7.1.2013 (€) – Seit Jahresbeginn bieten erste private Krankenversicherer den sogenannten Pflege-Bahr an, mit dem im Pflegefall finanzielle Belastungen abgefedert werden sollen. Von Seiten der Verbraucherschützer kam nach Begutachtung der Angebote von Barmenia und Huk-Coburg bereits Lob.
Die Stiftung Warentest erklärte nach einem Schnelltest der von der Barmenia Krankenversicherung a.G. und der Huk-Coburg Krankenversicherung AG angebotenen geförderten Zusatzversicherungen: „Um Vorsorge für die beträchtlichen privaten Aufwendungen in der Pflege zu treffen, kann eine solche Zusatzversicherung durchaus nützlich sein.“
Und trotz einer Wartezeit von in der Regel fünf Jahren könne sich ein Pflege-Bahr lohnen. Die Verbraucherschützer empfehlen zugleich, mit der jetzt wachsenden Produktvielfalt auf jeden Fall Vergleiche anzustellen.
Für die geförderte Pflegezusatz-Versicherung besteht Kontrahierungszwang. Es gibt also keine Gesundheitsprüfung und auch keine Risikozuschläge wegen Vorerkrankungen. Von den gesetzlichen Rahmenbedingungen abgesehen richtet sich die Beitragshöhe nach dem Alter und der Versicherungssumme.
Pflege-Bahr kann die finanzielle Eigenbelastung deutlich senken
Bislang haben erst relativ wenige Menschen eine private Pflegezusatz-Versicherung abgeschlossen. Mit einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft steigt aber auch das Risiko, zum Pflegefall zu werden. Und die obligatorische Pflegeversicherung deckt als Teilkasko-Versicherung bei Weitem nicht alle Pflege-Kosten ab.
„Von Heimkosten in Höhe von rund 3.500 Euro oder sogar mehr trägt die Pflege-Pflichtversicherung maximal die Hälfte“, erklärte Dr. Hans Olav Herøy, Vorstand der Huk-Coburg-Krankenversicherung. Bei dem von seinem Unternehmen angebotenen Pflege-Bahr kann eine 30-jährige Person mit dem Mindesteigenbeitrag von zehn Euro im Monat ein Pflegegeld von 800 Euro absichern.
Im Alter von 50 Jahren liegt der Eigenbeitrag bei 17 Euro im Monat, um das geforderte Mindestpflegegeld von 600 Euro im Monat abzusichern. Bei beiden Beispielen kommen pro Jahr noch 60 Euro (fünf Euro im Monat) vom Staat hinzu.
Barmenia kommt mit der „Deutschen-Förder-Pflege“
Aus den Fehlern bei der Riester-Rente hat die Politik ganz offensichtlich gelernt. Der Pflege-Bahr soll so unbürokratisch und umkompliziert wie eben möglich sein. „Die Barmenia übernimmt alle Formalitäten und beantragt automatisch die staatliche Zulage für Sie“, heißt es im Prospekt zur „Deutschen-Förder-Pflege“ (DFPV).
Die Barmenia empfiehlt Interessierten, sich von einem Vermittler beraten zu lassen. Aber auch ein Online-Abschluss ist möglich. Die privaten Krankenversicherer dürften die Gelegenheit nutzen, um auch für ungeförderte Pflege-Zusatzversicherungen als weiteren Baustein oder als Alternative zum Pflege-Bahr zu werben. Die Barmenia verweist hier auf die „Barmenia Pflege+“.
Bei der Barmenia kommt noch ein 39-Jähriger mit zehn Euro im Monat hin
Nach der Tarifübersicht der Barmenia (Tarif DFPV) kann man bei einem Eintrittsalter von 18 Jahren und einem Eigenbeitrag von zehn Euro monatlich ein Pflegemonatsgeld von 1.415,09 Euro absichern. Auch für 39-Jährige reicht der Mindestbeitrag noch aus, um mindestens die geforderten 600 Euro darstellen zu können (602,40 Euro).
Bei der ungeförderten Zusatzversicherung der Barmenia (Tarif EPM) müsste ein 39-Jähriger für 600 Euro Monatsrente 14,52 Euro an Beitrag leisten.
Leistung über dem Mindeststandard
Die Pflege-Bahr-Versicherungen der Barmenia und der Huk-Coburg leisten in den Pflegestufen I und II mehr als in den Mindeststandards des Verbands der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) vorgegeben wird (VersicherungsJournal 14.12.2012).
Dennoch reicht die Leistung nach Ansicht der Stiftung Warentest nicht aus: „Wer in Zukunft eine gute und professionelle Versorgung zuhause oder in einem Pflegeheim erhalten möchte, braucht viel Geld, und auch mit der staatlich geförderten ergänzenden Pflegezusatz-Versicherung bleibt eine Finanzlücke in jeder Pflegestufe.“
Insbesondere bei Demenz sei die Leistung zu gering: „Wird der bei Abschluss 50-Jährige in Pflegestufe 0 eingestuft, hilft ein monatlicher Betrag von 60 Euro nur wenig weiter. Die Kosten zu decken, die dann beispielsweise bei einer Betreuung fällig werden, liegen deutlich höher. Allein ein Tag in der Tagespflege, in der Demente betreut werden, kostet schon heute in Pflegestufe 0 mehr als 70 Euro.“
Die mit jährlich 60 Euro vom Staat geförderte Pflege-Zusatzversicherung können alle Personen im Alter von über 18 Jahren in Anspruch nehmen, sofern sie Beiträge zur obligatorischen privaten oder sozialen Pflegeversicherung leisten und keine Pflegeleistungen in Anspruch nehmen oder genommen haben. Die Eigenleistung beim Pflege-Bahr beträgt mindestens zehn Euro im Monat. Die Zusatzversicherung muss im Pflegefall mindestens 600 Euro monatlich in Pflegestufe III leisten.




