Diese Änderungen für 2018 sollten Berater kennen

22.12.2017 – Zum Jahreswechsel gibt es in den Bereichen Altersvorsorge, Sozialversicherung, Vermittlerrecht und Steuern wichtige Änderungen. Eine Übersicht.

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Ab 23. Februar 2018 sollen die Vorgaben der IDD greifen. Generell steht die Richtlinie europaweit für noch mehr Transparenz und Verbraucherschutz. Damit erhalten Beratungs- und Informationspflichten noch größere Bedeutung. Es ergeben sich für die Branche vier wesentliche Handlungsfelder: bei Produkten, in der Beratung, bei der Vergütung sowie der Qualifikation (VersicherungsJournal 25.9.2017).

Zudem müsse der Vertrieb innerhalb klar definierter Zielmärkte stattfinden (VersicherungsJournal 1.12.201715.9.2017). Vermittler haben demnach die Pflicht, sich alle erforderlichen Informationen zu beschaffen, damit sie den Zielmarkt jedes Produkts verstehen, das sie vermitteln wollen.

Absehbar ist auch, dass Kunden dann Produktinformations-Blätter für Versicherungsanlage-Produkte beziehungsweise für Nicht-Lebensversicherungs-Produkte ausgehändigt bekommen (VersicherungsJournal 22.8.2017). Diese müssen bestimmten inhaltlichen und formalen Anforderungen entsprechen (VersicherungsJournal 31.7.2017).

Versicherungsvermittler-Verordnung hängt zeitlich in der Luft

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat zwar Ende Oktober einen Referentenentwurf zur „Verordnung zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/97 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Januar 2016 über den Versicherungsvertrieb“ vorgelegt (VersicherungsJournal 26.10.2017). Die Neufassung war mit der IDD-Umsetzung in nationales Recht notwendig geworden.

Inzwischen liegen Stellungnahmen der Verbände zur VersVermV vor. Da aber die Regierungsbildung auch jetzt noch nicht abgeschlossen ist, dürfte sich die Verordnung verzögern, vermutlich in Richtung 1. Oktober 2018.

Kritisiert wird vor allem die angepeilte Nachweispflicht bei der Weiterbildung für Versicherungsvermittler und die geplante Lernerfolgskontrolle. „Im Rahmen von Präsenzveranstaltungen halten wir solche Kontrollen für schwer bis gar nicht umsetzbar“, sagt etwa Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK).

Im Rahmen der Umsetzung der IDD in nationales Recht wird für Vermittler eine Weiterbildungsplicht von 15 Zeitstunden im Jahr eingeführt, an sich nichts Neues gegenüber der aktuellen Praxis (VersicherungsJournal 28.11.2018).

BRSG stärkt Tarifpartner und schwächt Berater

Das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz tritt am 1. Januar 2018 in Kraft (VersicherungsJournal 24.11.2017). Es bringt eine zusätzliche Zusageart in Form der reinen Beitragszusage, wenn sich die Sozialpartner darauf einigen. Am Ende steht keine Garantieleistung mehr, sondern eine Zielrente (VersicherungsJournal 8.9.2017). Insofern gibt es mehr Beratungsbedarf, aber das Gesetz negiert die Rolle der Berater und Beratungskosten (VersicherungsJournal 22.11.2017, 30.10.2017).

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) wird ab Neujahr nun parallel nach alter Art und neuen Regeln praktiziert – bei verbesserter Förderung. Beiträge in Entgeltumwandlung von Arbeitnehmern werden mit bis zu acht Prozent (statt bisher vier Prozent) der Beitragsbemessungs-Grenze (BBMG) ohne Abzug von Steuern gefördert. Bedingung: Das Geld fließt in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds.

„Arbeitnehmer, die insbesondere Wert auf Garantien und ein Kapitalwahlrecht zu Rentenbeginn legen, sollten sich auch über die alte bAV-Welt informieren“, sagt Ralf Raube, Leiter bAV beim Finanzdienstleister MLP Finanzberatung SE. Sofern über den Arbeitgeber die Durchführungswege Unterstützungskasse oder Direktzusage möglich sind, lässt sich der steuer- und sozialabgabenfreie Förderbetrag noch weiter ausbauen – steuerfrei unbegrenzt.

