Willis Towers Watson
Auch auf der Kapitalanlageseite konnten die Pensionseinrichtungen der Unternehmen dank der Kursgewinne an den europäischen Aktienmärkten den Angaben zufolge insgesamt einen leichten Zugewinn verbuchen. Im „100-Prozent-Plan“ stieg das Planvermögen dadurch um 1,9 Prozent auf 278,4 Milliarden Euro.
Im „DAX-Plan“ betrug das Plus 1,7 Prozent auf 231,7 Milliarden Euro und im „MDAX-Plan“ 3,7 Prozent auf 30,8 Milliarden Euro. Das Vermögen der für die Studie verwendeten Benchmark-Pläne ist in der „100-Prozent“- sowie der „DAX“-Variante zu jeweils 15,2 Prozent in europäische Aktien investiert und beim „MDAX-Plan“ zu 16,7 Prozent.
Für Konzerne, die nach internationalen Regeln bilanzieren, stelle die aktuelle Entwicklung daher durchaus „ein positives Signal für die betriebliche Altersversorgung“ dar, kommentiert Dr. Thomas Jasper, der Leiter Retirement Solutions bei Willis Towers Watson.
Kleinere Unternehmen bleiben weiter in arger Bedrängnis
Ganz anders sehe es dagegen noch immer bei den kleinen und mittelständischen Betrieben aus, die den HGB-Regeln unterliegen. Der Durchschnittszins, der für deren Jahresabschlüsse ermittelt werde, sei nämlich weiterhin rückläufig. Er hoffe daher, „dass sich die Bundesregierung zügig auf Maßnahmen zur Stärkung der bAV verständigt“, drängt Jasper.
Die Untersuchung der Situation in Deutschland stellt eine Ergänzung der Studien zu US-amerikanischen und weltweiten Benchmark-Pensionsplänen sowie zu Schweizer Pensionsplänen dar, die quartalsweise erscheinen. Sie stehen unter diesem Link zur Verfügung.




