Bei diesen Kfz-Haftpflichtversicherern schrumpfte der Bestand am stärksten

16.9.2024 (€) – Die Allianz Direct hatte auf Sechsjahressicht in der Kfz-Haftpflichtversicherung mit fast 53 Prozent den größten Bestandsrückgang zu verzeichnen. Um jeweils rund ein Sechstel schrumpften DA Direkt und Axa Easy. Laut dem „Branchenmonitor 2017-2022: Kraftfahrtversicherung“ von V.E.R.S. Leipzig gingen bei zwölf weiteren Akteuren aus der Top 50 die Prämieneinnahmen zurück.

Die Kraftfahrzeughaftpflichtversicherer haben den Vertragsbestand zwischen 2017 und 2022 kräftig ausgebaut. Er stieg Angaben des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) zufolge um etwa acht Prozent auf annähernd 69,5 Millionen Stück.

Große Unterschiede bei der Bestandsentwicklung in der Kfz-Haftpflicht

Auf Ebene der einzelnen Gesellschaften zeigten sich deutlich unterschiedliche Entwicklungen. So hatten zwei Drittel der 50 umsatzstärksten Marktteilnehmer teil an der positiven Entwicklung. Am stärksten wuchs die Rhion Versicherung AG, die ihren Bestand mehr als verzwanzigfachte (VersicherungsJournal 26.8.2024).

Dies geht aus dem „Branchenmonitor 2017-2022: Kraftfahrtversicherung“ hervor. Die Studie wird jährlich von der V.E.R.S. Leipzig GmbH durchgeführt. Sie enthält Übersichten zu zahlreichen Kennzahlen der 50 größten Marktakteure in der Kraftfahrtversicherung, die auf rund 87 Prozent Marktanteil kommen.

Allianz Direct und Axa mit besonders großen Bestandsrückgängen

Andererseits hatten 15 der aufgeführten Unternehmen Rückgänge zu verzeichnen. Am größten fiel die Verminderung mit mehr als 380.000 Kontrakten bei der Allianz Direct Versicherungs-AG aus. Bei der Axa Versicherung AG sank der Bestand 2022 um fast 320.000 Policen gegenüber 2017.

Jeweils sechsstellige Reduzierungen standen auch für die HDI Versicherung AG und die DA Deutsche Allgemeine Versicherung AG (DA Direkt) zu Buche.

Vergleichsweise hohe Verluste zwischen gut 51.000 und knapp 42.000 Policen hatten die Cosmos Versicherung AG, die Europa Versicherung AG und die Landschaftliche Brandkasse Hannover (VGH), zu verzeichnen.

Rückgang absolut (Bild: Wichert)

Veränderungsraten von bis zu fast 53 Prozent

Betrachtet man die Verminderungsraten von 2017 auf 2022, so fiel das Minus bei der Allianz Direct ebenfalls am größten aus. Das Unternehmen büßte im Betrachtungszeitraum mehr als die Hälfte des Bestands ein.

Bei der DA Direkt und der Axa Easy Versicherung AG betrug die Abnahme jeweils rund ein Sechstel, beim HDI ein knappes Siebtel. Zweistellige Schrumpfungsraten waren ansonsten nur noch bei der Europa und der Axa zu beobachten.

Rückgang prozentual (Bild: Wichert)

Sonderfaktoren bei der Allianz Direct

Bei der Allianz Direct (früher Allsecur) kehrte sich der zuvor jahrelange Wachstumstrend im Jahr 2018 um. Dem damaligen Minus von nur 0,6 Prozent folgten zwei deutliche Bestandsreduzierungen, die auf Sonderfaktoren zurückzuführen waren. Zum einen hat das Unternehmen 2019 den Vertrieb über Vergleichsportale eingestellt, was den Bestand um rund 165.000 Verträge schrumpfen ließ.

2020 ging es sogar um fast 177.000 Kontrakte hinab. Im Jahr darauf gelang es dem Anbieter, das Minus auf unter 44.000 Stück zu verkleinern. Im letzten Jahr des Betrachtungszeitraums kehrte das Unternehmen in die Wachstumsspur zurück (plus 8.300 Verträge).