Die Riester-bAV bekommt erstmals Sinn. Für die Auszahlung betrieblicher Riester-Renten entfällt ab 2018 die Sozialversicherungs-Pflicht (galt schon immer bei privaten Riester-Renten). In der Ansparphase wird zudem die Grundzulage von 154 auf 175 Euro pro Jahr angehoben (VersicherungsJournal 23.8.2017).

Mifid 2 startet am 3. Januar

Die EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, kurz Mifid 2, wird mit Inkrafttreten des 2. Finanzmarkt-Novellierungsgesetzes umgesetzt. Damit verschärfen sich die Anforderungen an die Transparenz bei Wertpapiergeschäften. Betroffen sind auch 34f-Vermittler und indirekt Vermittler von Fondspolicen (VersicherungsJournal 8.11.2017).

Banken und Vermögensverwalter müssen nun Telefongespräche zur Anlageberatung aufzeichnen und dann fünf Jahre aufbewahren. Diese Pflicht gilt für 34f-Vermittler und bei Abschluss von Versicherungsanlage-Produkten nicht (VersicherungsJournal 14.11.2017). Sie müssen aber Interessenkonflikte offenlegen, die Risikoneigung des Kunden erfragen und härtere Anforderungen an Product Governance samt Definition von Zielmärkten für jedes Produkt erfüllen.

Ein anderer Kernpunkt für Vermittler ist, dass Honorar- und Provisionsberatung weiter nebeneinander existieren können. Allerdings müssen Vermittler EU-weit offenlegen, auf Basis welcher Vergütungsformen sie beraten. Kostentransparenz gilt nicht nur beim Abschluss, sondern während der gesamten Laufzeit der Anlageverträge (VersicherungsJournal 4.12.2017, 28.11.2017).

Investmentsteuer reformiert

Zum 1. Januar tritt zudem das Investmentsteuer-Reformgesetz in Kraft. Ziel ist die Gleichstellung in- und ausländischer Fonds (VersicherungsJournal 29.11.2017). Im Kern geht es um die neue Abgabe für in Deutschland aufgelegte Investmentfonds. Das Gesetz sieht vor, dass diese künftig 15 Prozent Körperschaftsteuer auf deutsche Dividenden, deutsche Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien zahlen müssen.

Außerdem werden Fonds, die Gewinne ausschütten, und thesaurierende Fonds weitgehend steuerlich gleichgestellt. Kursgewinne aus Publikumsfonds wurden bislang unterschiedlich besteuert, wenn die Fonds vor 2009 oder ab 2009 gekauft worden sind. Das ändert sich nun, aber es gibt einen Freibetrag von 100.000 Euro für Fondsanteile, die vor 2009 gekauft wurden. Auch bei Fondspolicen gelten neue steuerliche Nuancen (VersicherungsJournal Medienspiegel 23.10.2017).

Datenschutz-Grundverordnung kommt im Frühjahr

Strengere Vorschriften beim Thema Datenschutz bringt die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) mit sich. Sie tritt zeitgleich mit der Neufassung des daran angepassten Bundesdatenschutz-Gesetzes am 23. Mai 2018 in Kraft. Die Informationspflichten bei der Erhebung personenbezogener Daten sind darin erheblich erweitert (VersicherungsJournal Medienspiegel 10.5.2017).

Im Kern bedeutet dies für Vermittler, dass sie noch genauer dokumentieren müssen, was mit Kundendaten gemacht wird, wo sie aufgehoben und wie sie weitergegeben und -verarbeitet werden. Auch die Sicherung der Daten, insbesondere der digitalen Daten, muss strenger als bisher gehandhabt werden (VersicherungsJournal 20.12.2016).

