Versicherer wittern Neugeschäft

9.9.2019 – Der digitale Bancassurance-Vertriebsweg reduziert für Versicherer die bestehende Abhängigkeit von den klassischen Kanälen. Die Branche macht sich bereit, dieses Potenzial zu erschließen. Erste Projekte in diese Richtung stellten Allianz, Nürnberger, R+V sowie die Fin- und Insurtechs Bank-Sapi und Optiopay vor.

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Das Allfinanz-Konzept wird wiederbelebt: als neues digitales Geschäftsmodell. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Richtlinie PSD2, die das Monopol der Banken beim Zugriff auf transaktionale Kundendaten auflöst.

Banken müssen jetzt auch Drittanbietern einen standardisierten, nichtdiskriminierenden Zugang zum Konto ihrer Kunden gewähren. Voraussetzung ist dabei die Zustimmung des Endkunden. Die Bereitschaft dazu ist bei Verbrauchern gegenüber Versicherern vergleichsweise hoch (VersicherungsJournal 3.12.2018).

Übergreifende Zusammenarbeit notwendig

Auf der Anbieterseite ist für entsprechende Angebote Kooperations-Bereitschaft notwendig: zwischen Versicherern und Banken sowie spezialisierten Technik-Unternehmen aus der Insur- oder Fintech-Szene.

Diese Zusammenarbeit eröffne für Versicherer die Chance auf Risikodiversifizierung, Kostensynergien und auf schnelles Wachstumspotenzial, zum Beispiel durch den Zugang zu neuen Kundenportfolios. Diese These vertreten Martin Müller und Aljoscha Ziller, Berater bei der Managementberatung Horváth & Partners, in einem Gastbeitrag (25.7.2019).

Allianz bringt sich in Position

Dass Bewegung in den Markt kommt, zeigen die Ankündigungen diverser Unternehmen in den vergangenen Wochen und Tagen. Ein prominentes Beispiel ist dafür ist das Projekt „Iconic Finance“ der Allianz Deutschland AG (11.7.2019).

Wir bauen ein komplettes Ökosystem.

Markus Faulhaber, Vorstandschef der Allianz Lebensversicherungs-AG, zu Iconic Finance.

Markus Faulhaber, Vorstandschef der Allianz Lebensversicherungs-AG, kündigte im Interview mit der Börsen-Zeitung den Start für Anfang 2020 an: „Wir bauen ein komplettes Ökosystem.“ Allianz-Kunden sollen alle Finanzaktivitäten dort einbinden können.

Markus Faulhaber (Archivbild: Brüss)
Markus Faulhaber (Archivbild: Brüss)

Zudem plant der Manager den Ausbau eines Altersvorsorge-Angebots, das Ein- und Auszahlungen in variierender Höhe erlaubt und damit flexibel wie ein Tagesgeldkonto sei. „Dieses völlig neue Angebot wird in Zukunft unser Geschäft prägen“, gab sich Faulhaber überzeugt.

Nürnberger will junge Familien erreichen

Einen Schritt weiter sind die Nürnberger Versicherungen. Das 2017 gegründete Tochterunternehmen Codecamp N GmbH (30.5.2018, 2.11.2017) entwickelt als Innovator mit seinen 50 Mitarbeitern bereits digitale Mehrwertservices für die Finanzdienstleistungs-Industrie.

2019 will Codecamp N diesen eingeschlagenen Weg weitergehen. „Unsere Anwendungen zielen darauf ab, die Themen Finanzen und Versicherung durch digitale Service-Leistungen aufzuladen und den Umgang mit diesen Themen zu erleichtern“, erklärte Simon Kröppel, Head-of-Business-Development bei dem Insurtech, gegenüber dem VersicherungsJournal (12.12.2018).

Anfang September erhielt das Unternehmen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) die Genehmigung, Kontoinformations-Dienstleistungen nach PSD2 zu erbringen.

