Neues aus den Produktschmieden der Lebensversicherer

11.4.2013 (€) – Cardea.Life, Helvetia, WWK und Zurich bieten neue Risikolebenspolicen an, die VKB hat ihre bestehenden Tarife verbessert. Fast alle Anbieter fragen neben dem Raucherstatus jetzt auch den Body-Mass-Index sowie die familiäre und die berufliche Situation ab, um kundenindividuellere Beiträge zu bieten. Auch Dread-Disease-Komponenten liegen im Trend. Stiftung Warentest kritisiert hohe Beitragszuschläge für Raucher.

Die Lebensversicherer sehen in Biometrieprodukten die größten Wachstumsmöglichkeiten (VersicherungsJournal 10.4.2013). Dies zeigt auch ein Überblick des VersicherungsJournals über neue oder überarbeitete Risikoleben-Tarife, die etliche Versicherer seit Jahresbeginn auf den Markt gebracht haben.

Sie folgen dabei einem Trend, der auch schon in anderen Sparten wie der Berufsunfähigkeits-Versicherung vorherrscht (VersicherungsJournal 20.2.2013): Die Abfrage von immer mehr Risikomerkmalen aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld des Kunden soll immer individuellere Beiträge ermöglichen. Viele Gesellschaften haben zudem Dread-Disease-Komponenten in die Verträge eingebaut, die bei schweren Krankheiten Auszahlungen schon vor dem Tod versprechen.

Helvetia: Ersparnis für gesundheitsbewusste Akademiker mit Kind

Seit Anfang April ist die Helvetia Gruppe mit ihrer neuen Police „Risiko+“ am Markt, die ab einem monatlichen Beitrag von zehn Euro erhältlich ist und bis zu einem Höchstalter von 70 Jahren abgeschlossen werden kann.

Das Produkt eignet sich nach Angaben des Unternehmens vor allem für junge Familien, Alleinverdiener, Darlehensnehmer und die Absicherung von Geschäftspartnern. Im Gegensatz zur gesetzlichen Hinterbliebenen-Absicherung greife die Police auch bei unverheirateten Paaren.

Der Beitrag zur Police reduziere sich, wenn der Versicherte nicht raucht, einen akademischen Abschluss vorweisen kann und Kinder im Haushalt leben. Auch ein geringer Body-Mass-Index senkt die Prämie. Treffen alle vier Kriterien zu, liege der monatliche Beitrag für einen 35-jährigen Kunden bei einer Versicherungssumme von 50.000 Euro und einer Laufzeit von 30 Jahren bei 27,18 Euro brutto und 12,52 Euro netto. Das entspreche einer Ersparnis von 65 Prozent, so die Helvetia.

Optionen zu Überschussverwendung

Der Kunde kann selbst entscheiden, ob die erwirtschafteten Überschüsse zur Reduzierung des Beitrags oder zur Erhöhung der Leistungssumme verwendet werden sollen. Versicherungssumme und Laufzeit sind frei wählbar. Innerhalb der ersten zehn Jahre ist zudem der Umtausch in eine konventionelle Rentenversicherung möglich.

Darüber hinaus kann der Kunde die Versicherungsleistung ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen, etwa wenn er heiratet, sich selbstständig macht, eine Immobilie erwirbt oder Nachwuchs bekommt.

Cardea.Life mit zwei neuen Risiko-Policen

Die im Sommer 2012 neu gestartete Marke Cardea.Life hat mit „Cardea premium life“ und „Cardea fair play“ gleich zwei neue Risikolebens-Versicherungen auf den Markt gebracht. Cardea.Life ist ein Gemeinschafts-Unternehmen von Swiss Re, Prisma Life und der Friends Provident International -Tochter FPB AG (VersicherungsJournal 27.3.2013).

Bei „Cardea premium life“ kann der Kunde besonders hohe Versicherungssummen von bis zu einer Millionen Euro vereinbaren. Wie auch die Helvetia berücksichtigt Cardea.Life hier das Rauchverhalten, den Body-Mass-Index, den Familienstand sowie die Berufssituation. „Die Höhe der Beiträge berechnen wir nach dem persönlichen Profil des Kunden“, erklärt Markus Brugger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Prisma Life.