Im Geschäftsbericht 2022 (PDF, 644 KB) merkt das Unternehmen an, dass im letzten Quartal des Berichtsjahres „planmäßig die Trendwende erreicht“ und die Portfoliogröße zum ersten Mal seit 2020 wieder zugenommen habe. Zu der Entwicklung habe auch die Ende 2021 neu gegründete Niederlassung in Spanien beigetragen.

HDI kehrt in der Kraftfahrt-Sparte in die Wachstumsspur zurück

Der HDI schaffte 2022 nach vier Verlustjahren den Turnaround und konnte deutlich um über 100.000 Kontrakte zulegen. Treiber dieser Entwicklung war laut Geschäftsbericht 2022 (PDF 1,4 MB) „im Wesentlichen das Bestandswachstum sowohl aus dem Jahreswechselgeschäft 2021/2022 als auch aus dem unterjährigen Geschäft, insbesondere aus dem Direkt- und Maklervertrieb“.

Die rückläufige Entwicklung in den ersten Jahren des Betrachtungszeitraums war unter anderem auf fortgeführte Sanierungsmaßnahmen und die nach eigenen Angaben „geplante“ Abgabe des Großflottengeschäfts an die HDI Global SE (11.2.2019) zurückzuführen.

Zum Hintergrund für das zehnprozentige Minus im Jahr 2019 hatten die Hannoveraner „im Wesentlichen ein geringeres Neugeschäft aufgrund einer profitabilitätsorientierten Zeichnungspolitik“ genannt (1.3.2021).

Der etwa achtprozentige Rückgang im Jahr 2020 war nach eigenen Angaben auf pandemiebedingte Effekte, ein auslaufendes Kooperationsmodell sowie Verluste aus dem Jahreswechselgeschäft zurückzuführen. 2021 konnten die Hannoveraner den Bestandsabrieb dann auf unter drei Prozent drücken.

Zeitreihe (Bild: Wichert)

Hintergründe zu den Verlusten bei Axa und DA Direkt

Die Axa konnte die positive Entwicklung aus 2021 nicht wiederholen und büßte zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren ein. Das Minus fiel mit 0,7 Prozent allerdings deutlich niedriger aus als zuvor. 2020 hatte die Schrumpfungsrate über acht Prozent betragen.

Dadurch waren die Kölner in der Rangliste der größten Anbieter von der sechsten auf die neunte Position zurückgefallen. 2021 und 2022 konnte diese Platzierung gehalten werden.

Die DA Direkt konnte die positive Entwicklung aus 2020 wie schon im darauffolgenden Jahr auch 2022 nicht bestätigen. Die Gesellschaft hatte vielmehr das vierte Minus im Beobachtungszeitraum hinzunehmen. Im Geschäftsbericht 2022 (PDF, 1,1 MB) erläuterte das Unternehmen: „Der Kfz-Versicherungsmarkt zeichnet sich durch einen starken Preiswettbewerb aus, der seinen Ausdruck in einer zyklischen und intensiven Preisdynamik findet.

Während das Kfz-Geschäft im Jahr 2022 mit Blick auf die Bestandsentwicklung weiterhin stark belastet war, konnte der Zahnzusatz- und Tierkranken-Versicherungsbestand erheblich ausgebaut werden. Insgesamt konnte der Rückgang bei den Kfz-Verträgen und den sonstigen Sparten aber nicht durch den Zuwachs bei der Zahnzusatz- und Tierkrankenversicherung ausgeglichen werden.“

Bezugshinweis

Die Branchengrößen mit mehr als 2,5 Millionen Policen im Bestand agierten mehrheitlich besser als der Markt (16.9.2024).

Der „Branchenmonitor 2017-2022: Kraftfahrtversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zum Versicherungszweig. Die rund 200-seitige Studie kann als PDF-Version für brutto 1.350,65 Euro inklusive Mehrwertsteuer bei Maik Entrich per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659262 bestellt werden.

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