App auch als White-Label-Service

Gleichzeitig hat das Startup seine Banking-App „bankz“ umgestaltet und das Geschäftsmodell unter dem Namen „bankz family“ neu ausgerichtet. Diese Lösung adressiere speziell junge Familien mit Tipps und Empfehlungen für ihre individuelle Finanz- und Lebenssituation.

Die Technologie hinter bankz soll künftig auch in der Finanz- und Versicherungsbranche eingesetzt werden. Versicherer, Makler und Finanzvertriebe könnten die Kontoanalyse als White-Label-Service begleitend für ihre Beratungsgespräche nutzen, wirbt das Insurtech in einer Mitteilung.

R+V nutzt Kundenpotenzial der Volksbanken

Die R+V Versicherung AG will das Kunden- und Datenpotenzial der Volks- und Raiffeisenbanken für den digitalen Vertrieb nutzen. Dafür kündigte der Konzern einen virtuellen Versicherungsmanager an (11.4.2019).

Das Tool steht den 875 Volks- und Raiffeisenbanken und ihren 30 Millionen Kunden seit Mai zur Verfügung. Der Versicherer nutzt dafür eine Plattform von Friendsurance-Business (15.4.2019).

Fin- und Insurtechs mischen mit

Im August erhielt die Bank-Sapi Technology GmbH die Erlaubnis der Bafin als Kontoinformations- und Zahlungslösedienst. Das Unternehmen startete jetzt seine PSD2-Anwendung „REG/Protect-as-a-Service“. Das Modul klassifiziere Kontoumsätze nach Versicherungsprodukten, reichere diese automatisiert an und erstelle auf dieser Basis einen digitalen Versicherungsordner.

Nach eigenen Angaben arbeite das Unternehmen heute im Bancassurance-Umfeld bereits mit der Württembergischen Versicherung AG, der Alten Leipziger, der Swiss Life Select Deutschland GmbH sowie Tecis Finanzdienstleistungen AG zusammen.

Mit einer Bafin-Lizenz als Zahlungsdienstleister ist seit August auch die Optiopay GmbH ausgestattet. Der neue Dienst des Unternehmens heißt „OptioBanking“.

Das Fintech kooperiert bereits mit folgenden Unternehmen aus der Versicherungsbranche: der Fonds Finanz Maklerservice GmbH (20.3.2019), der Gothaer Allgemeine Versicherung AG (16.1.2019), der HDI Versicherung AG und der Ovag Ostdeutsche Versicherung AG (4.12.2017, 8.6.2017) sowie der Axa Versicherung AG (2.5.2018).

Axa-Umfrage zeigt Kundenpotenzial

Der Axa-Konzern gibt sich, was Services oder Produkte angeht, allerdings noch zurückhaltend und ließ die Chancen, die PSD2 ermöglichen könnte, erstmal über seine Tochter Axa Partners ausloten.

Das Unternehmen hat das Potenzial von Zielgruppen und Familien sowie ihren Bedarf in einer Online-Umfrage, an der 2.074 Personen im Juli teilnahmen, gemeinsam mit der Yougov Deutschland GmbH untersucht.

Die Befragung zeigt, dass bestimmte Zusatzleistungen zu den klassischen Bankangeboten gezielt von den Jüngeren nachgefragt werden. So interessierten sich besonders Familien für Angebote wie eine Kfz-Restschuldversicherung (61 Prozent), eine Mobilitäts-Versicherung (56) und ein Reifenschutz-Produkt (43).

Jüngere Bankkunden zeigen auch Interesse an Zusatzleistungen, die es ihnen ermöglichen, flexibler zu reisen und damit auf verbundene Risiken vorbereitet zu sein: Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Auszubildenden und Studenten sind an einem „Travelpaket“ interessiert, welches sie in Fällen von Reiserücktritt und -abbruch, Unfall, sowie Gepäckverlust und -beschädigung absichert.

 
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