4.3.2014 (€) – Im Vergleich der BU-Versicherungen der Zeitschrift Öko-Test liegen bei den Versicherungs-Bedingungen Volkswohl Bund, Barmenia, HanseMerkur und Swiss Life vorne. Die Stichprobe der Annahmepolitik gewinnt die Continentale.
In der Zeitschrift Öko-Test ist in der Ausgabe März 2014 der auch online kostenpflichtig verfügbare Test von Berufsunfähigkeits-Versicherungen (BU) im Umfang von 39 Seiten erschienen.
Untersucht wurden 59 selbstständige BU-Policen (SBU) und 57 BU-Zusatzverträge (BUZ) von 35 Versicherern. Neben den Bedingungen und den Preisen für jeweils sechs Musterfälle wurde auch die Versicherbarkeit von 21 Berufsgruppen analysiert. Zudem wurde beispielhaft die Annahmepolitik der Versicherer getestet.
Auf der Internetseite von Öko-Test ist die Testmethodik dargestellt. Darunter sind 14 Leistungskriterien, die von der Redaktion mit Punkten bewertet wurden. Diese entsprächen in fast allen Punkten dem Mindeststandard für BU-Tarife des Arbeitskreises Beratungsprozesse, dessen Bedingungen als „marktüblich" angesehen werden könnten.
Bei jedem Tarif ist aufgeführt, welche der Kriterien jeweils erfüllt wurden. Das Testergebnis setzt sich aus maximal 62,1 Punkten für die Leistung und bis zu sieben Zähler für die Versicherbarkeit zusammen. Davon wurden insgesamt in der Spitze 64 Punkte erreicht.
„Kein Versicherer ist in allen Bereichen spitze“
Als Testergebnis fasst Öko-Test zusammen: „Kein Versicherer ist in allen Bereichen spitze“. So biete der Volkswohl Bund erstklassige Bedingungen zu bezahlbaren Preisen, schneide aber bei der Annahmepolitik nur durchschnittlich ab.
Die Barmenia überzeuge zwar mit guten Bedingungen, durchweg sehr guten Preisen sowie einer vergleichsweise guten Annahmepolitik. Aber für 16-jährige Schüler sei die Vertragsdauer bis kurz vor den 63. Geburtstag begrenzt und Krankenpfleger erhielten maximal 1.000 Euro BU-Rente.
Die Bayerische hat mit ihrem SBU-Komfort-Tarif nach Ansicht der Tester gute Bedingungen zu bezahlbaren Preisen, doch längst nicht jeder Kunde komme an diesen Tarif auch heran. Bei der Annahmepolitik liege das Unternehmen lediglich im Mittelfeld.
| Versicherer | Produkt(e) | Preisniveau | Gesamtpunktzahl Bedingungen |
|---|---|---|---|
| Die zehn Anbieter mit den höchsten Gesamtpunktzahlen. Quelle: Öko-Test 4/2013. | |||
| SBU | sehr niedrig bis hoch | 64,0 | |
| SoloBU | sehr niedrig bis niedrig | 63,0 | |
| SBU 2013 M | sehr niedrig bis mäßig | 62,0 | |
| Tarif 943 | sehr niedrig bis erhöht | 62,0 | |
| BV13 | sehr niedrig bis niedrig | 61,6 | |
| C80 Comfort | niedrig bis mäßig | 61,5 | |
| BV10 und LBV10 | sehr niedrig bis niedrig | 60,5 | |
| Tarif 91 | sehr niedrig bis hoch | 60,5 | |
| BV | sehr niedrig bis erhöht | 60,3 | |
| BU Protect Komfort und Prestige | sehr niedrig bis erhöht | 60,1 | |
Extreme Preisunterschiede
Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter im jeweiligen Musterfall liegen nach den Feststellungen der Ökotester oft extreme Preisunterschiede. Je nach Beruf beträgt die Spanne zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Tarifbeitrag in der SBU zwischen 141 und 335 Prozent sowie in der BUZ zwischen 136 und 281 Prozent.
So verlange die Ergo Lebensversicherung AG von einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin für 1.000 Euro BU-Schutz 170 Euro Tarif- und 141 Euro Zahlbeitrag. Bei der Barmenia erhalte sie den gleichen Schutz dagegen mit 56 Euro Tarif- und 39 Euro Zahlbeitrag zu einem Drittel des Preises – und das auch noch zu besseren Bedingungen.
