Zur wirtschaftlichen Prüfung des Makler-Rentenmodells

11.1.2019 – Mindestens fünf Marktteilnehmer („Rentenanbieter“) gewähren Maklern („Rentenbeziehern“) nach eigenen Angaben eine (Leib-) Rente gegen Übertragung ihres Bestandes beziehungsweise ihrer Unternehmensanteile. Dabei sind rechtliche und steuerliche, vor allem aber auch wirtschaftliche Fragen zu klären. Der Nachfolge-Experte Christian Lüth erklärt im zweiten Teil seines dreiteiligen Gastbeitrags, worauf in punkto Courtagen, Bestand und Rentenhöhe zu achten ist.

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Es ist davon auszugehen, dass nur dann eine Rente vom Rentenanbieter ausgekehrt werden kann, wenn der entsprechende Versicherungsbestand auf die Vermittler-Nummern des jeweiligen Rentenanbieters courtagepflichtig übertragen worden ist.

Christian Lüth (Bild: privat)
Christian Lüth (Bild: privat)

Den abgebenden Vermittler kann hier eine Mitwirkungspflicht zur Aufnahme von Maklermandaten zugunsten des Rentenanbieters treffen. In diesem Fall sollte man hierfür die Erfolgschancen und den zeitlichen Aufwand realistisch einschätzen und mit dem Rentenanbieter abstimmen, ob für diesen Aufwand eine separat zu entrichtende Tätigkeitsvergütung gezahlt wird.

Berücksichtigung der Courtagen

Zu den Voraussetzungen für den Bezug einer Rente könnte auch gehören, dass ausschließlich die Courtagen berücksichtigt werden, die aus einem bestimmten Kundensegment (zum Beispiel nur Privatkunden oder Kleingewerbe) herrühren.

Als Makler sollte man sicherstellen, dass die laufenden Jahrescourtagen des gesamten Bestandes (einschließlich schadenbelasteten Geschäfts, jeglichen Gewerbegeschäfts, speziellerer Deckungskonzepte und so weiter) als Bezugsgröße für die Rente herangezogen werden.

Leitlinie für die gewünschte Rentenlösung sollte dem Grunde und der Höhe nach immer die Kombination eines konventionellen Verkaufs in Verbindung mit einer garantierten Rentenzahlung bleiben.

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Voraussetzungen für die Rentenhöhe

Damit die alternative Rentenregelung mit dem herkömmlichen Verkauf mit einem fest vereinbarten Kaufpreis wirtschaftlich verglichen werden kann, sollten auch die Voraussetzungen für die Rentenhöhe geklärt werden. Gibt es eine feste Rentenzusage (analog zum Durchführungsweg der Pensionszusage im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung) oder ist die Rentenhöhe an die Vergütungen gekoppelt, die der Rentenanbieter von den Versicherern erhält?

In diesem Zusammenhang ist nicht nur die prozentuale Höhe der Courtage relevant, sondern auch die Frage zu klären, ob die Courtagehöhe sich nach den Courtagesätzen richtet, die zwischen dem Versicherer und dem Rentenanbieter vereinbart worden sind.

Alternativ gäbe es unter Umständen auch die Möglichkeit, dass die bisherigen (niedrigeren) Courtagesätze zwischen den Versicherern und dem Makler als Grundlage für die Rentenhöhe vereinbart werden. Außerdem sollte man klären, ob sich (bisherige) Provisionsabgaben an Tippgeber und/oder Untervermittler bei der Berechnung der Rentenhöhe reduzierend auswirken und ob dynamisiertes Geschäft der Rentenhöhe unterworfen wird.

Übertragung von weiteren Teilbeständen und Umdeckungen

Sollte es sich bei dem Erwerber um einen Pool handeln, so wäre auch zu prüfen, ob andere Teilbestände, die bei anderen Pools platziert worden sind, problemlos übertragen werden können. Diese Verträge könnten dann ebenfalls bei der Rentenbemessung berücksichtigt werden.

Ein elementarer Aspekt ist außerdem, inwieweit sich der Rentneranbieter die Möglichkeit vorbehält, übernommene Kunden an Dritte (vorzugsweise andere Vertriebspartner/ Makler) zu verweisen, um eine persönliche Betreuung des Kunden sicherzustellen. Da ein Courtage-Euro nur einmal ausgegeben werden kann, stellt sich dann die Frage, inwieweit ein derartiges Szenario die Rentenhöhe zuungunsten des Abgebenden beeinflussen kann.

Weiterhin stellt sich die Frage, welche Renteneinbußen hinzunehmen sind, wenn die ursprünglich vermittelten Versicherungsverträge komplett und direkt zu einer anderen Versicherungs-Gesellschaft beziehungsweise zu einem anderen Pool umgedeckt werden.

