Mehr Transparenz für Rating-Nutzer

14.6.2013 (€) – Standard & Poors hat sein Rating-Verfahren weiterentwickelt und gibt nun einen besseren Einblick. Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume werden offengelegt. Im Ergebnis bleiben die bisherigen Ratings weitgehend unverändert.

„Der fundamentale Blick auf Risiken und die Analyse haben sich grundsätzlich nicht verändert. Unser Ziel lag vielmehr darin, mehr Transparenz zu schaffen und dem Nutzer die Möglichkeit zu geben, seine eigenen Annahmen mit denen von S&P zu vergleichen und darauf basierend zukünftige Rating-Änderungen besser antizipieren zu können“, erläuterte Senior Director Ralf Bender von Standard & Poors (S&P) die neuen Rating-Kriterien für Versicherer.

Ratings für internationale Konzerne und Rückversicherer bestätigt

Die bestätigten Ergebnisse des Finanzstärke-Ratings in dieser Gruppe: Allianz „AA“ mit stabilem Ausblick, Aegon „AA-“ mit stabilem Ausblick, Aviva „A+“ mit stabilem Ausblick, Axa „A+“ mit stabilem Ausblick, Generali „A“ mit negativem Ausblick, ING „A+“ mit negativem Ausblick, Prudential „AA“ mit stabilem Ausblick (vormals negativer Ausblick) und Zurich „AA-“ mit stabilem Ausblick.

Unverändert blieben auch die Einstufungen der Finanzstärke der großen globalen Rückversicherer Hannover Rück, Munich Re und Swiss Re jeweils mit „AA-“ und stabilem Ausblick sowie die französische Scor mit „A+“ und stabilem Ausblick.

Nur eine Umstufung bei deutschen Versicherungs-Unternehmen

Lediglich eine Veränderung um eine Stufe – einen sogenannten notch – gab es bei den neu evaluierten deutschen Versicherern. Die Nürnberger wurde von „A-“ auf „A“ mit stabilem Ausblick hochgestuft.

Bei den anderen zwölf überprüften Ratings hat das neue Verfahren die alten Bewertungen mit jeweils stabilem Ausblick bestätigt: Alte Leipziger „A“, D.A.S. Rechtsschutz „A+“, Deutsche Rück „A+“, DEVK „A+“, Ergo Direkt „A+“, Gothaer „A-“, PB Lebensversicherung „A“, R+V Versicherung AG „AA-“, Talanx AG „A+“, Versicherungskammer Bayern „A+“, VHV „A“ und Wüstenrot & Württembergische „A-“.

Die weiteren von S&P gerateten Versicherer in Europa werden bis Ende Juli sukzessive überprüft beziehungsweise aktualisiert. Auch hier erwarten die S&P-Experten keine wesentlichen Verschiebungen.

Mehr Einblick in das gesamte Rating-Verfahren

S&P hat bei dem über zwei Jahre dauernden Prozess der Modernisierung seiner Rating-Methode auch die Wünsche der Versicherungs-Unternehmen und anderer Marktteilnehmer berücksichtigt. Wie Bender und sein Kollege Christian Badorff (Associate Director) ausführten, bestand die Sorge, dass das neue Modell die Individualität und die Besonderheiten des einzelnen Unternehmens nicht ausreichend berücksichtigen könnte.

Ralf Bender, Christian Badorff (Bild: Ullrich)
Ralf Bender, Christian Badorff (Bild: Ullrich)

„Nicht zu modellhaft“, fasste Badorff die Rückmeldungen zusammen. Danach wurde die „Erstversion“ nochmals überarbeitet. Die verabschiedete Version ermöglicht es, die relevanten Faktoren, wie beispielsweise Länderrisiken, und deren Ineinandergreifen nachzuvollziehen. Außerdem sei transparent, an welchen Stellen Abweichungen beziehungsweise analytische Freiheitsgrade vorhanden sind und wie sie jeweils genutzt wurden.

Finanzstärke auch mittelfristig gesichert

Nach mittelfristigen Analysen von S&P stellt die Kapitalausstattung der von ihr gerateten deutschen Versicherungs-Unternehmen „kein Problem dar“. Badorff bestätigte allerdings, dass Ratingagenturen tendenziell eine positive Auswahl beurteilen: „Unternehmen, die sich für finanzstark halten, lassen sich eher raten als andere.“

Eine „Konjunktur“ für Ratings gäbe es nicht: „Bei Versicherungs-Unternehmen gibt es langfristige, stabile Geschäftsbeziehungen. Dagegen unterziehen sich Unternehmen anderer Branchen manchmal gezielt einem Rating mit Blick auf bessere Finanzierungs-Konditionen.“ Dieser Grund entfalle in der Versicherungswirtschaft. Hier sei das Rating auch für andere Interessengruppen relevant.

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