Die Prämien des Maklertarifs bewegen sich nach Angaben des Unternehmens auf dem Preisniveau eines Direktversicherers. Ein 30-jähriger verheirateter Notar mit einem Body-Mass-Index von 20,2 zahlt bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro und einer Laufzeit von 30 Jahren für die Basis-Version der Police einen Monatsbeitrag von 7,04 Euro. Ist er Gelegenheitsraucher, werden 16,39 Euro fällig.

Geringe Einstiegsprämie

Die zweite Police „Cardea fair play“ zeichnet sich nach Unternehmensangaben durch eine günstige Einstiegsprämie aus, die mit zunehmendem Alter ansteigt. Hier ist ein Versicherungsschutz von bis zu 150.000 Euro möglich.

Wenn der Versicherte zu einem späteren Zeitpunkt feststellt, dass er den Risikoschutz in dem ursprünglich vereinbarten Umfang nicht mehr benötigt, weil zum Beispiel ein Darlehen vorzeitig durch eine Erbschaft abgelöst werden kann, kann bei der Fair Play-Variante eine Lock-in-Funktion aktiviert werden. Dann bleibt die Prämie stabil, während sich die die Versicherungssumme reduziert.

Basis- und komfort-Variante

Beide Policen gibt es in einer Basis- und einer Komfort-Variante, die Zusatzleistungen beinhaltet.

Dazu zählen unter anderem eine vorgezogene Todesfallleistung bei schweren Krankheiten, eine nachträgliche Erhöhung der Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung sowie eine kostenfreie Erhöhung der Versicherungssumme um 20 Prozent in den ersten sechs Monaten nach Geburt eines Kindes. Darüber hinaus kann der Vertrag in eine Altersvorsorge umgewandelt werden.

Zudem können Kunden noch drei weitere Zusatzbausteine hinzu wählen:

  • „Familiy Plus“: Hinterbliebene erhalten die doppelte Kapitalauszahlung, wenn der Versicherte bei einem Unfall zu Tode kommt.
  • „Ladies Plus“: Bei frauentypischen Krebserkrankungen wird eine Sofortleistung in Höhe von 25.000 Euro gezahlt.
  • „Kids Plus“: Wird ein Kind infolge eines Unfalls invalide, zahlt Cardea.Life 25.000 Euro.

Auch Zurich bietet zwei neue Tarif-Varianten

Auch die Zurich hat seit Mitte Januar einen neuen Risikolebens-Versicherungstarif mit zwei Varianten („Risikoleben Top“ und „Risikoleben Basis“) im Angebot. Die neuen Policen seien das Ergebnis einer Weiterentwicklung des bereits auf dem Markt befindlichen Produkts „Risikopremium“, so das Unternehmen.

Neu sei die risikogerechte Preisgestaltung durch die Einführung zusätzlicher Merkmale. Auch Zurich fragt jetzt nicht nur nach dem Raucherstatus, sondern berücksichtigt auch den Body-Mass-Index, die berufliche Qualifikation und das erhöhte Risiko durch Motorradfahren. „Diese Risikofaktoren bestimmen die Einstufung in die Risikoklassen und ermöglichen eine individuellere Preisgestaltung“, erklärt Frank Trapp aus dem Produktmanagement Leben bei der Zurich.

Top-Tarif für Flexible, Basis-Tarif für Preissensible

Beim Top-Tarif gibt es wie bei Cardea.Life eine vorgezogene Todesfallleistung bei schwerer Krankheit sowie die Möglichkeit, den Versicherungsschutz nachträglich an neue Lebenssituationen anzupassen oder Kinder kostenlos in Höhe von 5.000 Euro mitzuversichern. Zudem ist ein Einschluss des Berufsunfähigkeits-Risikos möglich. Der Kunde kann frei wählen, ob die Todesfallsumme während der Vertragslaufzeit konstant bleiben oder linear fallen soll.

Im Basis-Tarif gibt es dagegen nur eine konstante Summe bei freier Wahl der Überschussverwendung. Dieses Produkt eigne besonders für preissensible Kunden, so die Zurich. Im Vergleich zur Top-Variante sei das Produkt rund 20 Prozent günstiger.