Zahlungssicherheit der Rente

Wir leben in einer sich stark verändernden und flexiblen Welt, was die Versicherungsmakler-Branche ganz besonders trifft. Da es sich bei Rentenmodellen naturgemäß um längerfristige Zahlungserwartungen handelt, stellt sich für abgebende Makler die Frage, inwieweit es eine Garantie zur Zahlung der Rente gibt. Liegen Garantien vor, so ist eine sorgfältige Prüfung der Werthaltigkeit der Garantien erforderlich.

Inwieweit Zahlungszusagen ihre Rechtswirksamkeit auch für den Fall einer möglichen Insolvenz des Rentenanbieters beziehungsweise möglichen Patronatsgebern entfalten, sollte mit einem versierten Rechtsanwalt für Insolvenzrecht abgestimmt werden.

Gleichzeitig sollte auch die rechtliche Prüfung einer (außerordentlichen) Kündigung einer bereits abgegebenen Garantie- oder Patronatserklärung erfolgen. Nicht umsonst steht bei einer konventionellen Transaktion die Absicherung von vereinbarten Kaufpreisraten (zum Beispiel durch eine Finanzbürgschaft) ganz weit oben auf der Prioritätenliste.

Austausch von Jahresabschluss-Unterlagen

Da der Makler normalerweise als Übergeber und zukünftiger Rentenbezieher eine Vielzahl von Unterlagen offenlegen muss, empfehlen wir, sich auch über die wirtschaftliche Situation des Rentenanbieters zu informieren. Hierzu zählen neben Informationen aus dem elektronischen Bundesanzeiger beziehungsweise Unternehmensregister auch die Einsichtnahme von Jahresabschlüssen des Anbieters beziehungsweise dessen Garantiegeber.

Diese Prüfung könnte zum Beispiel auch darüber Aufschluss geben, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe der Rentenanbieter Rückstellungen (zum Beispiel für etwaige Hinterbliebenenrenten) vorgenommen hat. Sobald es in diesem Zusammenhang zu einer Bilanzberührung bei dem Rentenanbieter-Unternehmen kommen sollte, könnte diese gravierende Bilanzposition ein komplett neues Licht auf die wirtschaftliche Beurteilung des Rentenanbieters werfen.

Vor diesem Hintergrund betrachtet ist im Sinne einer Partnerschaft auf Augenhöhe der Austausch von Jahresabschluss-Unterlagen mit Sicherheit angemessen.

Hinterbliebenenrente

Sollte es keine Hinterbliebenenrente nach dem Ableben des Rentenbeziehers geben, sollten die damit verbundenen Nachteile bewusst sein. Bei einem vorzeitigen unerwarteten Ableben würden die Hinterbliebenen im Vergleich zu einer festen Kaufpreisregelung einen erheblichen wirtschaftlichen Nachteil erleiden.

Je nach familiärem Umfeld, könnte aber auch eine Hinterbliebenen-Versorgung wichtig sein. Da einige Anbieter hierfür eine Weiterzahlung der Rente an Hinterbliebene avisieren, wären die vorgenannten Ausführungen gleichermaßen für diese Art der Rentenzahlung relevant.

Weitere Tätigkeit im eigenen Bestand und Zusammenarbeitsvereinbarung

Viele Versicherungsmakler stellen sich bei der Nachfolgeregelung nicht nur einen sanften Übergang zugunsten des Bestandserhalts vor, sondern möchten noch eine Weile im Beratungsbereich tätig sein. Diesbezüglich sollte eine klare Abgrenzung zwischen einer Übergangsbegleitung und einer zu vergütenden Tätigkeit erfolgen.

Je konkreter die einzelnen Mitwirkungspflichten, Tätigkeiten, Dauer und Tätigkeitsort formuliert sind, desto weniger ergeben sich nach der Transaktion Konflikte. Insbesondere sollte es keine Widersprüche geben, wenn der Rentenanbieter sich die Möglichkeit vorbehält, Kunden an andere Vertriebspartner weiter zu vermitteln. Die kaufvertraglichen Regelungen und die vertraglichen Regelungen zur Tätigkeit sollten daher unmissverständlich sein.

Der Beitrag ist der zweite Teil einer Artikelreihe zum Thema Maklerrente. Teil eins findet sich im Archiv (VersicherungsJournal 10.1.2018). Teil drei wird in den kommenden Tagen auf VersicherungsJournal.de veröffentlicht.

Christian Lüth

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der ibras GmbH. Diese ist spezialisiert auf Fragen des Kaufs und Verkaufs von Maklerbeständen und -unternehmen sowie Nachfolgeregelungen von Versicherungsmaklern.

 
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