Honorarberatung: Ziel erreicht oder Rohrkrepierer?

6.12.2018 – Zum Stand der Honorarberatung im Finanzdienstleistungs-Sektor hat sich die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP geäußert. Sie verweist auf das Vermittlerregister und den Koalitionsvertrag und konnte manche der Fragen nicht beantworten. FDP-Finanzexperte hält die Honorarberatung für einen Rohrkrepierer.

Zur Honorarberatung im Finanzdienstleistungs-Sektor hat der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion Frank Schäffler mittels einer Kleinen Anfrage bei der Bundesregierung eine Zwischenbilanz abgefragt (Bundestagsdrucksache 19/6069 – PDF, 350 KB).

Zur zahlenmäßigen Entwicklung der Honorarberatung verwies das Bundesministerium der Finanzen (BMF) auf die Daten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), der vierteljährlich über die Veränderungen in den Vermittlerverzeichnissen berichtet (VersicherungsJournal 11.10.2018, 11.10.2018). Danach waren per 1. Oktober insgesamt 1.182 Honorarberater sowie 19 Wertpapier-Dienstleistungs-Unternehmen als unabhängige Honorar-Anlageberater registriert.

Mit den gesetzlichen Regelungen zur Honorarberatung hat die Bundesregierung ihr Ziel erreicht, einen rechtssicheren Rahmen für das Anbieten einer nicht-provisionsbasierten Anlage- beziehungsweise Versicherungsberatung zu schaffen.

Bundesministerium der Finanzen

Bundesregierung sieht rechtlichen Rahmen gesteckt

Auf die Frage, wie die Bundesregierung die Umsetzung der Honorarberatung in der Praxis bewertet, erklärte das Ministerium: „Mit den gesetzlichen Regelungen zur Honorarberatung hat die Bundesregierung ihr Ziel erreicht, einen rechtssicheren Rahmen für das Anbieten einer nicht-provisionsbasierten Anlage- beziehungsweise Versicherungsberatung zu schaffen.“

Damit könnten Verbraucher frei zwischen den verschiedenen Beratungsformen wählen. Weitere Gesetzesvorhaben bezüglich der Honorarberatung seien nicht geplant.

Zudem wird auf den Koalitionsvertrag verwiesen, dem zufolge die freien Finanzanlagenvermittler schrittweise der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) unterstellt werden sollen. Davon sind dann auch die Honorar-Finanzanlagenvermittler (§ 34f GewO) betroffen. Wann dieser Prozess eingeleitet werden soll, wurde offengelassen.

Die Entwicklung der Honorarberatung ist ein absoluter Rohrkrepierer.

Frank Schäffler, FDP

Der Honorarberater: Das unbekannte Wesen?

Fragen, wie viele Verbraucher im Jahr die Dienste von Honorarberatern in Anspruch nehmen, konnte das Ministerium ebenso nicht beantworten wie die Frage nach der durchschnittlichen Vergütung pro Beratung. Auch die Frage, wie viele Verträge in den vergangenen fünf Jahren über Honorarberater abgeschlossen wurden, blieb unbeantwortet.

Frank Schäffler (Bild: Paul Dilek)
Frank Schäffler (Bild: Paul Dilek)

Schaut man nur auf den Bereich der Versicherungs-Vermittlung, dann waren Anfang Oktober 2018 insgesamt 204.148 Vermittler und Berater registriert. Der Anteil der 349 Versicherungsberater lag damit bei knapp 0,2 Prozent. Die Provisionen im Versicherungsbereich lagen 2017 bei 17,0 (2016: 16,2) Milliarden Euro, wie das Ministerium unter Berufung auf Daten der Bafin weiter mitteilte.

Schäffler sagte dem VersicherungsJournal: „Die Entwicklung der Honorarberatung ist ein absoluter Rohrkrepierer.“ Wenn jetzt auch noch freie Finanzanlagenvermittler unter die Bafin-Aufsicht gestellt würden, dann würden es noch weniger sein, weil „die Aufsichtskosten diese erdrücken werden“.

Ein derzeit im Rahmen der Evaluierung des Lebensversicherungs-Reformgesetzes (LVRG) diskutierter Provisionsdeckel würde nicht die Honorarberatung fördern, sondern die verschiedenen Beratungsansätze am Markt zerstören, glaubt Schäffler (VersicherungsJournal 14.9.2018).

 
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