Erster Anbieter mit „neuer alter“ BRSG-Förderrente

11.1.2018 – Ob das neu geschaffene Sozialpartnermodell greift, ist im Moment noch offen. Der Regionalversicherer Provinzial Nordwest hat seine Direktversicherung für das BRSG aufgepeppt und bietet für rein arbeitgeberfinanzierte Policen ungezillmerte Tarife. Das dürfte Schule machen.

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Mit dem Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG) gewinnt die betriebliche Altersversorgung (bAV) noch einmal an Attraktivität. Davon ist Frank Neuroth, Vorstand der Provinzial Nordwest Lebensversicherung AG, überzeugt.

Besonders für Geringverdiener geeignet

Der frühere bAV-Vorstand der Ergo Versicherungsgruppe AG (VersicherungsJournal 17.12.2015) informierte über eine brandneue „Firmen-Förderrente“ auf Basis des BRSG. Es handelt sich nicht um eine Fondspolice, mit denen die Provinzial auch aktiv ist (VersicherungsJournal 8.9. 2017).

Frank Neuroth (Bild: Provinzial)
Frank Neuroth (Bild: Provinzial)

Die neue Firmen-Förderrente sei insbesondere für Arbeitnehmer mit einem Monatseinkommen bis 2.200 Euro gedacht, also für Geringverdiener. Sie könne darüber hinaus für alle anderen als arbeitgeberfinanzierte Direktversicherung eingesetzt werden.

„Das Produkt haben wir im Dezember 2017 fertiggestellt und es bereits in unsere Bestandsführungs- und Beratungssysteme sowie fachlich im Außendienst eingeführt“, gab Neuroth dem VersicherungsJournal zu Protokoll.

Neue Klassik mit Förderbeitrag

Vom Produktdesign handle es sich um ein klassisches Produkt moderner Art – bei der Provinzial als „neue Klassikrente“ bezeichnet – die als beitragsorientierte Leistungszusage eingesetzt werden kann. Das Produkt biete also „harte" Garantien und sei daher nicht dem Sozialpartnermodell mit seinen reinen Beitragszusagen zuzuordnen.

Die neue Förderung nach § 100 EStG, also ein zusätzlicher Förderbeitrag in der arbeitgeberfinanzierten bAV für Geringverdiener, könne ja in der alten und neuen bAV-Welt in Anspruch genommen werden.

„Von der Kalkulation entspricht die Firmen-Förderrente den Bedingungen dieses Paragrafen. Das heißt: Es ist ein vollständig ungezillmertes Produkt“, betont der Vorstand und ergänzt: „Sämtliche einkalkulierten Kosten, also auch die Abschlusskosten, sind über die gesamte Beitragszahlungsdauer verteilt, ein wesentlicher Grund, warum eine komplette Neukalkulation erforderlich wurde.“

Neuroth legt Wert auf den korrekten Einsatz in der Beratungspraxis. „Es wäre aus Gründen der arbeitsrechtlichen Gleichbehandlung schlecht, wenn Arbeitnehmer mit Einkünften unter 2.200 Euro bei Einrichtung einer arbeitgeberfinanzierten bAV dieses ungezillmerte Produkt bekämen und Arbeitnehmer mit höheren Einkünften ein gleichartiges gezillmertes Produkt.“

Der § 3 Nr. 63 EStG lässt ja sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmer-Finanzierung zu.

Kai Schmidt-Buchholz, Produktmanager Provinzial Nordwest Lebensversicherung

Ungezillmerte Tarife für alle Einkommensgruppen

Daher hat die Provinzial Nordwest die gesamte Beratungspraxis für arbeitgeberfinanzierte Leistungen so umgestellt, dass Falschberatungen vermieden werden. Mit anderen Worten: „Unsere neue Förderrente wird mit identischer Kalkulation in allen Gehaltsbereichen eingesetzt. Die Förderung selbst ist dabei natürlich an die gesetzliche Grenze geknüpft“, betont der Vorstand. Damit ist das Tor für mehr ungezillmerte bAV-Policen im Markt aufgestoßen.

„Durch die Förderung nach §100 EStG oder § 3 Nr. 63 EStG sind quasi alle Arbeitnehmer für eine passende Förderung erreichbar“, ergänzt Kai Schmidt-Buchholz, verantwortlicher Produktmanager. Generell seien nun höhere steuerfreie Einzahlungen bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungs-Grenze in der allgemeinen Rentenversicherung West möglich (VersicherungsJournal 22.12.2017).