Auch schlechter Schutz könne teuer sein. Der als „ausreichend" eingestufte SBU Basisschutz der WWK Lebensversicherung a.G. für 36-jährige Apotheker oder 42-jährige Unternehmensberater sei bei der Konkurrenz zu qualitativ deutlich besseren Bedingungen und rund ein Drittel preiswerter zu haben.
Manche müssen mit der Lupe suchen
„Gute Tarife zu bezahlbaren Preisen gibt es nicht für jedermann“, stellt Öko-Test fest. Während Akademiker wie Apotheker oder Assistenzärzte zwischen einer Vielzahl von sehr guten Tarifen zu sehr günstigen Preisen wählen könnten, müssten Arbeitnehmer aus körperlich belasteten Berufen schon mit der Lupe suchen, wer sie überhaupt nimmt.
Ein 31-jähriger Krankenpfleger zum Beispiel sei auch als Gesunder in rund der Hälfte der für ihn überhaupt in Frage kommenden Tarife nicht zu den gewünschten Konditionen versicherbar. Entweder würde der Vertrag schon lange vor seinem 67. Geburtstag auslaufen oder die Rentenhöhe sei gedeckelt.
Außerdem sei guter Schutz für ihn oft exorbitant teuer. Im Top-Tarif der InterRisk Lebensversicherungs-AG Vienna Insurance Group müsste er mit 511 Euro Tarifbeitrag und 307 Euro Zahlbeitrag so hohe Beiträge zahlen, dass er sich den BU-Schutz kaum noch leisten kann. Doch es gibt Ausnahmen: Die Swiss Life versichert ihn im Tarif 943 zu 191 Euro Tarif- und 128 Euro Zahlbeitrag.
Laufzeit oft begrenzt
Vor allem für handwerkliche und körperlich belastete Berufe, wie für Kraftfahrer, Dachdecker oder Raumpflegerin, sind laut dem Testbericht meist nur Verträge erhältlich, die bis zum 60. oder 62. Lebensjahr laufen. Bei einigen Versicherern ist in diesen Berufen sogar schon mit 55 Jahren Schluss.
Auch Polizisten und Wachleute sind oft nur bis 55 versicherbar, sofern sie nicht ausschließlich Innendienst schieben. Im Branchendurchschnitt liegt das Endalter für sie allerdings bei 60,81 Jahren für SBU-Policen und rund 59,14 Jahren bei einem BUZ-Vertrag.
Lediglich die Barmenia, die Gothaer Lebensversicherung AG im Basistarif und die VHV Lebensversicherung AG versicherten alle Berufsgruppen bei der SBU bis 67. Bei der BUZ kämen noch die Hannoversche und die Axa Lebensversicherung AG mit ihrem BUZ-Schutz für Heilberufe mit dazu, schreibt Öko-Test. Die SBU-Tarife der Interrisk liefen im Schnitt nur bis etwas mehr als 63 Jahre. Die Cosmos Lebensversicherungs-AG komme gerade mal auf rund 64 Jahre.
Annahmepolitik getestet
Untersucht wurde schließlich auch die Annahmepolitik von 22 Anbietern. Dazu hat der Versicherungsmakler Helge Kühl den Gesellschaften für fünf Musterfälle anonyme Risikovoranfragen vorgelegt.
Die virtuellen Antragstellerin waren eine 16-jährige Schülerin mit dem Hobby Voltigieren, eine 29-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin, die schon mal wegen innerer Unruhe und Schlafstörungen den Hausarzt konsultiert hatte, ein 31-jähriger Krankenpfleger, der vor zwei Jahren einen Unfall mit einem leichten Schleudertrauma hatte und an Heuschnupfen leidet, sowie ein 42-jähriger Unternehmensberater und ein 36-jähriger Apotheker, die ebenfalls Vorerkrankungen angaben.
Bei der Schülerin reichten die Entscheidungen von „normal versicherbar“ über 25 oder 50 Prozent Risikozuschlag bis zur Ablehnung. In den anderen Fällen waren die Annahme-Entscheidungen ähnlich unterschiedlich.
In dem Testbericht werden die Annahmeentscheidungen der untersuchten Versicherer mit Punkten bewertet. Spitzenreiter in diesem Ranking sind Continentale Lebensversicherung AG, Axa und Barmenia.