Mehr Förderung bei Basisrente

Bei der Basisrente steigt der Sonderausgabenabzug um zwei Prozentpunkte. Beiträge können zusammen mit denen zur gesetzlichen Rentenversicherung vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Der maximale Betrag klettert auf 23.712 Euro (Ehepaare: 47.424 Euro).

Tatsächlich ansetzbar sind davon 86 Prozent (2017: 84 Prozent). Das bedeutet: Bei Beiträgen in Höhe der maximal möglichen Förderung von 23.712 Euro sind rund 20.392 Euro steuerlich ansetzbar. Der Maximalbetrag kann erst im Jahr 2025 komplett steuerlich geltend gemacht werden. Bis dahin steigt die Grenze jährlich aber schrittweise an.

Neue Beitragsbemessungs-Grenzen

Neue BBMG in der Sozialversicherung bringen zahlreiche Änderungen mit sich, die auch in der Beratung wichtig sind. Die neuen Grenzwerte sind der „Verordnung über maßgebende Rechengrößen der Sozialversicherung für 2018“ (Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2018) zu entnehmen, die Ende November im Bundesgesetzblatt (PDF-Datei, 33 KB) veröffentlicht wurde (VersicherungsJournal 1.12.2017).

Beispiel Krankenversicherung: Beim Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung (PKV) gilt für Angestellte nun eine um 1.800 Euro angehobene Versicherungspflicht-Grenze von 59.400 Euro Jahreseinkommen (VersicherungsJournal 14.12.2017). Erst nach Überschreiten dieser Einkommensgrenze besteht für Arbeitnehmer Wahlfreiheit zwischen beiden Systemen.

Zudem steigt die BBMG in der Rentenversicherung im Westen von 76.200 Euro auf 78.000 Euro. Diese BBMG ist maßgeblich auch für die staatlich geförderte Umwandlung von Entgelt in eine Betriebsrente. 2018 erhöht sich somit der Teil des Gehalts, der steuer- und abgabenfrei in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds fließen kann.

Der geförderte Höchstbetrag klettert von 3.048 auf 3.120 Euro pro Jahr (= 260 Euro pro Monat). Durch das BRSG sind ab Januar weitere 260 Euro pro Monat steuerfrei, aber beitragspflichtig in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, umwandelbar. Somit sind neuerdings 8,0 Prozent der BBMG steuerfrei, aber weiterhin nur 4,0 Prozent sozialversicherungsfrei.

Mehr Rente! Mehr Steuern?

Eine kräftige Erhöhung der gesetzlichen Altersrente kommt am 1. Juli 2018:  Die Renten steigen in den alten Ländern voraussichtlich um 3,09 Prozent und in den neuen Ländern um 3,25 Prozent (VersicherungsJournal Medienspiegel 13.11.2017). Genaue Zahlen stehen noch nicht fest (VersicherungsJournal 15.11.2017).

Im kommenden Jahr müssen zudem voraussichtlich 54.000 Rentner erstmals Steuern zahlen. Insgesamt sind dann 4,4 Millionen Rentner steuerpflichtig (VersicherungsJournal 20.12.2017).

Wer 2018 in Rente geht, hat lebenslang nur noch 24 Prozent der Rente steuerfrei. Steuerfrei bleibt generell nur das Existenzminimum von 9.000 Euro pro Jahr (Ehepaare: 18.000 Euro). Laut Bundesfinanzministerium bleibt damit im Regelfall eine Altersrente von bis zu 1.380 Euro pro Monat steuerfrei, sofern keine anderen Einnahmen existieren.

Neben Sonderausgaben, wie haushaltsnahe Dienstleistungen oder Spenden, können jedoch auch außergewöhnliche Belastungen, wie Krankheitskosten, abgezogen werden und das steuerpflichtige Einkommen reduzieren. Das Finanzamt will dafür aber stets Belege sehen.

Leserbriefe zum Artikel:

+Thomas Oelmann - Jede Altersvorsorge sollte mit ausreichend Garantien ausgestattet sein. mehr ...

Peter Schramm - Die Risiken sind verkraftbar. mehr ...

 
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