WWK mit vielen Überschussverwendungs-Optionen

Die WWK Lebensversicherungs a.G. bietet ihren Kunden schon seit der Einführung der Unisex-Tarife am 21. Dezember 2012 (VersicherungsJournal 10.1.2013) mit der „WWK PremiumRisk“ (Tarif H05) eine neue Risikolebens-Versicherung an. Der Tarif berücksichtige „durch die Einführung von drei Berufsgruppen mit entsprechender Beitragskalkulation die individuelle Risikosituation der Versicherungsnehmer“, so das Unternehmen.

Es sind zwei Variante erhältlich: Eine mit fallender und eine mit konstanter Versicherungssumme. Bei letzterer Spielart gibt es auch eine kostenfreie „Terminal Illness“-Komponente: Schwer erkrankte Kunden mit einer prognostizierten Lebenserwartung von maximal zwölf Monaten erhalten eine vorgezogene Todesfallleistung.

Bei der Verwendung der Überschüsse können die Kunden zwischen einer ganzen Reihe an Optionen wählen: Neben der Verrechnung mit den Prämien, der verzinslichen Ansammlung und einem Todesfallbonus stehe auch das Überschusssystem „Fondsansammlung“ zur Auswahl.

Dabei investieren Kunden die erwirtschafteten Überschüsse in beliebig viele Investmentfonds. Bei entsprechender Wertentwicklung der Fondsanteile könne die mögliche Ablaufleistung sogar die Summe der eingezahlten Beiträge übersteigen, behauptet die WWK.

VKB hat Risikopolicen optimiert

Die Versicherungskammer Bayern (VKB) hat die bestehenden Risikolebenspolice ihrer Töchter Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG und Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg optimiert. Die Versicherung biete jetzt einen beitragsfreien Familien- und einen Immobilien-Bonus.

Dabei erhält der Kunde einen zusätzlichen Schutz für sechs Monate in Höhe von zehn Prozent der Versicherungssumme, sobald er heiratet, ein Kind bekommt oder ein Darlehen zur Finanzierung einer selbst bewohnten Immobilie aufnimmt.

Zudem hat der Versicherte die Möglichkeit, die Police ohne erneute Gesundheitsprüfung an seine Lebensumstände anzupassen sowie die vereinbarte Leistung bei unheilbaren Krankheiten bereits zu Lebzeiten in Anspruch zu nehmen. Während der ersten zehn Jahre kann er die Police – ebenfalls ohne weitere Gesundheitsfragen – in eine kapitalbildende Versicherung umtauschen oder bei gleicher oder geringerer Versicherungssumme verlängern.

Auch die VKB unterscheidet künftig zwischen Rauchern und Nichtrauchern und berücksichtigt den Beruf des Versicherungsnehmers. Ein 35-jähriger nichtrauchender Betriebswirt, der eine Police mit einer Versicherungssumme von 150.000 Euro und einer Laufzeit von 15 Jahren abschließt, zahlt bei der Gesellschaft rund 12 Euro.

Stiftung Warentest: Hohe Prämienzuschläge für Raucher

Ob die Risikodifferenzierungen wirklich im Sinne des Kunden sind, bezweifeln Verbraucherschützer. So kritisiert die Stiftung Warentest in ihrer jüngsten Untersuchung von Risikolebens-Versicherungen (Finanztest 4/2013), unter anderem die großen Prämienunterschiede zwischen Rauchern und Nichtrauchern. „Fast scheint es, als wollten die Versicherer keine Raucher und Raucherinnen“, schreiben die Tester.

Der Modellkunde (34-jähriger Verwaltungs-Fachangestellter ohne Übergewicht, gesundheitliche Probleme oder gefährliche Hobbies), der eine Risikolebens-Versicherung mit 150.000 Euro Versicherungssumme und 20 Jahren Laufzeit vereinbart, zahlt als Nichtraucher zwischen 90 und 313 Euro Jahresbeitrag netto. Ist er Raucher, werden dagegen zwischen 207 und 607 Euro fällig.

Zudem kritisierte die Stiftung Warentest, dass die Policen im Vergleich zu den alten Bisex-Tarifen für Männer im Schnitt nur um neun Prozent billiger geworden sind, während sie sich für Frauen um 31 Prozent verteuert hätten.

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