BVK-Vermittlerumfrage: So teuer werden die Corona-Stornos

18.5.2020 – Laut einer Kurzumfrage des Vermittlerverbandes haben zwei Drittel der Mitglieder bereits starke Umsatzeinbußen aufgrund der Pandemie erlitten. Fast die Hälfte verzeichnete entsprechende Vertragskündigungen und fast Neun von Zehn rechnen mit einem schlechteren Jahresergebnis 2020 als im Vorjahr. Aufgrund der „alarmierenden Zahlen“ wird in der Verbandszeitschrift eine Unterstützung des Gesetzgebers für den Berufsstand gefordert.

„Schließungen von Gewerbebetrieben, das Kontaktverbot und die allgemeine Unsicherheit durch die Corona-Pandemie schlagen sich unmittelbar in Umsatzeinbußen für die Vermittlerbetriebe nieder.“ Das schreibt der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) in der Ausgabe 5/2000 seiner Zeitschrift Versicherungsvermittlung.

Zwei Drittel der befragten Vermittler verzeichnen starke Umsatzeinbußen

In einer Umfrage des Verbandes unter seinen Mitgliedern vom 24. bis 26. April haben laut der Zeitschrift fast zwei Drittel der 1.628 Teilnehmer starke Umsatzeinbußen angegeben.

Weitere 25 Prozent könnten noch nicht absehen, wie sich der Umsatz entwickeln wird. Nur elf Prozent haben keine Rückgänge hinnehmen müssen.

Der durchschnittliche Umsatzrückgang der Befragten wird mit fast 38 Prozent angegeben. Am stärksten betroffen sind demnach Mehrfachvertreter mit 43,3 Prozent. Von den Einfirmenvertretern verzeichneten 37,8 Prozent Einbußen und von den Maklern 38,9 Prozent.

Kleinere Vermittlerbetriebe trifft es relativ am stärksten

Kleinere Betriebe sind laut der Umfrage relativ stärker betroffen als die größeren. So reicht die Spanne der Umsatzrückgänge von 46,4 Prozent bei Vermittlern mit bis zu 80.000 Euro Jahresumsatz bis zu 28 Prozent bei den Firmen über 500.000 Euro Jahreserlös.

Als Gründe für die Einbußen gaben mehr als neun von zehn Befragten einen Rückgang der Kundenbesuche an. Die Klientel wäre von der Corona-Situation verunsichert oder von Betriebsschließungen oder Kurzarbeit bedroht.

Noch nicht einmal sechs Prozent der Befragten waren durch eine fehlende Möglichkeit zum Online-Abschluss daran gehindert, den mangelnden Kundenkontakt zu kompensieren.

BVK: Alarmierende Zahlen

Der BVK bezeichnet die Umfrageergebnisse als „alarmierend, weil sich Umsatzverringerungen im folgenden Jahr manifestieren und verstärken werden, wenn fest eingeplante Bonifikationen ausbleiben“. Dass diese sicher zurückgehen, damit rechnen 77 Prozent der Teilnehmer.

Hinzu kämen die zukünftig verringerten Folgeprovisionen durch verstärkte Kündigungen von Versicherungsverträgen und die damit einhergehenden Provisions-Rückforderungen.

Fast die Hälfte der Befragten gab an, in den ersten sechs Wochen des „Lockdowns“ bereits Vertragskündigungen von Kunden erhalten zu haben, die unmittelbar auf die Corona- Krise zurückzuführen sind. Von denen hatten 90 Prozent Rückgänge in den Sparten Leben und Kranken hinzunehmen, 47 Prozent aus dem SHUR-Bereich und knapp 20 Prozent in der Kfz-Versicherung.

Nur ein Viertel der Befragten war nicht von Corona-bedingten Storni betroffen. Fast sieben Prozent rechnen mit Einnahmeverlusten von mehr als 15.000 Euro.

BVK-Umfrage April 2020 (Bild: Meyer)

87 Prozent der Vermittler erwarten schlechtere Ergebnisse

Im Vergleich zum Vorjahr erwarten 87 Prozent der Teilnehmer ein schlechteres Ergebnis für dieses Geschäftsjahr. Jeder Zehnte sieht einen gleichbleibenden Geschäftserfolg voraus. Knapp drei Prozent rechnen mit einem besseren Ergebnis.

Die BVK-Autoren Ariane Kay und Dominik Hoffmann kommentieren die Erkenntnisse aus der Umfrage so: „Zusammenfassend zeigen die Daten, dass auch der Berufsstand der Versicherungsvermittler massiv von der Corona-Krise getroffen wurde.

Viele Vermittler werden die Einnahmeverluste voraussichtlich erst zeitversetzt mit voller Wucht zu spüren bekommen, wenn die Frist für den Antrag auf Soforthilfe am 31. Mai unter Umständen bereits verstrichen ist. Insofern setzt sich der BVK für eine gesetzliche Anpassung ein, die auch diese besondere Situation der Vermittler berücksichtigt.“

Dieses Anliegen hat Verbands-Präsident Michael H. Heinz bereits am 17. April der Bundeskanzlerin in einem Appell vorgetragen.

 
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