Allerdings sei die Firmen-Förderrente nicht für die Entgeltumwandlung möglich. „Der § 3 Nr. 63 EStG lässt ja sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmer-Finanzierung zu, allerdings mit unterschiedlichen Unverfallbarkeitsfristen“, erklärt Schmidt-Buchholz auf Nachfrage.

Wenn ein Arbeitnehmer zusätzlich zur Arbeitgeberfinanzierung nach § 3 Nr. 63 EStG noch Entgelt umwandeln will (Anspruch nach § 1a BetrAVG), könne er auf andere Produkte zugreifen. Als Beispiele nennt die Provinzial ihre „Firmen-Klassikrente“ (ebenfalls ein Produkt der „neuen Klassik") und die „Firmen-Garantrente Vario“ (3-Topf-Hybrid).

Ein erstes Preisbeispiel für Provinzial-bAV vom Arbeitgeber

Preisbeispiel für die neue Firmen-Förderrente: Der Arbeitgeber zahlt monatlich 40 Euro ein. Ein Arbeitnehmer (35) würde dann bei Rentenbeginn mit 67 folgende Leistung erwarten, wobei zehn Jahre Rentengarantiezeit vereinbart sind: 46,04 Euro garantierte Monatsrente beziehungsweise 15.740 Euro garantierte Kapitalabfindung.

Falls durchgängig 4,0 Prozent Wertsteigerung des Provinzial-Sicherungsfonds (Fonds: Deka Global Strategie Garant 80KR) und damit eine ebenso hohe Überschussbeteiligung pro Jahr erreicht wird, stiege die dynamische Rente unverbindlich auf 71,52 Euro und die Kapitalabfindung auf 24.450 Euro.

Ob dies im Marktvergleich günstig oder ungünstig für Arbeitnehmer ist, lässt sich angesichts fehlender Vergleichsangebote noch nicht abschließend beurteilen.

Zum Sozialpartnermodell befragt, sagte Neuroth: „Die Provinzial als öffentlicher Versicherer ist ja regional tätig. Wir gehen davon aus, dass die Sozialpartnerrente, so sie zum Laufen kommt, vorwiegend überregionale Wirkung entfalten wird, zumal wenn große Tarifpartner vorweg gehen.“ Daher konzentrierten sich die öffentlichen Versicherer auf die Umsetzung der neuen Rahmenbedingungen in der alten bAV-Welt.

Dossier liefert Marktüberblick

Bereits im Dossier „BRSG − Neue Impulse oder vertane Chance für die bAV?“ des VersicherungsJournals war von Aufbruchstimmung berichtet worden (VersicherungsJournal 24.11.2017). Die Planungen für Angebote reiner Beitragszusagen laufen schon seit längerem (VersicherungsJournal 31.8.2017, 22.11.2017). Jedoch erst ab 2019 würden Tarifverträge die reine Beitragszusage im Sozialpartnermodell in der Breite aufgreifen, schätzen Experten.

Lesetipp „Das BRSG − Neue Impulse oder vertane Chance für die bAV?“
Bild: VersicherungsJournal
Bild: VersicherungsJournal

Das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz tritt zum 1. Januar 2018 in Kraft. Welche neuen Regelungen das BRSG bringt und deren Auswirkungen auf die betriebliche Altersversorgung, Arbeitgeber und Beratung, beschreibt ein kürzlich erschienenes Dossier.

Untersucht werden unter anderem das neue Modell für Tarifpartner und die Möglichkeiten für nichttarifgebundene Betriebe, das Konzept umzusetzen.

Des Weiteren wird über die zukünftige Handhabung des Arbeitgeberzuschusses beim Sozialpartnermodell wie auch bei Entgeltumwandlung informiert.

Ein weiterer Aspekt, der in dem Dossier tiefer gehend betrachtet wird, ist die Frage der steuerlichen Förderung. Hier werden unter anderem die Situation für Geringverdiener, die Bedingungen für Arbeitgeber sowie die zusätzliche Steuerförderung für versicherungsförmige Wege thematisiert.

Nähere Informationen und Bestellmöglichkeit finden sich unter diesem Link. Die Publikation steht Premium-Abonnenten des VersicherungsJournals zur persönlichen Nutzung kostenlos zur Verfügung. Sie finden einen Download des Dossiers unter diesem Link.

 
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Das bringt die neue bAV

Das BRSG schafft neue Impulse für die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung. Was Sie über das Solidarpartnermodell und zum Thema steuerliche Förderung wissen müssen, wird in einem Dossier zusammengefasst.

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