Stärkung der privaten Altersvorsorge hat für Deutsche geringe Priorität

15.7.2026 – Danach befragt, welche Ziele bei einer Reform der Alterssicherung höchste Priorität haben sollen, sprechen sich laut einer Insa-Umfrage im Auftrag des DIA die meisten Bürger für die Bekämpfung der Altersarmut und die Sicherung des Rentenniveaus aus. Deutlich weniger Zuspruch erhalten dagegen die Stärkung der privaten Altersvorsorge sowie die langfristige Sicherung der Finanzierbarkeit des Systems.

Die Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) hat eine repräsentative Umfrage bei der Insa-Consulere GmbH beauftragt. Ziel war es, herauszufinden, welche Prioritäten die Bürger bei einer Reform der Alterssicherung in Deutschland setzen.

Welches Reformziel hat die oberste Priorität?

An der Befragung, die im Zeitraum vom 3. bis 7. Juli 2026 durchgeführt wurde, nahmen 2.010 Personen ab 18 Jahren teil. Die Ergebnisse wurden zudem nach sechs Altersgruppen ausgewertet:

  • 18 bis 29 Jahre,
  • 30 bis 39 Jahre,
  • 40 bis 49 Jahre,
  • 50 bis 59 Jahre,
  • 60 bis 69 Jahre,
  • ab 70 Jahren.

Die Teilnehmer mussten sich für ein Reformziel entscheiden, das aus ihrer Sicht oberste Priorität haben sollte. Mehrfachnennungen waren nicht möglich.

„Bekämpfung der Altersarmut“ steht an erster Stelle

Über alle Altersgruppen hinweg wurde die Bekämpfung der Altersarmut am häufigsten als wichtigste Priorität genannt. 36 Prozent der Befragten entschieden sich dafür. Auf Platz zwei folgt die Sicherung des Rentenniveaus mit 21 Prozent.

Die Sicherung der langfristigen Finanzierbarkeit belegt mit 14 Prozent den dritten Platz. Es folgt das Ziel, die finanzielle Belastung jüngerer Generationen zu begrenzen. Dafür entschieden sich sieben Prozent der Befragten.

Erst dann folgt die „Stärkung der privaten Altersvorsorge“ mit sechs Prozent Zustimmung. Allerdings fand die Umfrage zu einem Zeitpunkt statt, als die Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge bereits beschlossen war (VersicherungsJournal 8.5.2026). Dies könnte dazu beigetragen haben, dass die Befragten hier weniger politischen Handlungsbedarf sahen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bürger die Rentendebatte vor allem aus der Perspektive ihrer persönlichen Absicherung betrachten.

Peter Schwark, DIA

Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Unterschiede zeigen sich bei den Prioritäten von Frauen und Männern. Frauen nennen die Bekämpfung von Altersarmut mit 41 Prozent deutlich häufiger als Männer mit 32 Prozent. Männer legen dagegen größeren Wert auf die langfristige Finanzierbarkeit der Alterssicherung (17 gegenüber zwölf Prozent) sowie auf die Stärkung der privaten Vorsorge (acht gegenüber vier Prozent).

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Bürger die Rentendebatte vor allem aus der Perspektive ihrer persönlichen Absicherung betrachten“, sagt DIA-Sprecher Dr. Peter Schwark. „Für die Mehrheit steht die Frage im Vordergrund, ob das Alterseinkommen ausreicht und Altersarmut vermieden wird.“

Finanzierungsfragen seien zwar auch wichtig, stünden aber – anders als in der sozial- und finanzpolitischen Perspektive – nicht an erster Stelle, ergänzt der Volkswirt.

Prioritäten (Bild: Wenig)

„Bekämpfung der Altersarmut“ hat in älteren Generationen höhere Priorität

Auffällig sind laut den Studienautoren auch die verschiedenen Schwerpunkte zwischen den Generationen. Zwar steht die Bekämpfung von Altersarmut in allen Altersgruppen an erster Stelle. Ihre Bedeutung nimmt jedoch mit dem Alter deutlich zu:

Während unter den 18- bis 29-Jährigen lediglich 25 Prozent dieses Ziel nennen, steigt der Anteil bei den 60- bis 69-Jährigen auf 49 Prozent. Gleichzeitig wächst die Bedeutung der Sicherung des Rentenniveaus kontinuierlich – von acht Prozent bei den Jüngsten auf 30 Prozent bei den Über-70-Jährigen.

Jüngere Menschen setzen hingegen andere Akzente. So sprechen sich 14 Prozent der 18- bis 29-Jährigen dafür aus, die Belastungen künftiger Generationen zu begrenzen. Im Bevölkerungsdurchschnitt sind es lediglich sieben Prozent. Bei den 60- bis 69-Jährigen fällt dieser Wert auf zwei Prozent zurück.

Stärkung der privaten Altersvorsorge hat bei Jüngeren höhere Priorität

Auch der Stärkung der privaten Altersvorsorge wird in den jüngeren Generationen ein höherer Stellenwert beigemessen. In den Altersgruppen der 18- bis 49-Jährigen priorisieren acht bis zehn Prozent dieses Ziel, in den drei älteren Altersgruppen sind es lediglich drei bis fünf Prozent.

„Deutlich wird, dass sich die Prioritäten mit den Lebensphasen verändern. Mit zunehmendem Alter gewinnt die Sicherung des Alterseinkommens an Bedeutung. Jüngere Befragte richten ihren Blick dagegen häufiger auf die langfristige Tragfähigkeit des Systems und die Belastungen künftiger Beitrags- und Steuerzahler“, erklärt Schwark.

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